Friedensverhandlungen in Kolumbien erfolgreich abgeschlossen

Historischer Durchbruch

Ist das der endgültige Durchbruch? Die Friedensgespräche zwischen FARC-Rebellen und Regierung sind mit der Unterschrift unter ein Friedensabkommen erfolgreich zu Ende gegangen. Eine wichtige Hürde muss aber noch überwunden werden.

Autor/in:
Tobias Käufer
Jubel in Kolumbien über das Friedensabkommen / © Mauricio Duenas Castaneda (dpa)
Jubel in Kolumbien über das Friedensabkommen / © Mauricio Duenas Castaneda ( dpa )

Vor vier Jahren elektrisierte die Aufnahme der Friedensverhandlungen zwischen der linksgerichteten Guerilla-Organisation FARC und der kolumbianischen Regierung die Menschen in dem leidgeprüften Land. Nach zähen Verhandlungen mit einigen Krisen und Rückschlägen sind die weltweit beachteten Gespräche nun abgeschlossen. Beide Seiten einigten sich auf ein Abkommen, das den Übergang vom Krieg zum Frieden, aber auch in eine gerechtere Gesellschaft ebnen soll. "Historisch. Regierung und FARC einigen sich auf Abkommen", titelte Kolumbiens größte und wichtigste Tageszeitung "El Tiempo". Und das Nachrichtenmagazin "Semana" schrieb: "Historisch: Mission erfüllt."

Bevölkerung mit Vertrauensverlust

Von der medialen Euphorie rund um den erfolgreichen Abschluss der Gespräche ist auf den Straßen des Landes aber noch nicht viel zu spüren. Nach mehr als einem halben Jahrhundert Bürgerkrieg mit fast 300.000 Toten und sechs Millionen Binnenflüchtlingen fällt es den Kolumbianern schwer, Vertrauen zu fassen zu einem neuen Gesellschaftsentwurf. Zu oft wurden sie von falschen Versprechungen enttäuscht. Von Guerilla-Bossen und Armee-Generälen, die von Frieden sprachen aber weiter töteten.

Zudem gilt es, noch eine weitere Hürde zu nehmen. "Jetzt kommt es darauf an, alle politischen Kräfte auf ein positives Referendum zu richten. Die Gewalt in Kolumbien muss ein Ende haben. Mehr als 300,000 Helden und Gräber sind genug", sagte der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für den Friedensprozess in Kolumbien, Tom Königs.

Katholische Kirche begrüßt Friedensprozess

Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages, die in etwa drei Wochen stattfinden soll, muss das kolumbianische Wahlvolk noch zustimmen. Die katholische Kirche steht geschlossen hinter einem "Ja" für den Friedensprozess. Daran gibt es auch Kritik. Der bei den jüngsten Präsidentschaftswahlen unterlegene erzkonservative Oscar Ivan Zuluaga aus dem Lager des oppositionellen ehemaligen Präsidenten Alvaro Uribe forderte Calis Erzbischof Dario de Jesus Monsalve auf, auch jene zu respektieren, die nicht einverstanden seien mit dem ausgehandelten Abkommen. Vor allem Straferleichterungen und Straffreiheit für Guerilla-Kämpfer lehnt das Uribe-Lager ab: "Ein ungerechter Frieden kann kein Frieden sein", sagte Uribe jüngst.

Mit dem Abkommen gehen für Präsident Juan Manuel Santos zermürbende Verhandlungen zu Ende. Entführungen und Feuergefechte stellten die Gespräche zwischenzeitlich auf eine harte Probe, doch die Ankündigung des bilateralen Waffenstillstandes und das Absinken der Mordrate auf ein historisch niedriges Niveau machten deutlich, welche Chance in dem Friedensprozess steckt.

Nun steht eine Debatte über das Dokument bevor, dessen Inhalt heftig diskutiert werden wird. Es folgen die Unterschriftszeremonie und schließlich das Referendum. Eine Zustimmung beim Urnengang gilt als wahrscheinlich. Einer der ältesten bewaffneten Konflikte der Welt ginge dann zu Ende.


Unterzeichnung des Friedensabkommens in Kolumbien / © Ernesto Mastrascusa (dpa)
Unterzeichnung des Friedensabkommens in Kolumbien / © Ernesto Mastrascusa ( dpa )
Quelle:
KNA