Nicht nur zu Corona-Zeiten ist der Regenbogen ein starkes Symbol

Himmlisches Naturschauspiel und Hoffnungszeichen

In Fenstern und auf Asphalt gemalt sieht man ihn derzeit häufig: den Regenbogen. Die fröhlich-bunten Zeichnungen mahnen, zu Hause zu bleiben und auf bessere Zeiten zu hoffen. Der bunte Bogen ist ein starkes Zeichen.

Regenbogen-Banner / © Agnieszka Lobodzinska (shutterstock)
Regenbogen-Banner / © Agnieszka Lobodzinska ( shutterstock )

Als Mitmachaktion in den Sozialen Medien hat es vor einigen Wochen begonnen und zieht immer weitere Kreise: Kinder, die ohne Kindergarten, Kita und Schule nun ohnehin viel Zeit zu Hause haben, sollen Regenbogenbilder malen und sie gut sichtbar für ihre Nachbarn platzieren: im Fenster, auf dem Balkon, mit Kreide auf dem Gehweg. Die Botschaft, nicht nur für andere Kinder: Bleibt zu Hause, wir tun es auch - und irgendwann wird alles wieder gut.

Einen Regenbogen zu sehen, macht immer gute Laune. Und seit jeher sind Menschen von dem Naturschauspiel fasziniert. Fast greifbar, doch weit weg, verschwinden die mal kräftigen, mal zarten Farbbögen nach wenigen Minuten. Auch wenn der April 2020 mit einer ausgesprochen Schönwetterperiode glänzt - normalerweise ist der Monat bekannt für seine Wetterkapriolen. Damit verbunden sind häufige Wechsel von Sonne und Regen - und damit auch Regenbögen. Nicht ohne Grund begeht man in den USA den 3. April als "Find a Rainbow Day", Finde-einen-Regenbogen-Tag.

Brechung des Lichts

Seit der französische Philosoph Rene Descartes 1649 und später Wissenschaftler wie Isaac Newton die physikalischen Erklärungen geliefert haben, ist bekannt, dass ein Regenbogen durch Brechung und Reflexion von Sonnenlicht in den einzelnen Regentropfen entsteht. Um ihn zu sehen, muss man zwischen der Sonne und dem abziehenden Regenschauer stehen. Die Lichtstrahlen werden dabei in die sieben verschiedenen Farben des Spektrums zerlegt. Ein zweiter, schwächerer Bogen bildet sich, wenn sich das Licht mehrfach in den Tropfen bricht. Auch an Wasserfällen, Springbrunnen oder Wasserfontänen ist das zarte Farbenspiel mitunter zu beobachten. Trotz aller wissenschaftlicher Erklärungen des meteorologischen Phänomens versetzt sein Anblick Menschen in ehrfürchtiges Staunen.

Seit jeher schöpfen Menschen aus dem Zeichen des Regenbogens auch innere Kraft und Zuversicht. In vielen Kulturen weckt das gewaltige Farben- und Naturschauspiel am Himmel religiöse Gefühle. Die Germanen haben den geheimnisvollen Lichtbogen, der gleichsam Boden wie Himmel berührt, als Brücke zwischen Göttern und Menschen gesehen. In der Bibel gilt der Bogen als Zeichen des Bundes zwischen Mensch und Gott. So gibt dieser nach der großen Sintflut den Überlebenden ein Zeichen seiner Treue und der Versöhnung mit seinen Geschöpfen für alle Zeiten. "Er ist der sichtbare Garant für die Zusage, die ich der Erde mache", heißt es im Alten Testament.

Regenbogen als trostspendendes Zeichen

Wie auch immer man ihn deuten mag - heute drückt die Beliebtheit des Regenbogens wohl auch eine Sehnsucht nach trostspendenden Zeichen und einer besseren Welt aus. Das Symbol wird immer wieder neu interpretiert, etwa in der mit Regenbogen unterlegten Pace-Fahne. Die Idee dazu hatte 2002 im Vorfeld des drohenden Irak-Kriegs ein italienischer Ordensmann. Alex Zanotelli gab öffentlich die Parole aus "Pace da tutti i balconi!", "Friede von allen Balkonen!". Schnell wurde die Pace-Fahne dem Regenbogen zu einem globalen Zeichen für den Frieden.

So bunt und schillernd wie der Regenbogen nehmen Homo-, Bi- und Transsexuelle ihre geschlechtliche Identität wahr. Und so verwundert es nicht, dass auch die schwul-lesbische Szene den farbenfrohen Bogen zu ihrem Erkennungszeichen gemacht hat.

"Over the rainbow"

Die Musikwelt hat den Wetterphänomen mit "Over the rainbow" ein Denkmal gesetzt. Erstmals sang 1939 Judy Garland in der Filmmusik von "Der Zauberer von Oz" den Titel. Im Zweiten Weltkrieg verkörperte das gefühlige Lied für viele Soldaten die Sehnsucht nach der fernen Heimat. Künstler in aller Welt haben dem Lied inzwischen eine eigene Prägung gegeben.

Zuletzt eroberte die Fassung des 1997 gestorbenen hawaiianischen Künstlers Israel Kamakawiwo'ole die Herzen und Ohren vieler Musikfans. Allein begleitet von seiner Ukulele hat er einen chilligen Song daraus gemacht. Vielleicht lädt er gerade jetzt dazu ein, sich in den eigenen vier Wänden an einen Ort fernab von Corona zu träumen, "where troubles melt like lemon drops", wo Sorgen dahinschmelzen wie Limonendrops.

Autor/in:
Angelika Prauß
Quelle:
KNA