Hoffnungssymbol im Stephansdom

Himmelsleiter in Wien

In der Osternacht bekommt der Stephansdom eine "Himmelsleiter" als Symbol der Hoffnung. Die Kunstinstallation soll so aussehen, als würde sie vom Boden aus bis zur Turmspitze des Südturms gehen.

Touristen fotografieren Wiener Stephansdom / © Georg Hochmuth (dpa)
Touristen fotografieren Wiener Stephansdom / © Georg Hochmuth ( dpa )

Die Kunstinstallation der Wiener Künstlerin Billi Thanner wird "neongoldleuchtend" von der Taufkapelle im Dom-Inneren ausgehend erst das Gewölbe "durchstoßen" und außen den Blick bis an die Spitze des Südturms lenken. Bis Ende Mai können Interessierte jede Nacht nach oben blicken und dabei ihren "Sehnsüchten, Wünschen und Hoffnungen freien Lauf lassen", erklärte Thanner ihre Kunstinstallation, die am Mittwochabend in der Wiener Domkirche vorab präsentiert wurde.

Im Kircheninneren hängt eine 18 Meter lange Entsprechung zur im Freien angebrachten Leiter über den Köpfen von Besuchern. Beides - der Sprossenteil außen und jener innen - erzeugen die Illusion, dass die Himmelsleiter eine durchgehende Verbindung vom Boden bis zur Turmspitze schafft.

Hoffnung für Kirche und Kultur

Dompfarrer Toni Faber, erläuterte, in der christlichen Tradition stünden die Sprossen der Himmelsleiter für Tugenden: "Ausgehend von der alttestamentlichen Jakobsleiter wird in der christlichen Spiritualität der persönliche Weg eines Menschen zu Gott oft mit einer Leiter oder Treppe ins Paradies verglichen." Er freue sich darüber, dass die Kirche nach negativen Schlagzeilen nun wieder ein Stück "Hoffnungsgeschichte" schreibe und sei zuversichtlich, damit auch Menschen über den engeren kirchlichen Kreis hinaus anzusprechen.

Künstlerin Billi Thanner verbindet mit ihrem Projekt auch einen Wunsch für die derzeit massiv unter Druck stehende Kulturszene: Sie selbst habe die ersten zehn Jahre ihres Künstlerinnendaseins als sehr hart erlebt, ihre Kollegen mögen sich durch die Pandemie nicht entmutigen lassen und "nicht aufgeben", sagte sie.

Die in der Genesis des Alten Testaments erwähnte "Himmelsleiter" oder "Jakobsleiter" symbolisiert den Auf- und Abstieg zwischen Himmel und Erde: Während seiner Flucht vor seinem konkurrierenden Zwillingsbruder Esau erblickt Jakob, Sohn Isaaks und Enkel Abrahams, in einer Traumvision diese Himmelsleiter, auf der Engel Gottes auf- und niedersteigen. Im Johannesevangelium im Neuen Testament wird das Bild der Jakobsleiter typologisch auf den auferstandenen, in den Himmel aufgefahrenen Christus übertragen.

Leerer Wiener Stephansdom / © Hans Punz (dpa)
Leerer Wiener Stephansdom / © Hans Punz ( dpa )
Quelle:
KNA