Hat das Erzbistum Caracas Untaten des Regimes geduldet?

Schwere Vorwürfe gegen Venezuelas Kirche

Die Tochter eines venezolanischen Oppositionspolitikers erhebt schwere Vorwürfe gegen das Erzbistum Caracas. Waren Verantwortliche dort an Menschenrechtsverletzungen des Maduro-Regimes beteiligt? Ein Bischof ist nun in Erklärungsnot.

Autor/in:
Tobias Käufer
Übersicht einer von der Regierungspartei organisierten Kundgebung zur Unterstützung von Präsident Nicolas Maduro und seiner Frau Cilia Flores am 6. Januar 2026, Venezuela, Caracas. / © Javier Campos (dpa)
Übersicht einer von der Regierungspartei organisierten Kundgebung zur Unterstützung von Präsident Nicolas Maduro und seiner Frau Cilia Flores am 6. Januar 2026, Venezuela, Caracas. / © Javier Campos ( dpa )

Nach der spektakulären Verhaftung und Entführung von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro durch US-Soldaten gerät zunehmend das Schicksal der politischen Gefangenen in dem Krisenstaat in den Fokus. Inzwischen sind etliche von ihnen freigelassen worden.

Der durch US-Streitkräfte gefangen genommene venezolanische Präsident Nicolas Maduro (2.v.l) und seine Frau Cilia Flores (r) am Wall Street Heliport im New Yorker Stadtbezirk Manhattan / © Kyle Mazza/Zuma Press (dpa)
Der durch US-Streitkräfte gefangen genommene venezolanische Präsident Nicolas Maduro (2.v.l) und seine Frau Cilia Flores (r) am Wall Street Heliport im New Yorker Stadtbezirk Manhattan / © Kyle Mazza/Zuma Press ( dpa )

Für Aufregung sorgt zurzeit der Fall Rafael Tudares, der in vielerlei Hinsicht speziell ist. Er ist der Schwiegersohn von Edmundo González. Dieser hatte nach Auffassung unabhängiger Beobachter die Präsidentenwahl 2024 deutlich gegen Maduro gewonnen. Und so wurden der Oppositionspolitiker und seine Familie zur Zielscheibe des sozialistischen Regimes.

Der mutmaßliche Wahlsieger floh ins Exil. Doch sein Schwiegersohn hatte weniger Glück und wurde im Januar 2025 verhaftet - offenbar mit dem Ziel, auf diese Weise Druck auf González auszuüben. Nun berichtet die Ehefrau des Verschleppten, Mariana González de Tudares, dass Regierungsagenten Angehörige politischer Häftlinge in den Räumen der Erzdiözese Caracas erpresst hätten. Sie selbst gab an, von mehreren Personen mit Verbindungen zu Kirche und Behörden unter Druck gesetzt worden zu sein. Im Raum steht also der Vorwurf, das Erzbistum habe Menschenrechtsverstöße des Regimes zumindest geduldet.

Erzbischof dementiert

Darauf reagierte der Erzbischof von Caracas, Raúl Biord, mit einem klaren Dementi. "Zu keinem Zeitpunkt hat es in der Erzdiözese irgendeine Form von Erpressung oder Druck auf Familienangehörige von Inhaftierten oder andere Personen gegeben", heißt es in einer Erklärung des Erzbischofs. Stattdessen habe die Kirche immer versucht, Betroffenen beizustehen. Er verstehe aber den Schmerz der Ehefrau, so der Geistliche. Er sei weiter gesprächsbereit.

Kathedrale von Caracas  / © casa.da.photo (shutterstock)
Kathedrale von Caracas / © casa.da.photo ( shutterstock )

Damit steht Aussage gegen Aussage. Der Fall bewegt die Menschen in Venezuela so sehr, dass der Begriff "Erzbischof" auf Online-Plattformen trendete. Zahlreiche User forderten den Rücktritt von Biord; andere stellten sich hinter den Kirchenmann.

Der Fall ist auch deshalb so brisant, weil es einerseits um die Glaubwürdigkeit der Familie eines der wichtigsten Oppositionspolitiker des Landes geht. Andererseits steht nicht weniger als das Ansehen der katholischen Kirche auf dem Spiel. Für Aufklärung könnte allenfalls der am Donnerstagmorgen (Ortszeit) freigelassene Rafael Tudares sorgen. Der wollte sich dazu jedoch zunächst nicht äußern.

Kirche als Vermittler

Völlig aus der Luft gegriffen sind die Vorwürfe seiner Frau allem Anschein nach nicht. Seit Jahren versucht die Kirche in Venezuela, zwischen einer Diktatur, der schwerste Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, und der Opposition zu vermitteln. Biord galt überdies als ein Vertreter der Venezolanischen Bischofskonferenz, der vergleichsweise gute Verbindungen zum Maduro-Regime unterhielt.

Geriet immer wieder ins Visier der Behörden: Kardinal Baltazar Porras. / © Pablo Esparza/CNS photo/KNA (KNA)
Geriet immer wieder ins Visier der Behörden: Kardinal Baltazar Porras. / © Pablo Esparza/CNS photo/KNA ( KNA )

"Die katholische Kirche war und ist aufgrund ihres Wesens und ihrer Berufung eine Instanz für Vermittlung, Dialog und Begegnung", erklärte er jetzt. Die Kirche werde sich weiter für die Menschenwürde und die Freilassung politischer Häftlinge einsetzen.

Andere Kirchenführer in Venezuela hatten in den vergangenen Monaten einen weitaus schwierigeren Stand. Kardinal Baltazar Porras etwa geriet immer wieder ins Visier der Behörden. Vor einigen Wochen wurde er von Sicherheitskräften an der Ausreise gehindert, sodass er im Ausland nicht über die Missstände in seiner Heimat berichten konnte. Zuvor hatte der Kardinal Menschenrechtsverstöße des Regimes wiederholt öffentlich angeprangert.

Quelle:
KNA