Halbzeit bei Renovierung der Dormitio-Abtei in Jerusalem

Mehr Licht - und pfingstliches Rot

Bis in die Nacht hinein dauern die Arbeiten auf dem Zionsberg von Jerusalem. Die Dormitio-Abtei wird grundlegend saniert. Nur manchmal stehen die Arbeiten still.

Blick auf die Türme der Dormitio-Abtei am 23. September 2021 in Jerusalem / © Andrea Krogmann (KNA)
Blick auf die Türme der Dormitio-Abtei am 23. September 2021 in Jerusalem / © Andrea Krogmann ( KNA )

Noch ist die Dormitio auf dem Zionsberg von Jerusalem eine Riesenbaustelle. Die Kirche, die an den Heimgang Mariens und an das erste Pfingstfest im nahen Abendmahlssaal erinnert, und die mit ihrem markanten Turm die Silhouette der Heiligen Stadt prägt, ist seit einem Jahr für Besucher gesperrt. Aber die Arbeiten stünden etwa bei der Halbzeit, sagte der für die Renovierung zuständige Benediktinerpater Basilius Schiel. Die Mönche hoffen, zum klassischen Festtag des Ordensgründers am 21. März 2023 die Altarweihe zu feiern.

Hält der Zeitplan?

Ein ehrgeiziges Ziel. Denn noch sind in der Kirche und dem angebauten Kloster Böden aufgerissen, Gerüste aufgestellt, werden Mauern aufgestemmt und Steinplatten zurechtgeschnitten, Elektro- und Wasserleitungen neuverlegt, mitunter bis tief in die Nacht. Im Vorhof stapeln sich Schuttsäcke, rühren Betonmischer. Und das gesamte Baumaterial kann wegen der engen und verwinkelten Gassen und Zugänge nur mit Minitrucks herangeschafft und abtransportiert werden.

Renovierung der Jerusalemer Benediktinerabtei Dormitio / © Andrea Krogmann (KNA)
Renovierung der Jerusalemer Benediktinerabtei Dormitio / © Andrea Krogmann ( KNA )

Eine Kernsanierung der Kirche war - 112 Jahre nach ihrer Einweihung - dringend erforderlich. Insbesondere die Elektroanlage und die Wasser- und Sanitärleitung mussten nach einer Folge von Schäden und vielen ad-hoc-Reparaturen zeitgemäß erneuert werden, betont Pater Basilius.

Erzbistum Köln beteiligt sich an Sanierung

Die Kosten für die Dormitio-Renovierung, die sich für die erste von zwei Bauphasen auf fünf Millionen Euro belaufen, übernimmt zu 80 Prozent das Auswärtige Amt, der Rest wird vom Deutschen Verein vom Heiligen Lande und dem Erzbistum Köln getragen.

Ein Blick in die Baustelle gibt eine erste Ahnung, wie die Kirche einmal aussehen wird. In der Apsis mit dem Altarraum sind rechts und links zwei Seitenwände herausgebrochen, der gesamte Bereich wirkt damit heller und einladender. Zudem sind die dunklen rot-violetten Kirchenfenster aus den 1970er Jahren durch helle Onyx-Scheiben ersetzt. Und für die Orgel sucht man eine Lösung, die nicht das komplette Rückfenster verstellt.

Steingewordene Gastfreundschaft

Anstelle des bisherigen provisorischen Holzaltars soll nun ein heller Steinaltar aus örtlichem Stein errichtet werden. Auch wenn er bei Begegnungen mit anderen Religionen oder bei Konzerten störend wirken kann: Die Mönche wollen deutlich machen, dass sie die Gastfreundschaft, die ihre Gemeinschaft hier seit langem pflegt, als Benediktiner leben. Und dabei habe der Altar seinen festen, nicht verrückbaren Platz, so Pater Basilius.

Der leere Innenraum der Kirche der Dormitio-Abtei während der Renovierungsarbeiten am 23. September 2021 in Jerusalem. / © Andrea Krogmann (KNA)
Der leere Innenraum der Kirche der Dormitio-Abtei während der Renovierungsarbeiten am 23. September 2021 in Jerusalem. / © Andrea Krogmann ( KNA )

Fertig ist bereits die Innenseite der Kuppel, die mit ihrem kräftigen Rotton dem Raum eine neue Prägung gibt. Sie greift damit die liturgische Farbe des Pfingstfestes auf, das zur festen Tradition der Dormitio gehört. Unterbrochen und strukturiert wird die rote Rotunde durch drei feine goldene Ringfragmente, die sich an einigen Stellen öffnen, insbesondere in Richtung Grabeskirche, der heiligsten Stätte der Christenheit.

Von dieser Kuppel wird demnächst ein Radleuchter von sechs Metern Durchmesser herunterhängen, wie man sie aus vielen Kathedralen des Mittelalters kennt. In den Leuchter sind zwölf goldene Türme eingebaut, die auf das Himmlische Jerusalem verweisen - und die mit Lampen für die Kuppel und das Kirchenschiff bestückt sind.

Eingang zur Dormitio-Abtei in Jerusalem / © Renardo Schlegelmilch (DR)
Eingang zur Dormitio-Abtei in Jerusalem / © Renardo Schlegelmilch ( DR )

Erneuert wird auch der Vorhof vor Kirche und Kloster, dessen Untergrund bislang schlecht gesichert und isoliert war. Zudem wird ein barrierefreier Zugang angelegt, der sich angesichts der wachsenden Besucherströme als dringend nötig erwies. Und als modernes künstlerisches Element erhält die Dormitio ein Bronzeportal mit einer Pfingstdarstellung, dessen Entwurf bei einem Wettbewerb prämiert worden war.

Mehr Platz für Mönche und Besucher

Gearbeitet wird derzeit auch im Klosterbereich. Die kleinen Zellen der Mönche bekommen durch eine neue Zwischendecke mehr Raum. 21 Zellen sind geplant, mehr als das Kloster derzeit Mönche hat. Aber es sei eine Einladung und eine Investition in die Zukunft, erklärt Pater Basilius. Zudem werden im ganzen Haus die Fenster aufgearbeitet oder erneuert, auch um die Isolierung zu verbessern und unnötiges Heizen oder Kühlen zu vermeiden. Schließlich ist unterhalb des Mönchs-Trakts der Raum der Cafeteria neu gestaltet. Er ist ein wichtiger Treff-,Kommunikations- und Begegnungspunkt für die Dormitio und ihre Einladung an Pilger und Besucher aus aller Welt.

Anders als in der Jerusalemer Grabeskirche, wo die Restaurierung in Etappen nacheinander erfolgt, um Besucherbetrieb und Gottesdienste nicht zu unterbrechen, hat sich die Dormitio für eine Komplettsanierung in einem einzigen Arbeitsgang entschieden. Die Mönche bedauern, dass sie im Moment keine Besucher zulassen können und alle Treffen absagen müssen. Nur am Sonntag ruhen die Arbeiten für eine Stunde. Dann feiern die Mönche mit angemeldeten Besuchern in der bereits restaurierten Krypta die Sonntagsmesse.

Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem betreut rund 321.500 römisch-katholischen Christen, die in Israel, Jordanien, Zypern und den Palästinensischen Gebieten leben. Die Ursprünge des Patriarchats liegen in der Zeit der Kreuzfahrer, die sich als "Lateiner" bezeichneten. Es erlosch jedoch mit dem Fall Akkos 1291. Im Jahr 1847 belebte Papst Pius IX. das Patriarchat neu.

Blick auf Jerusalem / © Kyrylo Glivin (shutterstock)
Autor/in:
Johannes Schidelko
Quelle:
KNA