ZDK für stärkeren Kampf gegen Genitalverstümmelung

Geschlechterspezifische Gewalt und Asylgrund

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken fordert die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern auf, sich stärker gegen weibliche Genitalverstümmelung zu engagieren. Es müsse als Asylgrund anerkannt werden.

Rasierklinge / © bg_knight (shutterstock)

Eine bereits erlittene oder auch eine drohende Beschneidung müsse als geschlechterspezifische Gewalt und als Asylgrund anerkannt werden, heißt es in einem am Samstag beschlossenen Antrag der Frühjahrsvollversammlung des ZdK.

Weibliche Genitalverstümmelung müsse als ein zunehmend europäisches und deutsches Thema begriffen werden, das sensibler gesellschaftlicher Aufklärung bedürfe, heißt es weiter. Nötig seien breite Aufklärungskampagnen. Das ZdK verwies auf Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef, nach denen jährlich weltweit etwa 130 Millionen Mädchen und junge Frauen von Genitalverstümmelung betroffen sind. Eine halbe Million von ihnen lebt in Europa, circa 47.000 in Deutschland - Tendenz steigend.

Weiterbildung bei Behörden gefordert

Die Vollversammlung forderte zugleich eine entsprechende Aus- und Weiterbildung des Personals beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sowie bei den Ausländerbehörden und deutschen Botschaften. Zudem müssten die gesetzlichen Verfahren bei der Aufenthaltsbewilligung und beim Familiennachzug beschleunigt werden, wenn Frauen und Mädchen während des Wartens auf ihr Visum eine Beschneidung drohe. Frauen und Mädchen, die von einer Genitalverstümmelung betroffen oder bedroht sind, müssten frühzeitig rechtlich und auch medizinisch aufgeklärt werden, möglichst in der Muttersprache und kultursensibel.

Begründet wird die weibliche Beschneidung, die in ihren gesundheitlichen Auswirkungen in keiner Weise mit der männlichen Beschneidung zu vergleichen ist, oftmals durch soziale Traditionen und kulturell geprägte Vorstellungen von Weiblichkeit, gesellschaftlichem Druck und vermeintlich religiösen Argumenten. Oftmals leiden die Mädchen und jungen Frauen ihr Leben lang an den Folgen akuter und chronischer Infektionen, Schmerzen, Traumata und sind besonderen Komplikationen bei Geburten ausgesetzt. Oft sterben Mädchen und junge Frauen an den direkten Folgen des Eingriffs.

Quelle:
KNA