Gericht stoppt Abschiebung von Familienvater aus koptischer Gemeinde

Reißleine dank schwerkranker Frau

Es drohte die Trennung einer Familie: Ein Vater aus der koptischen Gemeinde Münster sollte Deutschland verlassen, obwohl seine Frau im Krankenhaus liegt. Nun stoppte ein Gericht die Abschiebung in letzter Minute.

Symbolbild: Flüchtlinge in Deutschland  / © Patrick Pleul (dpa)
Symbolbild: Flüchtlinge in Deutschland / © Patrick Pleul ( dpa )

Ein ägyptischer Familienvater aus der koptisch-orthodoxen Gemeinde Münster darf vorerst in Deutschland bleiben. Eine für Freitag geplante Abschiebung ist in letzter Minute gestoppt worden, wie ein Sprecher des Verwaltungsgerichts Münster auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bestätigte. Demnach gab das Gericht am Freitag einem Eilantrag des Mannes statt und untersagte der zuständigen Ausländerbehörde, die Abschiebung durchzuführen. Grund seien die aktuell schwere Erkrankung der Ehefrau und der Schutz der Familie, heißt es in einem Schreiben des Gerichts, das der KNA vorliegt.

Zuvor hatte der koptisch-orthodoxe Bischof für Norddeutschland, Anba Damian, die Behörden aufgefordert, den Fall erneut zu prüfen. Er warnte vor einer Trennung des Mannes von seiner schwer kranken Frau und den gemeinsamen Kindern. Gemeinsam mit Mitgliedern der Münsteraner Gemeinde nahm der Bischof am Donnerstag an einer Kundgebung vor der Abschiebehaft in Büren (Kreis Paderborn) teil, in der der Mann zuvor untergebracht war. Der Mann sei bereits aus der Abschiebehaft entlassen worden, sagte ein Gemeindesprecher der KNA.

Familie seit vier Jahren in Deutschland

Die Familie lebt nach Angaben der koptisch-orthodoxen Kirche seit rund vier Jahren in Deutschland und sei gut integriert. Der Mann sei berufstätig. Seine Ehefrau werde derzeit nach einem lebensbedrohlichen Zustand stationär im Krankenhaus behandelt und könne deshalb nicht abgeschoben werden. Die beiden minderjährigen, schulpflichtigen Töchter seien vorübergehend bei einer anderen koptischen Familie untergebracht. Die Kirche sah den Zusammenhalt der Familie durch die Abschiebung gefährdet.

Zuvor hatte die zuständige Ausländerbehörde einen Antrag auf Erteilung einer Duldung abgelehnt. Es lägen keine rechtlichen oder tatsächlichen Gründe vor, die eine Aussetzung der Abschiebung rechtfertigten, heißt es in einem Schreiben, das der KNA vorliegt. Eine Anfrage zu dem Fall ließ die Behörde zunächst unbeantwortet.

Koptisch-orthodoxe Kirche hat lange Tradition

Die koptisch-orthodoxe Kirche ist eine der ältesten christlichen Kirchen der Welt und hat ihren Ursprung in Ägypten. In Deutschland leben nach Schätzungen rund 10.000 bis 15.000 koptisch-orthodoxe Christinnen und Christen.

Koptische Christen in Nordafrika

Etwa zehn Prozent der rund 90 Millionen Ägypter sind koptisch-orthodoxe Christen. Die Minderheit bildet eine Strömung der altorientalischen Kirchen, Oberhaupt ist Papst Tawadros II. mit Sitz in Alexandria. Die Gemeinde lebt weitgehend friedlich mit der Mehrheit der sunnitischen Muslime in Ägypten zusammen. Das koptische Weihnachtsfest ist seit 2002 als Feiertag im ganzen Land anerkannt.

Ägyptische Kopten feiern Ostern / © Peter Kneffel (dpa)
Ägyptische Kopten feiern Ostern / © Peter Kneffel ( dpa )
Quelle:
KNA