Jesuiten kritisieren geplante Abschiebezentren als ethisch fragwürdig

"Mit europäischen Werten nicht vereinbar"

Bei einem Treffen mit EU-Kollegen hat Innenminister Dobrindt seine Pläne für Abschiebezentren konkretisiert: Die "Return Hubs" sollen außerhalb der EU errichtet werden. Kritik daran kommt auch aus der Kirche, etwa von den Jesuiten.

Sammelabschiebung am Münchner Flughafen / © Lukas Barth (epd)
Sammelabschiebung am Münchner Flughafen / © Lukas Barth ( epd )

Der katholische Jesuiten-Flüchtlingsdienst hat die von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) geplanten Abschiebezentren kritisiert. Die Idee sei ethisch höchst fragwürdig, sagte Leiter Stefan Keßler der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. 

Stefan Keßler / © Christian Ender (JRS)
Stefan Keßler / © Christian Ender ( JRS )

Menschen würden so als reine Verfügungsmasse betrachtet, die man hin- und herschieben könne. Die Schicksale und Bedürfnisse der einzelnen Personen blieben völlig unberücksichtigt. 

"Das ist mit zentralen Werten, für die Europa steht oder zumindest stehen sollte, nicht vereinbar", so Keßler.

Dobrindt will Abschiebungen beschleunigen

Alexander Dobrindt / © Kay Nietfeld (dpa)
Alexander Dobrindt / © Kay Nietfeld ( dpa )

Dobrindt hatte am Donnerstag angekündigt, zusammen mit anderen EU-Ländern sogenannte Return Hubs außerhalb der EU zu errichten, um Abschiebungen zu beschleunigen. Eine entsprechende Vereinbarung soll noch in diesem Jahr getroffen werden. Laut Dobrindt wollen sich auch Österreich, Dänemark, die Niederlande und Griechenland beteiligen.

Keßler betonte, es stellten sich zahlreiche rechtliche Fragen - etwa, wer die Verantwortung für konkrete Abschiebe-Entscheidungen übernehme. Auch müsse geklärt werden, ob Betroffene sich gerichtlich gegen eine solche Entscheidung wehren könnten.

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst

Der weltweite Jesuiten-Flüchtlingsdienst wurde 1980 angesichts der Not vietnamesischer Bootsflüchtlinge als internationale Hilfsorganisation gegründet. Heute ist er mit etwa 1.200 Mitarbeitenden in mehr als 50 Ländern vertreten. Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst will Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten in der Öffentlichkeit eine Stimme geben und Stellung nehmen zu Entwicklungen im Ausländerrecht und in der Asylpolitik.

Jesuiten-Flüchtlingsdienst in Aleppo, Syrien, 2018 / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Jesuiten-Flüchtlingsdienst in Aleppo, Syrien, 2018 / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )
Quelle:
KNA