Generalsekretär der Anglikaner ist Flüchtling aus dem Sudan

Personalwechsel bei der Anglikanischen Weltgemeinschaft

Bischof Anthony Poggo, einst Flüchtlingskind aus dem heutigen Südsudan, wird neuer Generalsekretär der Anglikanischen Weltgemeinschaft. Wie diese in London mitteilte, folgt Poggo im September auf den Nigerianer Josiah Idowu-Fearon.

Kathedrale von Canterbury / © imageportal (shutterstock)
Kathedrale von Canterbury / © imageportal ( shutterstock )

Idowu-Fearon legt demnach nach der Lambeth-Konferenz im Juli/August sein Amt nieder. Der Generalsekretär ist verantwortlich für die Verbindung der 42 verschiedenen Kirchen der anglikanischen Weltgemeinschaft. Ursprünglich aus dem Süden des Sudan, musste Poggo als einjähriges Kind vor dem Bürgerkrieg fliehen. Mit seinen Eltern lebte er bis 1973 in Uganda und konnte erst dann in den Sudan zurückkehren.

Der Sohn eines Priesters wurde selbst 1996 zum Priester geweiht und wurde 2007 Bischof von Kajo Keji im Sudan. Seit 2016 ist Poggo Berater des Erzbischofs von Canterbury und anglikanischen Primas von England Justin Welby für Angelegenheiten der Weltgemeinschaft.

Lambeth-Konferenz

Der neue Generalsekretär wird auch für die Nachbereitung der Lambeth-Konferenz verantwortlich sein, die vom 26. Juli bis 8. August in Canterbury tagt. Dieses Treffen findet in der Regel alle zehn Jahre statt und ist das höchste Beschlussgremium der anglikanischen Weltgemeinschaft. Diese steht wegen moralischer und kirchendisziplinarischer Fragen, etwa der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und der Weihe Homosexueller, seit Jahrzehnten unter starken Spannungen.

Die anglikanische Gemeinschaft mit nach unterschiedlichen Angaben 70 bis 83 Millionen Mitgliedern weltweit besteht aus 42 unabhängigen Nationalkirchen. Der Erzbischof von Canterbury ist eines der "Instrumente der Einheit" der Kirchengemeinschaft. Als Ehrenoberhaupt und "Erster unter Gleichen" ist er allerdings nicht Vorgesetzter der anderen Primaten.

Anglikanische Kirche

Die anglikanische Kirche entstand zur Zeit der Reformation in England. König Heinrich VIII. brach 1533 mit dem Papst, weil dieser sich weigerte, die Ehe des Königs zu annullieren. Als Oberhaupt einer neuen Staatskirche setzte sich Heinrich VIII. 1534 selbst ein. In Glaubensfragen blieben die Anglikaner zunächst bei der katholischen Lehre; später setzten sich protestantische Einflüsse durch. 1549 erschien das erste anglikanische Glaubensbuch, das «Book of Common Prayer».

Die Kathedrale von Canterbury, Sitz des anglikanischen Erzbischofs / © Sambraus, Daniel (epd)
Die Kathedrale von Canterbury, Sitz des anglikanischen Erzbischofs / © Sambraus, Daniel ( epd )
Quelle:
KNA
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