Gemeinde widmet Fastenzeit dem Motto "Schöpfung und Klima"

"Sechs Wochen für unsere Umwelt"

Das Thema Klimawandel rückt angesichts des Ukraine-Kriegs vielfach in den Hintergrund. Die Gemeinde St. Thomas Morus in Bonn macht auf die Bedeutung der Schöpfung aufmerksam. In der Osternacht ist ein Highlight geplant.

Gemeinsam die Schöpfung für nachfolgende Generationen bewahren, hat sich die Gemeinde St. Thomas Morus zur Aufgabe gemacht / © Bela Geletneky (Pixabay)
Gemeinsam die Schöpfung für nachfolgende Generationen bewahren, hat sich die Gemeinde St. Thomas Morus zur Aufgabe gemacht / © Bela Geletneky ( Pixabay )

DOMRADIO.DE: Sie haben in der diesjährigen Fastenzeit Klima und Schöpfung in den Mittelpunkt des Gemeindelebens gestellt. Was wollen Sie damit bewirken?

Ralf Knoblauch (Diakon der Gemeinde St. Thomas Morus in Bonn): Wir wollen vor allen Dingen einen Bewusstseinswandel bei unseren Gemeindemitgliedern erreichen. Auch wenn die Ukraine-Krise vieles überlagert, ist das Thema hochaktuell. Es geht darum, unsere Schöpfung neu zu entdecken, zu bewahren und sich zu fragen: Was können wir persönlich ändern, damit diese Erde für spätere Generationen und andere Menschen erhalten bleibt?

DOMRADIO.DE: Haben Sie den Eindruck, dass sich in den letzten fünf Wochen einiges im Leben der Gemeindemitglieder verändert hat?

Knoblauch: Wir haben eine Fülle von Angeboten ganz unterschiedlicher Art, um so verschiedene Generationen so mit ins Boot zu holen. Die Veranstaltungen waren recht unterschiedlich gut besucht, aber es trat schon ein gewisser Bewusstseinswandel ein und wir konnten auf jeden Fall eine Sensibilität für dieses Thema erreichen.

Vor allen Dingen am letzten Wochenende, an dem wir noch einmal einen großen Aufschlag gemacht haben mit Arnd Drossel, einem bekannten Künstler. Er rollte mit einer großen Stahlkugeln letztes Jahr zum Weltklimagipfel nach Glasgow und sammelte unterwegs Klimaversprechen ein. Wir konnten ihn dafür gewinnen, dass er uns seine Kugel zur Verfügung stellt. Sie steht seit einer Woche hier in unserer Gemeinde und bringt von daher auch ganz viel bei uns ins Rollen.

DOMRADIO.DE: Welche Programm-Schwerpunkte setzen Sie in der Karwoche?

Knoblauch: Im Grunde fängt es mit unserem Palmsonntagsgottesdienst an, den wir überschrieben haben mit dem Thema "Ein Königreich für die ganze Erde". Die Palmzweige, die im Vorfeld gebastelt wurden, werden eine große Rolle spielen. Diese Kugel wird mit diesen Palmzweigen geschmückt. Am Nachmittag wird es dann einen großen Familienkreuzweg geben, der von Sankt Laurentius, wo die Kugel derzeit liegt, nach Dransdorf zu Sankt Antonius geht. Während des Kreuzwegs wird diese Kugel dann von einer zur nächsten Kirche gerollt. Unterwegs gibt es dann verschiedene Stationen zu dem Thema "Unsere Erde in den Tod getrieben". Das sind vor allen Dingen praktische Mitmachstationen für Kinder.

"An einem Scheideweg": Weltklimarat drängt auf mehr Klimaschutz-Tempo

Nur noch mit einer raschen und drastischen Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes ist die Erderwärmung nach Einschätzung des Weltklimarats auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen. Das geht aus einem Bericht hervor, den der Weltklimarat (IPCC) am Montag veröffentlicht hat. "Wir sind an einem Scheideweg. Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, können eine lebenswerte Zukunft sichern", erklärte der IPCC-Vorsitzende Hoesung Lee. "Wir haben die Werkzeuge und das Wissen, um die Erwärmung zu begrenzen."

Bergbaumaschinen arbeiten im Braunkohletagebau Garzweiler, im Hintergrund das Braunkohlekraftwerk Neurath / © Federico Gambarini (dpa)
Bergbaumaschinen arbeiten im Braunkohletagebau Garzweiler, im Hintergrund das Braunkohlekraftwerk Neurath / © Federico Gambarini ( dpa )

Am Gründonnerstag wird die Kugel bei unserem gemeinsamen Abendmahlgottesdienst eine zentrale Rolle spielen. Leider passt die Kugel in keine unserer Kirchräume, weil unsere Kirchentüren ein wenig zu klein sind, aber sie wird im Vorfeld auf dem Kirchplatz stehen. Der Künstler Arnd Drossel kommt zu uns an diesem Tag, und ich werde mit ihm einen Dialog führen innerhalb der Predigt. Anschließend wird die Kugel innerhalb der Agapefeier mit einer Performance von einem weiteren Künstler betanzt und die Menschen können sich bei Brot und Wein zu diesem Thema auch noch weiter austauschen.

Am Karfreitag lautet das Thema "Unsere Erde stirbt". Am Nachmittag basteln wir Osterkerzen. Wir haben in all unseren Gemeinden in den letzten Wochen viel Wachs gesammelt. Die Gemeindemitglieder sollten alte Kerzen mitbringen. Aus diesen werden wir dann mehrere große Osterkerzen gießen. In der Osternacht wird dann innerhalb dieser Kugel das Osterfeuer entzündet und daran die Osterkerze.

DOMRADIO.DE: "Unsere Erde wird neu" lautet das Leitwort für die Osternacht. Wie schaffen Sie es, die Hoffnung auf eine bessere Welt bei den Menschen aufrechtzuerhalten?

Knoblauch: Ich denke, wenn wir vor allen Dingen sehen, was es an kleinen Möglichkeiten gibt, seinen persönlichen Lebensstil zu verändern und dabei nicht alleine zu sein, ist das ausschlaggebend. Das ist auch etwas, das die Gemeinde verspürt, dass das der Schöpfung hilft, wenn viele einen kleinen Beitrag leisten. Wenn wir uns zusammen nach vorne bewegen, dann ist viel gewonnen.

Diesen Gemeinschaftscharakter möchten wir in dieser Osternachtliturgie besonders hervorheben. Wir versammeln uns gemeinsam um dieses neue Licht, das uns Kraft gibt, nicht nur in der Auferstehung, die wir in der Nacht feiern, sondern auch in der Gemeinschaft, die wir miteinander erleben und die uns darin bestärkt, etwas für diese Schöpfung zu tun. Damit Generationen nach uns, wie uns das Franziskus auch in seiner Enzyklika Laudato si so schön gespiegelt hat, gut auf dieser Erde leben können.

Das Interview führte Katharina Geiger.

"Laudato si" - die Umweltenzyklika von Papst Franziskus

Klimawandel, Artenvielfalt, Trinkwasser: Diese Themen bestimmen die Umweltenzyklika von Papst Franziskus. Er wendet sich damit an "alle Menschen guten Willens" - und erklärt, warum eine ökologische Umkehr auch soziale Gerechtigkeit bedeutet. Papst Franziskus hat die reichen Industrienationen zu einer grundlegenden "ökologischen Umkehr" aufgefordert, um globale Umweltzerstörung und Klimawandel zu stoppen.

Papst Franziskus in nachdenklicher Pose / © Paul Haring (KNA)
Papst Franziskus in nachdenklicher Pose / © Paul Haring ( KNA )

 

Quelle:
DR
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