Geistlicher mit indischen Wurzeln wird zum Bischof geweiht

Ein Freund von Delfinen und kurzen Predigten

Er hat den Ruf, "social-media-tauglich" zu predigen. Die Rede ist von Pater Joshy George Pottackal, der als erster Geistlicher mit außereuropäischen Wurzeln zum Bischof geweiht wird. Seine Ernennung zeigt einen Mentalitätswandel.

Autor/in:
Christof Bock
Joshy George Pottackal / © Andreas Arnold (dpa)
Joshy George Pottackal / © Andreas Arnold ( dpa )

Ring, Stab und Kreuz wurden nicht aus Gold oder Silber geschmiedet. Wenn Pater Joshy Pottackal am 15. März zum Weihbischof von Mainz ernannt wird, trägt er Insignien aus Holz. "Holz steht für Wachstum und Leben. Es war für mich auch wichtig, dass es etwas Schlichtes ist", sagt der 48-Jährige der Katholischen Nachrichten-Agentur.

In seinem Bischofsstab ist ein Delfin zu sehen. Schon in der frühchristlichen Zeit ist der Delfin ein Symbol für Jesus. "Weil der die Schiffbrüchigen an Land bringt und deswegen als Seelenretter und als Zeichen für Hoffnung und Auferstehung gesehen wird." Außerdem möge er halt Delfine, sagt er. Vieles ist überraschend an Pater Joshy Pottackal.

Wie ein beliebter Schullehrer

Wenn man diesem Mann gegenübersitzt und er gerade keinen Habit trägt, sondern einen dunklen Sweater, fühlt man sich unwillkürlich an einen beliebten Schullehrer erinnert. Vielleicht für Geschichte oder Sport.

Pottackal strahlt Ruhe, Geduld und Aufmerksamkeit aus. Fröhlich und jung geblieben wirkt er. Er hat im Bistum Mainz als Jugendseelsorger gearbeitet. Zuletzt trug er im Personalwesen der Diözese Verantwortung.

Der neue Weihbischof wurde im südindischen Kerala in eine Familie von sogenannten Thomaschristen geboren, deren Tradition auf den gleichnamigen Apostel zurückgeht. Fast die Hälfte seines Lebens wohnt er jetzt schon in der Bundesrepublik. Er hat längst den deutschen Pass und spricht ein fast akzentfreies Deutsch.

Pater Joshy Pottackal

"Ich bin halt jetzt der Erste. Aber ich werde nicht sagen, dass ich auch der Letzte sein werde."

Dennoch gab es im November 2025 großen Wirbel, als seine Personalie bekannt wurde. In Indien geboren, in Deutschland zum Bischof geweiht: Das war durchaus eine Neuigkeit. Übrigens nicht nur in Deutschland.

"Das Ausmaß habe ich nicht erwartet", sagt Pottackal. "In Indien war das ein Riesending." Selbst ein brasilianisches Medium habe über seine Ernennung berichtet. "Ein Bischof zu werden, ist in Europa für jemanden von außerhalb halt nicht so normal, vor allem in Deutschland." Außer es geht um den Papst, der immer von außen kommen könnte.

Mit der riesengroßen Aufmerksamkeit habe er nicht gerechnet. "Ich bin halt jetzt der Erste. Aber ich werde nicht sagen, dass ich auch der Letzte sein werde", sagt er und lächelt verschmitzt.

Als Pottackal 2004 mit Mitte 20 nach Deutschland kam, hatten Diözesen und Ordensgemeinschaften rund um die Welt bereits damit begonnen, den Mangel an katholischen Priestern in Deutschland aufzufangen. Allerdings wurden die Geistlichen damals nur für einen begrenzten Zeitraum geschickt – "für fünf Jahre oder zehn Jahre".

Umdenken in jüngerer Zeit

Er habe dafür zwar volles Verständnis, sagt der Karmelit Pottackal, schließlich werde man mit den Jahren aus seiner Heimat entwurzelt. Dennoch sei diese Strategie wenig zielführend gewesen. "Wenn jemand hier hinkommt, muss er ja die Sprache, Kultur, Tradition, Seelsorge, die ganze Situation kennenlernen." Irgendwann sei der Geistliche endlich so weit - und müsse dann schon wieder zurückgehen.

Joshy George Pottackal (Bistum Mainz)

"In den letzten Jahren ist es zu einem Umdenken gekommen. Wir sagen im Bistum Mainz: Wenn jemand kommt, sollte er mindestens 14 Jahre bleiben." Die Ausbildung dauere schon sieben Jahre. Pottackal blieb und machte seine ganze pastorale Ausbildung hier. 

"Ich will nur damit sagen: Wenn man jemanden kennenlernen will, das braucht eine gewisse Zeit. Und das gab es bisher nicht." Das trage dazu bei, dass Menschen von weither bislang kaum Spitzenämter hätten.

Seine Predigten sind selten länger als fünf Minuten

Jetzt ist Pottackal einer der höchsten Würdenträger im Bistum und muss sich auch in drängenden Debatten äußern, etwa zur Stellung von Frauen in der Kirchenhierarchie. Der angehende Weihbischof findet diplomatische Worte: "Die katholische Kirche ist ja eine inklusive Kirche und schließt nicht aus. Wenn wir jetzt von Deutschland sprechen: Wir nehmen Frauen ernst in der katholischen Kirche. So habe ich das hier kennengelernt."

Er verweist auf sein Bistum, in dem eine Frau als Bevollmächtigte des Generalvikars fungiert. "Andererseits müssen wir gucken: Wir sind Teil der Weltkirche. Wir müssen auch mit der Weltkirche gehen, und das ist ja ein Prozess." Es sei wichtig, die Themen aufzunehmen, zu diskutieren, sich dafür stark zu machen.

Pater Joshy Pottackal

"In der Ausbildung hat man uns beigebracht: Man darf über alles predigen, aber nicht länger als sieben Minuten."

Pottackal wird häufig mit dem Satz zitiert, seine Predigten seien selten länger als fünf Minuten. "In der Ausbildung hat man uns beigebracht: Man darf über alles predigen, aber nicht länger als sieben Minuten." In seinem Social-Media-Kurs sei sogar von nur 90 Sekunden die Rede gewesen, in denen Menschen konzentriert zuhören oder zuschauen können.

Es gehöre zu seiner Persönlichkeit, dass er keine langen Reden halte. "Jetzt weiß ich nicht genau, ob ich das als Weihbischof mit den fünf Minuten immer einhalten kann. Aber bisher hat das irgendwie geklappt." Er grinst. An einem Anhänger um den Hals des angehenden Weihbischofs blinkt ein fröhlicher Delfin.

Information der Redaktion: DOMRADIO.DE überträgt die Feier der Bischofsweihe von Pater Joshy Pottackal O.Carm am Sonntag, 15.03.2026, ab 15 Uhr aus dem Mainzer Dom.

Was ist ein Weihbischof?

Ein Weihbischof leitet selbst kein Bistum. Vielmehr unterstützt er den Bischof - den sogenannten Diözesanbischof - bei seinen Leitungsaufgaben. Oft sind Weihbischöfe für eine bestimmte Region, für Personengruppen oder besondere Felder der Seelsorge - vor allem für die Firmung - zuständig. Ein Weihbischof trägt die bischöflichen Insignien wie Ring, Hirtenstab und Mitra. Traditionell wird ihm eine untergangene Diözese als Titularbistum zugeordnet.

Symbolbild Bischof mit Pileolus / © Grabowski Foto (shutterstock)
Symbolbild Bischof mit Pileolus / © Grabowski Foto ( shutterstock )
Quelle:
KNA