Journalistin Mariam Lau sieht die Demokratie weltweit unter Druck

Gegen die Instrumentalisierung von Religion

Sie hat iranische Wurzeln und beobachtet das politische Berlin seit Jahren. Im Podcast "Frings fragt" spricht Marc Frings mit Mariam Lau über die verfehlte Iran-Strategie der USA und das Spannungsverhältnis von Religion und Politik.

Demonstranten mit einem "Free Iran" Plakat / © Paul Zinken (dpa)
Demonstranten mit einem "Free Iran" Plakat / © Paul Zinken ( dpa )

Im gemeinsamen Podcast von DOMRADIO.DE und dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken "Frings fragt“ diskutiert ZdK-Generalsekretär Marc Frings mit der ZEIT-Journalistin Mariam Lau über drei große Themenfelder: die dramatische Lage im Iran, die Rolle von Religion sowie die Spannungen in der deutschen Innenpolitik.

Mariam Lau / © (Hochskalierung KI) (privat)
Mariam Lau / © (Hochskalierung KI) ( privat )

Zu Beginn richtet sich der Blick auf den Iran. Lau zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen Situation: Nach dem Krieg und dem Machtumbruch sei das Land keineswegs stabilisiert. Sie sieht einen Wandel von einer Theokratie zu einer Militärdiktatur und widerspricht damit der Hoffnung auf einen demokratischen Wandel. Die USA hätten sich strategisch überfordert gezeigt, während das Regime seine Position sogar teilweise festigen konnte. 

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Besonders eindrücklich beschreibt sie die Lage der Bevölkerung: "Die Protestbewegung ist zwar tot, aber die Unzufriedenheit und Wut sind höchst lebendig.“ Repression, Inflation und Angst prägten den Alltag. Gleichzeitig bleibe der Iran durch geopolitische Hebel wie die Straße von Hormus ein Unsicherheitsfaktor für die Welt.

Differenzierte Sicht auf Glauben und Macht

Im zweiten Themenblock reflektiert Lau die Rolle von Religion – auch vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biografie. Trotz der Erfahrungen mit politischem Missbrauch religiöser Macht im Iran warnt sie vor pauschalen Urteilen: "Die schiere Tatsache, dass jemand religiös ist, sagt überhaupt noch gar nichts darüber aus, wie er sich seiner Umgebung gegenüber verhält." Religion könne Orientierung geben, werde jedoch gefährlich, wenn sie politisiert und instrumentalisiert werde – ein Phänomen, das sie nicht nur im Iran, sondern auch in westlichen Gesellschaften beobachtet. Damit plädiert sie für eine differenzierte Sicht auf Glauben und Macht.

Friedrich Merz / © Daniel Bockwoldt (dpa)
Friedrich Merz / © Daniel Bockwoldt ( dpa )

Im dritten Teil verschiebt sich der Fokus auf Deutschland. Mariam Lau als politische Korrespondentin der Wochenzeitung "Die ZEIT" analysiert Bundeskanzler Friedrich Merz als überzeugten Europäer, erkennt jedoch Defizite im politischen Stil. Ihm fehle die Fähigkeit, Menschen mitzunehmen: Er neige dazu, Entscheidungen zu verkünden, statt Überzeugungsarbeit zu leisten. Diese Schwäche sei gerade für die Stabilität der politischen Mitte entscheidend, sagt Lau. Mit Blick auf die AfD diagnostiziert sie strategische Fehler der Union: Zu lange habe man die Partei ignoriert oder sich von ihr inhaltlich treiben lassen.

Seenotrettung im Mittelmeer / © Pavel D. Vitko (dpa)
Seenotrettung im Mittelmeer / © Pavel D. Vitko ( dpa )

Auch die Rolle der Kirchen spricht Marc Frings im Podcast an. Lau nimmt deren Engagement gegen Extremismus wahr, jedoch eher aus der Distanz. In ethischen Fragen wie der Seenotrettung fordert sie eine Abwägung von Wirkungen und Interessen statt ausschließlich moralischer Argumentation. Sie blickt auf die private Seenotrettung nach wie vor kritisch, da sie einen Zusammenhang sieht zwischen der Arbeit der Seenotrettung und der Tatsache, dass Flüchtende den gefährlichen Seeweg deswegen überhaupt wagen. Sie plädiert für Asylverfahren z. B. in afrikanischen Ländern, um zu verhindern, dass Menschen überhaupt in See stechen, und stattdessen im Fall einer Zusage bereits Schutz gewährt bekommen. 

Insgesamt zeigt das Gespräch eine klare Linie: Lau verbindet geopolitische Analyse mit gesellschaftlicher Beobachtung und plädiert insgesamt für Nüchternheit und Realismus und einen klaren Blick auf die jeweiligen Interessen. 

Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist das höchste repräsentative Gremium des deutschen Laien-Katholizismus. Es vertritt die katholischen Laien bei der gesellschaftlichen Meinungsbildung und ist das von der Bischofskonferenz anerkannte Organ zur Koordinierung des Laienengagements in der Kirche. Allerdings melden sich immer wieder auch einige katholische Laien und Vereinigungen zu Wort, die das ZdK nicht als ihre Vertretung verstehen.

Das Kreuz des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)  / © Harald Oppitz (KNA)
Das Kreuz des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
DR , ZdK

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