"Ökumene-Knigge" für Christen nun in überarbeiteter Auflage

Für "kirchlichen Stallgeruch" und mehr sensibilisieren

Bei Treffen von Christen verschiedener Konfessionen lauern viele "Fettnäpfchen". Ein "Ökumene-Knigge" hilft, ungeschicktes Verhalten zu vermeiden. Das Handbuch gibt auch einen Überblick über theologische Unterschiede.

Ökumene / © Harald Oppitz (KNA)
Ökumene / © Harald Oppitz ( KNA )

Hassreden im Internet und andere verbale Entgleisungen haben Konjunktur. Da wird der Ruf nach dem "Knigge" wieder lauter. Seinen Namen hat das viel zitierte Buch vom niedersächsischen Adligen Adolph Freiherr Knigge. Vor 230 Jahren veröffentlichte der von der Aufklärung geprägte Autor seine Ratschläge "Über den Umgang mit Menschen" und prägte das Benehmen vieler Generationen mit. Davon inspiriert, hat die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Sachsen-Anhalt einen "Ökumene-Knigge" veröffentlicht, der nun in zweiter und überarbeiteter Auflage erscheint.

Ein Anlass für die Erstausgabe war das 2017 begangene Gedenken an 500 Jahre Reformation. Die Protestanten wollten es ausdrücklich nicht als exklusive Jubelfeier veranstalten, sondern luden auch Vertreter anderer Kirchen ein. "Fauxpas" gab es dabei zwar nicht oder fielen jedenfalls nicht auf. Aber: "Die Begegnung von Christen unterschiedlicher Konfession bleibt weiterhin von einem Gefühl der Fremdheit überschattet", räumen die Herausgeber der Broschüre ein. Zugleich betonen Jürgen Dittrich, Dorothea Lasker-Merker und Brigitte Schmeja: "Wenn es so etwas wie einen unterschiedlichen 'kirchlichen Stallgeruch' gibt, spielt er in persönlichen Begegnungen eine größere Rolle, als man sich bewusst macht."

"Ökumene-Knigge" gibt Ratschläge für den Umgang mit Unterschieden

Wie das einflussreiche historische Vorbild beschränkt sich der "Ökumene-Knigge" indes nicht auf bloße Benimmregeln. "Sie werden eingebettet in einen größeren Kontext, der die Rahmenbedingungen dessen erschließt, weshalb sich einige Verhaltensweisen anbieten und manche eher nicht", schreibt die Geschäftsführerin der ACK Deutschland, Verena Hammes, in ihrem Vorwort.

Auch "heiße Eisen" wie die Unterschiede beim "Heiligen Mahl" spart das Handbuch nicht aus. In der katholischen Kirche ist die Eucharistie in der Regel nur den Mitgliedern der eigenen Konfession vorbehalten, während die meisten evangelischen Kirchen alle Christen zu ihrem Abendmahl einladen.

In dieser Frage empfiehlt der Ratgeber - wie durchgehend - ökumenische Sensibilität. "Demonstrative Teilnahme, die Mahlgemeinschaft im Zweifelsfall erzwingt, schadet dem Anliegen einer ökumenischen Gemeinschaft", warnt der Kirchen-Knigge: "Wer sich als Gast unsicher ist, ob er zur Mahlfeier geladen ist, erkundige sich vorher beim verantwortlichen Leiter des Gottesdienstes."

Förderung von Akzeptanz und Verständnis

Ein weiteres konfliktträchtiges Thema ist die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in manchen evangelischen Landeskirchen. Auch hier mahnt die Handreichung, "das eigene Verständnis nicht absolut zu setzen und im Sinne des ökumenischen Lernens Akzentsetzungen anderer Kirchen zu würdigen". Nachdrücklich wenden sich die Autoren gegen "vordergründige Zuschreibungen mit Begriffen wie konservativ, liberal oder fortschrittlich".

Sie fordern im Gegenzug Akzeptanz für Pfarrerinnen und Bischöfinnen, wie es sie in liberal geprägten protestantischen Kirchen gibt. "Frauen im geistlichen Amt gebührt der gleiche Respekt wie anderen ordinierten Geistlichen, auch wenn die eigene Kirche die Ordination von Frauen ablehnt."

Zuguterletzt ist der "Ökumene-Knigge" auch ein Stilberater für gottesdienstliche Kleidung - und zitiert ein einziges Mal aus seinem prominenten Vorläufer: "Kleide dich nicht unter und nicht über deinen Stand; nicht über und nicht unter dein Vermögen; nicht phantastisch; nicht bunt; nicht ohne Not prächtig, glänzend und kostbar."

Autor/in:
Gregor Krumpholz
Quelle:
KNA
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