Getötete Journalisten, Kampf um Pressefreiheit und ein Skandal

Für die Medien war 2018 kein gutes Jahr

Mindestens 80 getötete Journalisten und 346 weitere in Haft. So lautet die Jahresbilanz von Reporter ohne Grenzen. Aber auch aus anderen Gründen war 2018 ein eher trübes Jahr für die Medien.

Autor/in:
Joachim Heinz
Für die Medien war 2018 kein gutes Jahr / © Sven Hoppe (dpa)
Für die Medien war 2018 kein gutes Jahr / © Sven Hoppe ( dpa )

Der Mord an dem slowakischen Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten Martina Kusnirova rüttelte im Februar für einen Moment die Menschen in Europa wach. In der Hauptstadt Bratislava zogen Demonstranten zu Tausenden auf die Straßen und forderten den Rücktritt des damaligen Ministerpräsidenten Robert Fico. Überall im Land entstanden spontane Gedenkstätten für Kuciak, der in seiner letzten, unvollendet gebliebenen Reportage möglichen Verbindungen zwischen der Mafia und Regierungsmitarbeitern nachgegangen war.

Ausländische Politiker zeigten sich entsetzt – nach der Ermordung von Daphne Caruana Galizia im Herbst 2017 war erneut ein EU-Staat Schauplatz eines derartigen Verbrechens. Jetzt, im Dezember 2018, dürften nur noch wenige Kerzen in der Slowakei für Kuciak und Kusnirova brennen – obwohl nach wie vor unklar ist, wer hinter der Tat steckt. Lediglich Ministerpräsident Fico musste wenig später seinen Hut nehmen.

Der Fall Kashoggi

In Saudi-Arabien sitzt Kronprinz Mohammed bin Salman dagegen weiterhin fest im Sattel – trotz einer kurz vor dem Jahreswechsel vorgenommenen Kabinettsumbildung. Der Name des 33-jährigen Thronfolgers fällt immer wieder in Zusammenhang mit der Ermordung des regierungskritischen Journalisten Jamal Kashoggi Anfang Oktober im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul.

Kuciak und Kashoggi sind zwei von mindestens 80 Medienschaffenden, die laut Reporter ohne Grenzen 2018 ums Leben gekommen sind – 15 mehr als im Jahr zuvor. Weltweit säßen zudem 346 Journalisten aufgrund ihrer Arbeit im Gefängnis. Rund die Hälfte von ihnen in fünf Ländern: China, Ägypten, Türkei, Iran und Saudi-Arabien. Auch Krisenregionen in Asien, Afrika und Südamerika bleiben ein gefährliches Pflaster – doch auch in Europa beobachte die Organisation eine "Zunahme an medienfeindlichem Klima".

Auflagen und Soziale Medien

Auch in Deutschland wächst der Druck auf Journalisten. Im Sommer wurden die Dreharbeiten eines ZDF-Fernsehteams am Rande von Protesten gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Dresden behindert – durch eine 45-minütige Befragung der Polizei. Vorher war das Team von einzelnen Pegida-Demonstranten verbal angegriffen worden. Wenig später erläuterte AfD-Chef Alexander Gauland in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" seine Vorstellungen einer friedlichen Revolution. Die richte sich gegen "diejenigen, die die Politik Merkels mittragen". Das seien "Leute aus anderen Parteien und leider auch aus den Medien. Die möchte ich aus der Verantwortung vertreiben."

Kummer in der Praxis bereiten manche Vorschriften, die das Miteinander in der digitalen Welt regeln sollen. Ob Schloss Sanssouci in Potsdam oder der Kölner Dom: Professionelle Journalisten müssen immer strengere Auflagen beachten, wenn sie bekannte Sehenswürdigkeiten im Bild zeigen wollen – von Porträts mehr oder weniger prominenter Zeitgenossen ganz zu schweigen. Dem steht eine Flut von Bildern in den Sozialen Medien gegenüber, die sich kaum mehr eindämmen lässt.

Skandal um "Spiegel"-Reporter

Daneben gibt es allerdings auch hausgemachte Probleme. Das wurde zum Jahresende mit dem Skandal um "Spiegel"-Reporter Claas Relotius offenbar. Der als Star seiner Zunft gehandelte Journalist soll zumindest Teile seiner Reportagen frei erfunden hat. Die Prüfung beim selbst ernannten "Sturmgeschütz der Demokratie" läuft – und die Debatte darüber, was die Affäre über die Branche insgesamt aussagt.

Die Gesellschaft bekomme den Journalismus, den sie haben wolle, schrieb Jörg Tadeusz sinngemäß auf Twitter. Mit seinem typischen Sound und seinen ebenso anrührenden wie vorurteilsbeladenen und erfundenen Geschichten aus aller Welt, habe Relotius offenbar den Nerv der Zeit und so mancher Redaktion getroffen: "Weil wir uns gerne für unseren Gratismut feiern und uns Bestnoten für eine Haltung geben, die wir keiner Diktatur entgegentrotzen müssen."

Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall hätte da einen Vorsatz für das neue Jahr: "Wir Journalisten und die Chefs der Medienhäuser müssen das tun, was auch schon vor dem Fall Relotius angesagt war und getan wurde: Transparenz herstellen, über unseren Beruf informieren, Fragen beantworten. Und uns nicht beirren lassen von Shitstorms."


Quelle:
KNA
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