Friedensdemo statt Rosenmontagszug in Köln

Über 150.000 Menschen demonstrieren

Eigentlich wollten die Kölner Karnevalisten ein Rosenmontagsfest im Stadion veranstalten. Nun ziehen sie in einer Friedensdemonstration durch die Stadt. Auch die Kirchen rufen zur Teilnahme auf.

Putin-Persiflagewagen auf der Friedensdemonstration in Köln; Rosenmontag; / © Johannes Schröer (DR)
Putin-Persiflagewagen auf der Friedensdemonstration in Köln; Rosenmontag; / © Johannes Schröer ( DR )

Bunt und laut gegen den Krieg Russlands gegen die Ukraine: In der Narrenhochburg Köln ziehen laut Sprecher des Festkomitees Kölner Karneval, Michael Kramp, über 150.000 Menschen durch die Innenstadt. Das sagte er am frühen Nachmittag im WDR Fernsehen unter Berufung auf die Polizei. Kostüme sind ausdrücklich erwünscht. Angeführt wird der Zug von einem Persiflage-Wagen zum Thema Ukraine.

Teilnehmende der Friedensdemonstration in Köln am Rosenmontag / © Johannes Schröer (DR)
Teilnehmende der Friedensdemonstration in Köln am Rosenmontag / © Johannes Schröer ( DR )

Laut Polizei strömten am Nachmittag immer noch mehr Teilnehmer dazu. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sagte in einer Rede an die Teilnehmer: "Ich empfinde grenzenlose Bewunderung für all die mutigen Russinnen und Russen, die bereits seit Freitag auf die Straßen ihres Landes gehen." Minutenlanger donnernder Applaus der Zuhörer war die Reaktion darauf. Zu den gespielten Liedern gehörten "Alle Menschen werden Brüder" und der Brings-Song "Mir sin all nur Mensche" (Wir sind alle nur Menschen).

Stadtdechant Msgr. Robert Kleine / © Robert Boecker (Katholisches Stadtdekanat Köln)

Auch der Kölner Stadtdechant Monsignore Robert Kleine beteiligt sich an der Friedensdemonstration. Bei DOMRADIO.DE bekräftigte Kleine: "Wir müssen auf die Straße gehen. Ich kenne viele Menschen, die es drängt." Er hofft, dass sich Angehörige aller Religionen dem Demonstrationszug anschließen.

4,5 Kilometer durch die Innenstadt

Zahlreiche weitere Organisationen unterstützen die Demonstration, unter anderem Parteien, Gewerkschaften, der Bundesligist 1. FC Köln und die Band Brings. Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) wollte teilnehmen. Die Polizei hat sich auf einen Großeinsatz eingestellt. Der Protestmarsch soll nach Angaben des Festkomitees über eine Strecke von 4,5 Kilometern durch die Innenstadt führen - vorbei an vielen der Motivwagen, die eigentlich für den Rosenmontagszug gebaut worden waren. Bei einer Kundgebung an der Severinstorburg, wo normalerweise auch der Rosenmontagszug startet, soll unter anderem die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sprechen.

Teilnehmende der Friedensdemonstration in Köln am Rosenmontag / © Johannes Schröer (DR)
Teilnehmende der Friedensdemonstration in Köln am Rosenmontag / © Johannes Schröer ( DR )

Friedensdemo statt Karneval

"Der Kölner Karneval kann mehr als feiern und schunkeln. Er lebt vor allem von der Solidarität und der Gemeinschaft, Werte wie Freiheit und Gleichheit sind unser oberstes Gut", sagte Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn. "Typische Elemente" eines Rosenmontagszuges wie Festwagen, Kutschen oder Kamelle werde es nicht geben, betonte eine Sprecherin. Der klassische Rosenmontagszug war wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Als kleinen Ersatz hatte das Festkomitee eigentlich ein Rosenmontagsfest mit Umzug im Kölner Stadion geplant. Doch unter dem Eindruck des russischen Angriffs auf die Ukraine sagten die Karnevalisten am Donnerstag auch dieses Fest ab und beschlossen stattdessen, eine Friedensdemo zu organisieren. Für Teilnehmer gelten Maskenpflicht und die 3G-Regel - sie müssen getestet, geimpft oder genesen sein. Die Stadt verhängte für den gesamten Rosenmontag bis 24.00 Uhr ein Fahrverbot für schwere Lastwagen in der Innenstadt. Am Nachmittag ist in Köln nach Angaben der Polizei zudem eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen vom rechtsrheinischen Deutz in die Innenstadt geplant, zu der 3500 Teilnehmer angemeldet sind. Es sei nicht auszuschließen, dass die beiden Demonstrationszüge zusammentreffen, sagte ein Sprecher. Die Polizei erwarte dadurch keine größeren Probleme, sei aber vorbereitet.  

Quelle:
dpa , DR