Kölner Stadtdechant gegen Verschiebung des Rosenmontagszugs

"Alles hat seine Zeit"

Wie schon in der letzten Session fallen für Karnevalisten die Sitzungen, Bälle und auch Züge aus. Das Kölner Festkomitee denkt zurzeit über alternative Formen nach. Der Kölner Stadtdechant ist gegen eine Verschiebung des Zuges.

Karneval in der Corona-Pandemie: Ein Jeck mit Maske und Verkleidung / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Karneval in der Corona-Pandemie: Ein Jeck mit Maske und Verkleidung / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

DOMRADIO.DE: Sie sind Feldheiliger im Traditionskorps Altstädter Köln 1922. Ich kann mir gut vorstellen, dass Ihnen beim Thema Karneval persönlich das Herz blutet. Welche Absage tut Ihnen denn dann am meisten leid? Sitzung, Ball oder Zug?

Msgr. Robert Kleine (Kölner Stadt- und Domdechant, "Feldheiliger" im Traditionskorps "Altstädter Köln 1922"): Alles! Angefangen auch schon bei der Proklamation, denn bei der Karnevalsgesellschaft, wo ich als Geistlicher mit dabei bin, steckt es ja schon im Namen drin. Die Altstädter haben in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum. Sie haben deshalb schon im letzten Jahr das Dreigestirn gestellt unter der Maßgabe: Wenn dann Corona einmal überwunden ist, dürfen die noch ein Jahr dranhängen. Das ist die jetzige Session.

Da wird auch wieder nichts draus. Die Proklamation ist wieder abgesagt. Und natürlich auch zum zweite Mal der Zug, mit dem die drei sicher in diesem Jahr gerechnet haben, wie viele andere auch. Das schmerzt natürlich sehr. Nicht nur für mich persönlich, sondern auch für die, die mit viel Herzblut eigentlich ein Dreigestirn sein wollen, aber es auch sind. Sie werden ja proklamiert und werden sicher im Kleinen auch versuchen, etwas Freude zu den Menschen zu bringen.

DOMRADIO.DE: Aber die Absagen können sie schon nachvollziehen?

Kleine: Ganz klar ist, dass in allen Bereichen das hinten anstehen muss, was die Ausbreitung auch der Omikron-Variante beflügeln würde. Das sind eben große Treffen und natürlich kann man einen Rosenmontagszug nicht mit 2G abhalten, so wie er sonst immer stattgefunden hat. Bei den Bällen sind auch sonstige Tanzveranstaltungen wie jetzt zu Silvester untersagt worden.

Auch bei Sitzungen kann man das sicherlich schlecht nachhalten, wobei es auch Sitzungen gegeben hätte, wo man wie im Konzert oder in der Oper sitzt und sich die Beiträge anhört. Aber hier ist jetzt klar, dass man die Sicherheit vorgehen lässt und fast alle Veranstaltungen in großen Sälen mit vielen Menschen absagt.

DOMRADIO.DE: Stichwort Rosenmontagszug: Da denkt ja das Kölner Festkomitee schon über Alternativen nach. Eine könnte sein, den Rosenmontagszug im Stadion des 1. FC Köln kreisen zu lassen. Können Sie sich das vorstellen? Was halten Sie davon?

Kleine: Es ist natürlich eine schwierige Situation für das Festkomitee. Im letzten Jahr gab es ja diese wunderbare Hänneschen Theater Aufführung: den Zug in Miniatur. Da wird jetzt etwas anderes gesucht. Überall, wo Menschen konkret vor Ort dabei sind, wird das natürlich mit dem regulären Rosenmontagszug verglichen werden. Also wer kommt dann ins Stadion hinein? Wie viele Menschen? Warum gerade die? Wie will man den ganzen Lindwurm, der sonst Rosenmontag durch die Stadt zieht, in das Stadion hinein bekommen? Logistisch ist das ein sehr großer Aufwand. Man wird das sicherlich reduzieren müssen, vielleicht auf die Persiflagewagen, die Motivwagen.

Aber auch wenn ich dann irgendwo unterhalb der Logen im Stadion sitze, sehe ich ja kaum etwas. Also das ist ja gerade auch die Nähe der Menschen beim Karnevalszug, die auch dann den Funken überspringen lässt. Aber ich finde es gut, dass der Zugleiter Holger Kirsch sich Gedanken macht, damit man nicht sagt, Karneval fällt aus. Es findet vieles nicht statt, aber es gibt sicherlich genügend Ideen, wie man etwas machen kann. Eine Idee, die hier ja nicht zum Tragen kommt, ist die der zeitlichen Verlegung des Karnevals und des Rosenmontagszugs.

DOMRADIO.DE: Was halten Sie denn davon? Das hat ja Düsseldorf gemacht oder angekündigt, den Zug dann auf den Sommer zu verlegen.

Kleine: Ich bin da ganz klar einer Meinung mit dem Festkomitee-Präsidenten Christoph Kuckelkorn: Alles hat seine Zeit. Das ist ja auch das Karnevalsmotto in diesem Jahr: "Alles hät sing Zick" (Alles hat seine Zeit), wie es auch im Buch Kohelet schon heißt.

Es gibt eben eine Zeit für Karneval vom Begriff her: Fastnacht – Fastelovend, Carne vale – auf Wiedersehen, Fleisch. Insofern ist das an die Fastenzeit gebunden, das richtige Feiern vorher. Das kann ich dann schlecht in den Sommer verlegen. Und ich weiß auch nicht, ob dann da so die Stimmung aufkommt. Es ist ja auch dann wieder ein großes logistisches Problem, dann im Sommer diesen Karnevalszug durch Düsseldorf fahren zu lassen.

Ich glaube, schweren Herzens ganz abzusagen und dann zu hoffen, dass der Ausfall eben kein Brauchtum wird, wo es jetzt schon zweimal ausgefallen ist, sondern dass wir im übernächsten Jahr 2023, wenn auch das Festkomitee Kölner Karneval Jubiläum feiert, 200 Jahre. Dann hoffen wir, einen wirklich wunderbaren Zug erleben zu können und dass wir dann Corona so im Griff haben, dass es wie eine Grippe oder vergleichbar gehandelt wird. Da hoffen wir doch, dass wir nicht nur Karneval, sondern auch viele andere Dinge dann wieder ganz normal gestalten und auch feiern können.

Das Interview führte Florian Helbig.

Msgr. Robert Kleine / © Nicolas Ottersbach (DR)
Msgr. Robert Kleine / © Nicolas Ottersbach ( DR )
Quelle:
DR