Der Vatikan hat eine Studie veröffentlicht, in der die Klärung der Frauenfrage in der katholischen Kirche als dringlich beschrieben wird. Die Studie war während der Weltsynode (2023/2024) von Papst Franziskus unter der Oberhoheit der Glaubensbehörde in Auftrag gegeben worden.
Das 74 Seiten umfassende Papier stellt fest, dass es ein "spezifisches Unbehagen unter vielen Frauen bezüglich ihrer Teilhabe am Leben ihrer Gemeinden" gebe, insbesondere wenn man es vergleiche mit den Möglichkeiten im bürgerlichen Leben. Dies gelte keineswegs nur für westliche Gesellschaften und habe dazu geführt, dass eine immer größere Zahl von Frauen sich nicht mehr damit identifizieren könne, katholisch zu sein.
Wörtlich heißt es: "Eine wachsende Zahl von Frauen jeder Altersgruppe und in unterschiedlichen Teilen der Welt fühlen sich im Haus des Herrn nicht mehr zuhause – bis hin zu dem Punkt, dass sie es vollständig verlassen."
Frauenfrage als Zeichen der Zeit
Die Studiengruppe empfiehlt daher, "anzuerkennen, dass die 'Frauenfrage' ein Zeichen der Zeit ist in dem Sinne, dass der Heilige Geist dadurch spricht". Deshalb sei auf allen Ebenen der Kirche eine veränderte Mentalität notwendig.
"Die gegenwärtige Situation fordert die kirchliche Gemeinschaft heraus; sie muss sich entscheiden, ob sie zulässt, dass die gesellschaftliche Veränderung ihr widerfährt, oder ob sie proaktiv handeln will, um sich selbst zu verändern und damit der Veränderung eine umfassendere und reichhaltigere Bedeutung zu geben."
Dabei solle sie jedoch, so die Studiengruppe, weder der Versuchung zur Furcht noch der Versuchung zur Hast erliegen. Ohne konkrete Empfehlungen zu geben, stellt die Studiengruppe ferner fest, dass es in der Bibel und in der Kirchengeschichte zahlreiche Frauen gab und gibt, die Macht in der Kirche ausgeübt haben.
Die Päpste Franziskus und Leo XIV. hätten durch die Ernennung von Frauen in vatikanische Leitungsämter gezeigt, dass es möglich sei, Frauen solche Autorität zu übertragen, ohne dass diese ein Weiheamt innehaben. Die Frage, ob es in der katholischen Kirche ein den Männern vorbehaltenes "petrinisches Prinzip" und ein der weiblichen Natur entsprechendes "marianisches Prinzip" gibt, wird in der Studie als ungelöste Kontroverse geschildert.