Französische Bischöfe beenden ihre Frühjahrsvollversammlung

Krisenzeiten und Hoffnungsschimmer

Einen neuen Vorsitzenden haben Frankreichs Bischöfe bei ihrer jetzt beendeten Frühjahrsvollversammlung gewählt. Der neue Mann an der Spitze hat nicht wenige Herausforderungen zu bewältigen.

Blick auf Lourdes (Frankreich) / © Hartwig Lohmeyer (epd)
Blick auf Lourdes (Frankreich) / © Hartwig Lohmeyer ( epd )

Es war nur ein Aspekt am Rande der am Freitag beendeten Frühjahrsvollversammlung der französischen Bischöfe in Lourdes. Die Teilnehmer des Treffens berieten über eine "erweiterte Nutzung" oder Entweihung von Kirchen. Bei vielen alten Gotteshäusern laste der Unterhalt auf den Kommunen – während sie durch die die Kirche oft nicht mehr regelmäßig genutzt würden. Die religiöse Landschaft der "ältesten Tochter der katholischen Kirche" ist im Wandel. Darin mag sich Frankreich nicht von anderen europäischen Ländern unterscheiden.

Aber der Fall des wegen Missbrauchsvertuschung verurteilten Kardinals Philippe Barbarin wiegt schwer und warf auch seine Schatten über die turnusmäßige Versammlung in dem berühmten Marienwallfahrtsort am Fuß der Pyrenäen. Barbarin, seit 2002 Erzbischof des zweitgrößten französischen Bistums Lyon, legte unmittelbar nach dem Anfang März ergangenen Urteil Berufung ein. Die juristische Auseinandersetzung geht also in die nächste Runde.

Schwere Krise

Dessen ungeachtet zogen die Bischöfe in Lourdes eine Zwischenbilanz ihres Vorgehens gegen Missbrauch. Dabei hätten sie, so hieß es in der abschließenden Pressemitteilung, immer wieder betont, dass die Anliegen der Betroffenen in den Mittelpunkt jeder Aufarbeitung zu stellen seien. Die allgemeine Gefühlslage umschrieb vor dem Treffen der Bischof von Grenoble, Guy de Kerimel, in der Zeitschrift "La Croix" mit den Worten, allen Bischöfen sei bewusst, "dass wir eine besonders schwere Krise durchmachen".

Ein letztes Mal eröffnete der Erzbischof von Marseille, Georges Pontier, als Vorsitzender der Bischofskonferenz das Treffen. Er erinnerte auch an die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und verwies dabei unter anderem auf bioethische Debatten. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für einen Neuaufbruch im traditionell komplexen Verhältnis zwischen französischen Staat und katholischer Kirche geworben.

Intellektuell breit aufgestellt

Das Problem: Der Elan beider Seiten wurde durch innere Konflikte absorbiert. Bei der Kirche ist die Missbrauchskrise an erster Stelle zu nennen; bei Macron manifestierte sich der Unmut an seinem Regierungsstil in den teils militanten Protesten der Gelbwesten. Für die Kirche liegt es nun an dem in Lourdes gewählten Nachfolger von Pontier, die verschiedenen Fäden zusammenzuführen. Die Wahl von Eric de Moulins-Beaufort zum neuen Vorsitzendenden der Bischofskonferenz wertete die linksliberale französische Zeitung "Liberation" als "Zeichen der Erneuerung".

Der 57-jährige Erzbischof von Reims, geboren übrigens als Sohn eines Offiziers im pfälzischen Landau, präsentierte sich nach seiner Wahl als Teamplayer. Ob der aus altem Adel stammende Kirchenmann den verunsicherten französischen Katholiken neuen Halt geben kann, ist nach Ansicht mancher Beobachter eine spannende Frage. Ehemals persönlicher Sekretär des damaligen Pariser Erzbischofs Andre Vingt-Trois, gilt der neue Konferenz-Vorsitzende jedenfalls als gut vernetzt in Kirchenkreisen. Intellektuell ist er breit aufgestellt: Neben Theologie studierte de Moulins-Beaufort am renommierten Institut d'etudes politiques de Paris.

Leichtsinn, Lüge und Irrlehren

Die ersten Schlagzeilen im neuen Amt gab es gleich dazu. Mitte März nahm der Erzbischof an einer Moscheeeinweihung in Reims teil. "Mit mir freuen sich die Katholiken von Reims, dass Sie an diesem endlich fertiggestellten Ort den Schöpfer und den barmherzigen Gott preisen können", so de Moulins-Beaufort in seiner Ansprache, die er kurz darauf auf Facebook postete. Er hoffe, dass von dem Gebetshaus Impulse ausgingen, um den Zusammenhalt der Gesellschaft zu stärken.

In den Sozialen Medien erntete er dafür reichlich Kritik, User warfen ihm Leichtsinn, Lüge und die Verbreitung von Irrlehren vor. Das Verhältnis zwischen Islam und französischer Mehrheitsgesellschaft ist ebenfalls eine Großbaustelle in Frankreich. In den Randgebieten der Großstädte leben viele Muslime, gleichzeitig türmen sich dort oft soziale Probleme. Auch hier sind die Dinge schon seit längerem im Wandel. Und die Kirche muss klären, wie sie sich zu all dem verhält.

Autor/in:
Joachim Heinz
Quelle:
KNA