Franziskus verurteilt erneut Gewalt gegen Frauen

Auch im Krieg

Papst Franziskus hat den Einsatz von Gewalt gegen Frauen im Krieg verurteilt. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen sei leider eine allgegenwärtige Realität und werde auch als Kriegswaffe eingesetzt, beklagte der Papst beim Mittagsgebet.

Nachdenklich: Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Nachdenklich: Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

"Werden wir nie müde 'Nein' zu sagen zum Krieg, 'Ja' zum Dialog, 'Ja' zum Frieden", ermahnte Franziskus. Am Sonntag endete ein Solidaritätsmarsch gegen Gewalt an Frauen in Kriegen und Konflikten auf dem Petersplatz. Organisiert wurde die Aktion von der Britischen Botschaft beim Heiligen Stuhl, der Weltunion katholischer Frauenorganisationen (WUCWO) und dem Vatikan-Sportteam "Athletica Vaticana".

Athleten des Sportvereins des Vatikan "Athletica Vaticana" vor dem Petersdom auf dem Petersplatz im Vatikan / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Athleten des Sportvereins des Vatikan "Athletica Vaticana" vor dem Petersdom auf dem Petersplatz im Vatikan / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Jede dritte Frau erlebt physische oder sexualisierte Gewalt

Bereits am Freitag hatte der Papst Gewalt gegen Frauen angeprangert. Anlass war der Welttag zur Beseitigung von solchen Gewalttaten. Seit 1981 wird am Todestag dreier Schwestern, die in der Dominikanischen Republik gegen die Diktatur kämpften, weltweit auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht. 1999 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Resolution, die den 25. November offiziell zum "Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" machte.

Nach UN-Angaben erlebt jede dritte Frau im Verlauf ihres Lebens physische oder sexualisierte Gewalt - zumeist innerhalb, oft aber auch außerhalb einer Partnerschaft. Sexualisierte Belästigung ist in dieser Zahl nicht inbegriffen.

Opfern zu Recht verhelfen

"Leider stehen Frauen in bestimmten Gewaltsituationen nicht nur allein da, sondern erhalten, wenn der Fall zur Anzeige gebracht wird, auch keine Gerechtigkeit, oder die Gerichtsverfahren dauern zu lange, unendlich lang", erklärte Franziskus am Samstag im Vatikan vor Kriminalbeamten, die er in Audienz empfangen hatte.

Er rief zu Wachsamkeit und konkreten Maßnahmen auf. "Der Staat muss dafür sorgen, dass der Fall in jeder Phase begleitet wird und dass das Opfer so schnell wie möglich zu seinem Recht kommt." Aber auch nach einer möglichen Verurteilung müsse die Sicherheit der Frau weiter gewährleistet sein und sie vor Rückfällen des Täters geschützt werden.

Repressive Maßnahmen reichen nicht aus

Allein repressive Maßnahmen reichten aber nicht aus, mahnte Franziskus. Entscheidend sei vor allem die Prävention bei der Beseitigung dieser "sozialen Geißel, die auch mit kulturellen Einstellungen, tief verwurzelten Mentalitäten und Vorurteilen zusammenhängt", so der Papst. Dabei stünden besonders die Familien im Mittelpunkt.

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Die Pandemie "mit der erzwungenen Isolation" habe bestimmte Dynamiken innerhalb der Familie verschärft, wenn auch nicht geschaffen. "Es handelt sich in der Tat oft um latente Spannungen, die präventiv auf der Bildungsebene gelöst werden können", erklärte Franziskus weiter.

Er rief dazu auf, Familien in der wirtschaftlichen und sozialen Krise zu unterstützen, damit "Spannungen im häuslichen, geschlossenen Umfeld" nicht explodierten. Am Freitag schrieb der Papst auf Twitter: "Gewalt gegen eine Frau zu verüben oder sie auszunützen, ist nicht einfach eine Straftat, sondern ein Verbrechen, das die Harmonie, die Poesie und die Schönheit zerstört, die Gott der Welt schenken wollte."

Orange the World 2022 - Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Geschlechtsspezifische Gewalt fängt bei Alltagssexismus an und endet mit Femiziden. Diese Gewalt ist allgegenwärtig und fest in unseren patriarchalen Strukturen verankert. In Deutschland ist jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen, das sind mehr als 12 Millionen Frauen. Alle 45 Minuten wird eine Frau in Deutschland durch ihren Partner gefährlich körperlich verletzt. Jeden dritten Tag tötet ein Mann seine (Ex-)Partnerin.

Gewalt gegen Frauen / © Maurizio Gambarini (dpa)
Gewalt gegen Frauen / © Maurizio Gambarini ( dpa )
Quelle:
KNA