Tausende Pilger kommen zur Reliquienverehrung in Assisi

Großer Ansturm

800 Jahre nach seinem Tod sind die sterblichen Reste des Heiligen Franziskus in Assisi zu sehen. Hunderttausende sind angemeldet, ein Pilgerstrom hat sich in Bewegung gesetzt. Vier Wochen dauert das Großereignis.

Mönche versammeln sich im Kloster der päpstlichen Basilika San Francesco in Assisi / © Gregorio Borgia/AP/ (dpa)
Mönche versammeln sich im Kloster der päpstlichen Basilika San Francesco in Assisi / © Gregorio Borgia/AP/ ( dpa )

Tausende Menschen sind am Sonntag nach Assisi gekommen, um als Erste die Reliquien des Heiligen Franziskus (gestorben 1226) zu sehen und zu verehren. Schon in den Morgenstunden bildete sich ein breiter Pilgerstrom, der sich langsam in die Basilika San Francesco bewegte. Dort sind in der Unterkirche vor dem Hauptaltar die Knochen des Heiligen in einem durchsichtigen Sarg aufgebahrt.

Mönche beten vor den sterblichen Überresten von Franz von Assisi in der päpstlichen Basilika San Francesco in Assisi / © Gregorio Borgia/AP/ (dpa)
Mönche beten vor den sterblichen Überresten von Franz von Assisi in der päpstlichen Basilika San Francesco in Assisi / © Gregorio Borgia/AP/ ( dpa )

Am Vortag hatten Franziskanermönche den Sarg in einer feierlichen Prozession von der Krypta in die Basilika gebracht. Der durchsichtige Sarg ist normalerweise in einem Steinsarkophag verborgen. Die öffentliche Ausstellung und Verehrung aus Anlass des 800. Todestags dauert noch bis zum 22. März.

Nur kurze Zeit zum Innehalten

Wegen des großen Pilgerandrangs können die Menschen nur wenige Augenblicke vor den Reliquien verharren. Manche von ihnen berühren den durchsichtigen Sarg mit der Hand und bekreuzigen sich dann.

Nach Angaben der Veranstalter werden in den kommenden vier Wochen täglich rund 15.000 Besucher erwartet. Etwa 200 Medienschaffende sind akkreditiert, um über das Ereignis zu berichten, 400 freiwillige Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf.

Während Tausende Pilger in der Unterkirche einen Blick auf die Reliquien zu werfen versuchten, feierte am Sonntagvormittag zeitgleich der spanische Kurienkardinal Ángel Fernández Artime in der Oberkirche der Basilika den Sonntagsgottesdienst. In seiner Predigt betonte er die Verbindung zwischen der Reliquienausstellung in Assisi und der am Aschermittwoch begonnenen Fastenzeit als Gelegenheiten zur Besinnung auf das Wesentliche.

Reliquien als Predigt und Provokation 

Am Samstag leitete Kardinal Artime bereits den Vespergottesdienst, an dem Hunderte Ordensleute aller Zweige der franziskanischen Bewegung teilnahmen. In seiner Predigt sagte er, die Ausstellung der Reliquien sei ein "Geschenk und ein Appell, sich auf das Wesentliche zu besinnen". Der Blick auf die sterblichen Überreste zeige das "Konkrete der Heiligkeit". Die Reliquien seien eine "stumme, aber äußerst wirkungsvolle Predigt".  

Kardinal Angel Fernandez Artime, Generaloberer der Salesianer Don Boscos / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Angel Fernandez Artime, Generaloberer der Salesianer Don Boscos / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Wer die sterblichen Überreste des Heiligen Franziskus betrachte, realisiere, was das Evangelium bewirken könne, wenn man es ernst nehme, erklärte Ártime. Wie kaum ein anderer zuvor habe sich Franz von Assisi radikal für Bescheidenheit, Armut und Frieden anstatt für Selbstbehauptung, Reichtum und Macht entschieden.  

Die sterblichen Überreste von Franz von Assisi in einer Glasvitrine in der päpstlichen Basilika San Francesco, Assisi / © Gregorio Borgia/AP/ (dpa)
Die sterblichen Überreste von Franz von Assisi in einer Glasvitrine in der päpstlichen Basilika San Francesco, Assisi / © Gregorio Borgia/AP/ ( dpa )

Abschließend sagte der Kardinal: "Wir sind hier nicht aus Neugierde, sondern um uns von diesen Reliquien provozieren zu lassen (...) und uns der Frage zu stellen: 'Was muss in mir sterben, damit Christus in mir leben kann?' Franziskus zeige, dass "Heiligkeit möglich ist und das Evangelium gelebt werden kann". 

Abendliche Konzerte in der Oberkirche

Zum Auftakt der Reliquien-Ausstellung sang am Samstag um 21 Uhr die Schola Cantorum der London Oratory School. Am 28. Februar, 7. und 21. März bietet jeweils um 19.30 Uhr die Cappella Musicale der Päpstlichen Basilika Sankt Franziskus in Assisi Werke zur Passion Christi.

Am 10. März um 21 Uhr gastieren die Knoxville Catholic High School Singers aus Tennessee, USA. Den Konzertreigen beschließt am 17. März das Orchestra da Camera Fiorentina. Die Konzerte finden in der Oberkirche der Basilika statt, sind kostenlos und ohne Voranmeldung nach Verfügbarkeit zugänglich.

Papst Leo XIV. / © Lola Gomez/Vatican Pool/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. / © Lola Gomez/Vatican Pool/Romano Siciliani ( KNA )

Auch das ganze Festjahr über bietet die Geburtsstadt des populären Heiligen zahlreiche Veranstaltungen, insbesondere um den Gedenktag des Schutzpatrons der Tiere am 4. Oktober. Ebenso hat Papst Leo XIV. seinen Besuch angekündigt. Ein Termin steht bisher noch nicht fest.

Der Abschlussgottesdienst des Großereignisses ist für den 22. März um 17 Uhr geplant. Er wird vom Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi, geleitet. Am 6. August will auch Papst Leo XIV. nach Assisi kommen und am Sarg des Heiligen beten.

Assisi

Statue des Heiligen Franz von Assisi / © Paoloesse (shutterstock)
Statue des Heiligen Franz von Assisi / © Paoloesse ( shutterstock )

Der Wallfahrtsort Assisi im mittelitalienischen Umbrien zieht jährlich bis zu fünf Millionen Pilger und Touristen an. Der hier um 1181 geborene Kaufmannssohn und spätere Gründer des Franziskanerordens, Franz von Assisi, hat wegen seines Verzichts auf Reichtum und der Fürsorge für die Armen hohes Ansehen. Da er nicht nur Menschen, sondern auch Tieren gepredigt haben soll, gilt seine Hinwendung zur Natur als beispielhaft für modernes Umweltbewusstsein.

Quelle:
KNA