Frankreichs Staatspräsident Macron besucht Papst Franziskus

Erste Begegnung

Emmanuel Macron wird für Ende Juni zu einem Besuch bei Papst Franziskus im Vatikan erwartet. Es ist die erste Visite des seit Mai 2017 amtierenden französischen Staatschefs beim Oberhaupt der katholischen Kirche.

Staatspräsident Emmanuel Macron / © Alain Jocard (dpa)
Staatspräsident Emmanuel Macron / © Alain Jocard ( dpa )

Vatikansprecher Greg Burke bestätigte am Freitag entsprechende Medienberichte aus Paris. Einzelheiten zum Programm wurden noch nicht bekannt. Macron stammt aus einer nichtreligiösen Familie, ließ sich aber mit zwölf Jahren katholisch taufen. Einen Teil seiner Schulausbildung absolvierte er an einer Jesuitenschule.

"Ehrlicher Meinungsaustausch"

Macron hatte sich Anfang April für einen Neuaufbruch im Dialog zwischen französischem Staat und katholischer Kirche ausgesprochen. Die von der Kirche aufgeworfenen Fragen beträfen nicht eine Minderheit, sondern die Gesellschaft als Ganzes, sagte er bei einem Empfang in Paris. Die Kirche müsse weiter Präsenz in den öffentlichen Debatten zeigen.

Eine Kirche, die sich nicht mit aktuellen Fragen auseinandersetze, verfehle ihren Auftrag, betonte Macron und fügte hinzu, das Gleiche gelte für einen französischen Präsidenten, der sich nicht mit der katholischen Kirche auseinandersetze. Es brauche einen "ehrlichen Meinungsaustausch", der unterschiedliche Sichtweisen nicht einebne, zugleich aber Verständnis für die jeweils andere Seite zeige.

Die am Freitag angekündigte, für Ende Juni geplante Begegnung von Papst Franziskus und Präsident Emmanuel Macron ist die erste der beiden.

Charles de Gaulle kniete vor dem Papst nieder

Alle Präsidenten der Fünften Republik - mit Ausnahme von Georges Pompidou (1969-1974) - sind zum Papst gereist. Charles de Gaulle (1959-1969), bereits 1944 als Chef einer französischen Übergangsregierung bei Pius XII., kniete im Juni 1959 vor Johannes XXIII. nieder, küsste ihm den Ring und schenkte ihm eine mittelalterliche Bibelausgabe. Sein Nachfolger Pompidou ließ die Rom-Visite aus, womöglich auch unter dem Eindruck der Pariser Studentenrevolte von Mai 1968.

Valery Giscard d'Estaing (1974-1981) besuchte sowohl Paul VI. als auch Johannes Paul II. - und empfing letzteren bei dessen historischem Frankreich-Besuch 1980. Später gab er zu Protokoll, dass der Papst aus Polen ihm einige Dinge sehr direkt auf den Kopf zugesagt habe, unter anderem eine zu große Toleranz in der Abtreibungsfrage.

Der Sozialist Francois Mitterrand (1981-1995) respektierte die Tradition der Besuche beim Papst. Die Würde als Ehrendomherr der Lateranbasilika, ein übergebliebenes Privileg der französischen Könige, wies er jedoch zurück. Gleichwohl verband Johannes Paul II. und den langjährigen Präsidenten ein vertrauensvolles Verhältnis.

Hochzeit der vatikanisch-französischen Beziehungen

Gleiches gilt für den großbürgerlichen Jacques Chirac (1995-2007). Seine Amtszeit und Bewunderung für Johannes Paul II. markieren zugleich eine Hoch-Zeit der vatikanisch-französischen Beziehungen. Chirac versicherte den Papst der "Treue Frankreichs zu seinem christlichen Erbe".

Unterhaltungswert hatten die beiden Auftritte des Bling-Bling-Präsidenten Nicolas Sarkozy (2007-2012), der 2007 bei Benedikt XVI. für Frankreichs «positive Laizität» warb und sich 2010, schon mit stark sinkendem Stern, um Schadensbegrenzung im Staat-Kirche-Verhältnis bemühte.

Mit den Namensvettern Franziskus und dem Sozialisten Francois Hollande (2012-2017) ergab sich wieder ein neuer Stil. Auch wenn viele der linken Gesetzesinitiativen die französische Gesellschaft in einer dem Vatikan nicht genehmen Weise veränderten, wusste man dort: Frankreich wird als intakter politischer Akteur gebraucht, um weiter ein Motor für das stotternde Europa sein zu können. Hollande besuchte Franziskus im Januar 2014 und zuletzt im August 2016.


Hollande bei Franziskus im Jahr 2016 / © Osservatore Romano (KNA)
Hollande bei Franziskus im Jahr 2016 / © Osservatore Romano ( KNA )
Quelle:
KNA
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