Filmexpertin wünscht sich mehr Bildungsfilme zum Judentum

Kindgerechte, kluge und komplexe Filme

Filme können dabei helfen, Themen in Schulen zu vermitteln. Die Wissenschaftlerin Lea Wohl von Haselberg - Mitglied der Ökumenischen Jury bei der Berlinale - vermisst ein breiteres Angebot rund um das Judentum.

 Der Berlinale-Bär  / © Soeren Stache (dpa)
Der Berlinale-Bär / © Soeren Stache ( dpa )

Die Filmwissenschaftlerin Lea Wohl von Haselberg aus der Ökumenischen Jury der Berlinale hält das Bildungsangebot an Filmen zu jüdischen Themen für Kinder und Jugendliche für zu eingeschränkt. "Ich würde mir wünschen, dass es hier mehr Angebote gäbe", sagte die Professorin für Jüdischen Film an der Filmuniversität Babelsberg in einem am Samstag veröffentlichten Interview dem Kinoportal filmdienst.de. Wohl von Haselberg ist auch Programmdirektorin des Jüdischen Filmfestivals Berlin-Brandenburg.

Berlinale 2020 / © Michael Kappeler (dpa)
Berlinale 2020 / © Michael Kappeler ( dpa )

Der Expertin schweben Materialien und Filme vor, "die kindgerecht sowie klug und komplex sind". Wichtig sei, dass die Filme auch in der Gegenwart bestehen könnten. Es gebe einen Bedarf von Lehrern, sich sicherer im Umgang mit dem Nahost-Konflikt und möglicherweise auch mit jüdischen Themen zu fühlen, so Wohl von Haselberg. Filmbildung könne für die Pädagogen ein Teil des Angebots sein. Etwas gegen Antisemitismus zu tun, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, betonte die Filmwissenschaftlerin.

Die Ökumenische Jury der evangelischen und der katholischen Kirche vergibt seit mehr als drei Jahrzehnten bei der Berlinale Preise für Filme, deren Geschichte mit dem Evangelium in Einklang steht, oder die das Publikum für spirituelle, menschliche und soziale Werte sensibilisieren.

Juden in Deutschland

Jüdisches Leben auf dem Gebiet der Bundesrepublik gibt es seit mehr als 1.700 Jahren. Der älteste schriftliche Nachweis stammt aus dem Jahr 321 aus Köln. Vor der nationalsozialistischen Machtergreifung lebten 1933 auf dem Gebiet des Deutschen Reiches rund 570.000 Juden. In der Folge des Holocaust wurden etwa 180.000 von ihnen ermordet, sehr viele flohen. 1950 gab es nur noch etwa 15.000 Juden in Deutschland. Eine Zukunft jüdischen Lebens im Land der Täter schien unwahrscheinlich und war innerjüdisch umstritten.

Ein jüdischer Mann mit einer Kippa / © Nelson Antoine (shutterstock)
Ein jüdischer Mann mit einer Kippa / © Nelson Antoine ( shutterstock )
Quelle:
KNA