Die Männer, die Papst Leo XIV. zu Bischöfen macht, sind nach Meinung des emeritierten Bischofs von Münster "wirklich Hirten". Also "so, wie er das selber ja auch in seiner Tätigkeit in den Anden gelebt hat", erklärte Felix Genn am Freitag im Interview mit Radio Vatikan. Am Donnerstag hatte der Papst Genn in Audienz empfangen.
Genn (75), dessen altersbedingten Rücktritt Papst Franziskus im März 2025 angenommen hatte, leitete das Bistum Münster 16 Jahre lang. Nach wie vor ist er Mitglied der vatikanischen Bischofsbehörde, die ab 2023 von Kardinal Robert Francis Prevost, geleitet wurde, der nun Papst ist. Dank mehrerer gemeinsamer Projekte ist Genn daher gut mit Papst Leo bekannt: "Und ich habe noch einmal festgestellt, dass sich das, was ich in sechs Jahren erlebt habe, auch jetzt wieder zeigt: Welch ein aufmerksamer Zuhörer Papst Leo ist und wie demütig und bescheiden er diesen Dienst tut", sagte Genn.
Genn: Text zur Bischofswahl kommt bald
Genn leitet die Beratungen der vatikanischen synodalen Studiengruppe zum Thema Bischöfe, die aus der Weltsynode ausgelagert worden waren.
Die Gruppe beschäftigt sich mit den Aufgabenfeldern Bischofswahl, Ad limina-Besuche und Aus- und Weiterbildung von Bischöfen. Im Interview erklärte Genn, der Text über die "Beteiligung des Gottesvolkes an der Auswahl der Hirten" sei fertig, könne Papst Leo vorgelegt werden und werde "demnächst auch in die Öffentlichkeit gegeben" - ergänzt durch eine dreiseitige Zusammenfassung.
Der Text zum Thema Ad-limina-Besuche werde gerade erarbeitet. Die Arbeit am Themenfeld "Aus- und Weiterbildung von Bischöfen" sei noch nicht begonnen worden, sei aber wichtig, erklärte Genn. "Was nützt eine synodale Kirche, wenn wir Bischöfe haben, die keinen synodalen Stil pflegen?" Der müsse ja auch erlernt und fortlaufend eingeübt werden.
Bischofskonferenz braucht Einheit trotz Pluralität
Als Herausforderung für den zu wählenden neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz sieht Genn die Aufgabe, als Bischofskonferenz "bei aller Pluralität" nach außen ein Bild der Einheit abzugeben - "sodass da nicht Ansätze gefunden werden könnten, die Gruppen spalten". Außerdem müsse es darum gehen, wie begonnene Wege "in dieser schwierigen Umbruchsituation einer säkularen Welt" weitergegangen werden könnten und wie die Kirche "evangelisatorisch wirken" könne. Der Papst beobachte die Entwicklungen der katholischen Kirche in Deutschland "klug, bescheiden und klar", so Genn.