Patientenschützer kritisiert Reform in der Pflege

"Fallstricke und Enttäuschungen"

Die zu Jahresbeginn in Kraft getretene Reform in der Pflege bringt laut der Deutschen Stiftung Patientenschutz für viele Pflegebedürftige kaum Entlastung. Die Gesamtkosten für einen Heimplatz und Eigenbeteiligungen stiegen stetig an. 

Bewohner eines Pflegeheims / © Bodo Marks (dpa)
Bewohner eines Pflegeheims / © Bodo Marks ( dpa )

"Die Änderungen der Pflegeversicherung zum neuen Jahr bergen Fallstricke und Enttäuschungen für die 820.000 Heimbewohner", erklärte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, am Samstag in Dortmund.

Viele Pflegebedürftige brauchen Sozialhilfe

Die alte Bundesregierung hatte zum 1. Januar eine Entlastung von Heimbewohnern beschlossen, weil immer mehr von ihnen wegen steigender Eigenbeteiligung in die Sozialhilfe rutschten. Demnach übernimmt die Pflegeversicherung im Jahr des Einzugs in eine Pflegeeinrichtung fünf Prozent der reinen Pflegekosten.

Diese durchschnittlich 44 Euro im Monat müssen dann von den 2.125 Euro an Eigenbeteiligung abgezogen werden. Im zweiten Jahr beträgt der Zuschuss auf die reinen Pflegekosten 25 Prozent, im dritten 45 Prozent und in den darauffolgenden Jahren 70 Prozent.

Gesamtkosten für Heimplatz steigen

Brysch erklärte dazu, praktisch würden die 44 Euro im ersten und die 218 Euro im zweiten Jahr keine Entlastung für die Betroffenen bringen: "Denn jährlich steigen die Gesamtkosten für einen Heimplatz bundesweit um mehr als 100 Euro." Da der allergrößte Teil der Pflegeheimbewohner im dritten Jahr bereits verstorben sei, habe die Pflegereform so gut wie keine Wirkung auf die explodierenden Ausgaben.

Wenn die neue Bundesregierung nun auch die Gehaltslücke zwischen Alten- und Krankenpflege schließen wolle, müsse sie auch erklären, "wie die rund 600 Euro Mehrausgaben für die höheren Gehälter zu stemmen sind", so Brysch.

Eugen Brysch / © Jörg Loeffke (KNA)
Eugen Brysch / © Jörg Loeffke ( KNA )
Quelle:
KNA
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