Expertin sieht Vorbildcharakter im Respekt zwischen Religionen

"Miteinander im Gebet statt gegeneinander im Krieg"

Ein respektvolles und friedliches Miteinander von Anhängern verschiedener Religionen kann nach Einschätzung einer iranischen Expertin ein Vorbild für die Politik sein. Gemeinsam können sie sich beispielsweise für Frieden einsetzen.

Archivbild: Interreligiöser Friedensmarsch durch Jerusalem / © Andrea Krogmann (KNA)
Archivbild: Interreligiöser Friedensmarsch durch Jerusalem / © Andrea Krogmann ( KNA )

"Was gut ist für mich, kann nicht gegen andere gerichtet sein. Für mich folgt das aus der Idee der Einheit im abrahamitischen Monotheismus", sagte Nasrin Bani Assadi der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit Blick auf die Religionen Judentum, Christentum und Islam.

Sie werden als abrahamitische Religionen bezeichnet. Oft dächten jedoch in Konflikten wie jetzt im Krieg Israels und der USA gegen den Iran die jeweiligen Akteure, sie hätten Gott auf ihrer eigenen Seite.

Bani Assadi ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts "Forum für Komparative Theologie" an der Universität Bonn und engagiert im interreligiösen Dialog, etwa im Bonner "Room of One", in dem Muslime, Juden und Christen beten. "Dieses Miteinander zeigt der Gesellschaft, dass es andere Wege gibt, Religion zu leben, nämlich miteinander im Gebet statt gegeneinander im Krieg", zeigt sich die 36-Jährige überzeugt. Wenn Politik die Religion für ihre Ziele benutze, müsse die Gesellschaft dies nicht übernehmen.

"Rebellion gegen Religion"

Fachleute verweisen immer wieder darauf, dass die Gesellschaft im muslimischen Iran stark weltlich eingestellt sei. Auch Bani Assadi sieht eine wachsende "Rebellion gegen Religion". Zugleich sei Religion in der Sprache allgegenwärtig, was sich zum Beispiel an dem Ausruf "Inschallah" (So Gott will) zeige. Religion habe im Iran schließlich eine lange Geschichte und sei in die Kultur eingeflossen.

Bani Assadi sagte, ihre Erfahrung aus dem Iran sei, dass die Menschen im Alltag kaum über Religion in Streit gerieten, auch wenn sie unterschiedliche Auffassungen hätten. "Die Leute setzen sich meistens eher mit Politik und Wirtschaft auseinander."

Quelle:
KNA