DOMRADIO.DE: Der 22. April ist der Earth Day, einer der wichtigsten Umwelttage weltweit. Eine Pilgerreise startet mit der Anreise: Wie kommt man denn nachhaltig an den Startpunkt?
Beate Steger (Autorin und Pilgerexpertin): Wenn man innerhalb Deutschlands pilgert, dann ist es möglich, einen Zug oder einen Bus für Langstrecken zu nehmen und sich eben nicht mit dem Auto fortzubewegen. Wenn man beispielsweise nach Spanien möchte, das durch die vielen Jakobswege das Pilgerland schlechthin ist, dann ist es schwieriger. Wenn man mit dem Bus oder mit dem Zug hinfährt, ist man eine Weile unterwegs. Aber schöner wäre es schon: ein langsames Ankommen für eine langsame Fortbewegung.
DOMRADIO.DE: Die Leute sind oft langsam unterwegs, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Was sagen Sie zum E-Bike-Pilgern?
Steger: Ich bin immer dafür, dass man pilgert, egal wie. Dann ist das E-Bike-Pilgern besser als gar kein Pilgern. Und klar, man braucht Strom, aber es ist trotzdem besser, als wenn man mit einem Mofa, einem Motorrad oder einem Wohnmobil fahren würde.
DOMRADIO.DE: Wenn man beim Pilgern Langstrecken zurücklegen möchte, dann macht man das mit öffentlichen Verkehrsmitteln, oder?
Steger: Wenn ich in Spanien unterwegs bin, ist das problemlos möglich. Die haben ein sensationelles Überlandbus-System. Ich habe das schon mehrfach in Anspruch genommen, und man kann die Busse gut vorbuchen. Da kommt man relativ schnell von A nach B. Das ist zum Beispiel gerade in Spanien wunderbar und absolut nachhaltig.
DOMRADIO.DE: Und wie ist es mit dem Übernachten? Hotel oder Herberge?
Steger: Wenn ich in einer Herberge bin, bekommt man manchmal Einmalbettwäsche, das ist nicht gerade nachhaltig. Wenn ich nur in Hotels oder Pensionen gehe, muss dort die Bettwäsche auch immer wieder gewaschen werden. Auch das ist nicht nachhaltig. Eine sehr nachhaltige Methode, wie ich sie beispielsweise nutze, ist ein dünner, kleiner Seidenschlafsack, mit dem man nicht unbedingt die Bettwäsche vor Ort braucht.
DOMRADIO.DE: Und wie nachhaltig kann man sich selber ausstatten, also die Kleidung zum Beispiel?
Steger: Ich finde es immer wichtig, dass man faire Outdoor-Kleidung kauft. Es gibt Anbieter, die nicht unbedingt aus absoluten Billiglohnländern wie Bangladesch oder Indien kommen. Darauf kann man achten. Ich habe beispielsweise T-Shirts von sehr guten Herstellern, die schon 20 Jahre alt sind; das ist ein gutes Material, das kann man dann auch sehr lange tragen.
DOMRADIO.DE: Glauben Sie denn, dass Pilgern auch eine größere Achtsamkeit für Nachhaltigkeit später im Alltag mit sich bringen kann?
Steger: Auf jeden Fall. Ich erstelle für das Magazin "Der Pilger" für jede Ausgabe zwei Pilgerporträts mit Pilgerinnen und Pilgern. Und wir haben eine Frage, wie das Pilgern bei einem nachwirkt. Da sagen die Leute fast immer, dass sie mit viel weniger ausgekommen sind, als sie das jemals gedacht hätten. Das bringt also auch eine minimalistische Einstellung mit sich: Mit wie wenig kann ich eigentlich auskommen? Also, das ist auf jeden Fall eine Sache, die nachwirkt.
DOMRADIO.DE: Warum tut dieser Minimalismus so gut?
Steger: Man spart einfach jede Menge Geld. Und auch dieses "immer mehr haben wollen" fällt weg. Gerade wenn man zum ersten Mal pilgern geht und so etwas noch nie gemacht hat, aber vorhat, es zu wiederholen, muss man auch nicht immer gleich einen teuren Rucksack kaufen. Es gibt mittlerweile bei den Outdoor-Firmen auch die Möglichkeit, Sachen zu leihen oder gebraucht zu kaufen.
Es ist auf jeden Fall schon mal ein gutes Gefühl, wenn man so etwas startet und sagt: "Okay, mit dem Rucksack ist jemand schon 1.000 Kilometer gelaufen, und da lege ich jetzt noch mal 500 Kilometer mit dazu." Das ist doch auch eine schöne Sache und das gibt einfach auch ein gutes Gefühl.
Das Interview führte Heike Sicconi.