Experte fordert Abkopplung zwischen Mafia und Katholizismus

Historische Verbindungen beenden

Verbindungen zwischen mafiösen Strukturen und Katholizismus sollten laut eines Vatikan-Experten dauerhaft beendet werden. "Die Kirche muss die Menschheit begleiten, muss aber endlich ihre totale Opposition zur Mafia klarstellen".

Ein Auto der Carabinieri / © Angelo DAmico (shutterstock)
Ein Auto der Carabinieri / © Angelo DAmico ( shutterstock )

Das sagte der Leiter der vatikanischen "Arbeitsgruppe zur Exkommunikation der Mafias", Vittorio Alberti, am Mittwoch anlässlich einer Konferenz in Berlin. Die Kirche könne gegen Mafia und Korruption eine Vorkämpferin sein. Dazu müssten aus der kirchlichen Lehre, der Seelsorge und der kirchlichen Kultur entsprechende Instrumente zur Verfügung gestellt werden.

Vittorio Alberti, Leiter der vatikanischen Arbeitsgruppe zur Exkommunikation der Mafias / © Michael Kinnen (KNA)
Vittorio Alberti, Leiter der vatikanischen Arbeitsgruppe zur Exkommunikation der Mafias / © Michael Kinnen ( KNA )

Kampf gegen mafiöse Strukturen

Die Arbeitsgruppe um Alberti erarbeitet in der Vatikanbehörde für die ganzheitliche Entwicklung seit 2019 Perspektiven im Kampf gegen die Auswirkungen mafiöser Strukturen. Im Oktober 2021 übergab sie Papst Franziskus einen Bericht. Mafiöse Zusammenschlüsse, die mit Gewalt und Drohungen Unterwerfung und Stillschweigen hervorriefen, seien nicht auf Italien beschränkt. Dabei müssten die Probleme von Mafia und Korruption zusammen betrachtet werden.

Symbolbild Organisierte Kriminalität / © Leon Rafael (shutterstock)
Symbolbild Organisierte Kriminalität / © Leon Rafael ( shutterstock )

Historisch gesehen sei die religiöse Dimension der identitätsstiftende Faktor für die Prinzipien und Symbole, auf deren Grundlage sich die Mafia entwickelt habe, sagte Alberti. Er erinnerte an Initiationsrituale von Mitgliedern, die Anrufung von Heiligen oder Feste und Prozessionen, die manchmal von den Clans finanziert würden. Dabei gebe es auch Formen der Duldung durch einige Vertreter des Klerus. Daher seien Kenntnisse der "Mafia-Kultur" grundlegend.

Bisher weitgehend ignoriert 

Bischöfe müssten durch die kirchliche Lehre und das Kirchenrecht geschützt werden, um in ihrem Kampf gegen Mafiastrukturen nicht allein zu stehen, forderte Alberti. Er beklagte, dass das Thema in der Kirche bislang weitgehend ignoriert worden sei; es finde sichweder in kirchlichen Lehrdokumenten noch im Kirchenrecht. Dass Papst Franziskus von der Exkommunikation der Mafiosi gesprochen habe, sei eine historische Chance.

Alberti äußerte sich in einer Videobotschaft anlässlich einer internationalen Konferenz in Berlin zum kirchlichen Handeln angesichts von organisierter Kriminalität. Bei der von der Deutschen Kommission Justitia et Pax (übersetzt: Gerechtigkeit und Frieden) organisierten Konferenz diskutieren bis Freitag etwa 40 Expertinnen und Experten Perspektiven aus Europa sowie Mittel- und Südamerika.

Deutsche Kommission Justitia et Pax

Die Deutsche Kommission Justitia et Pax (Gerechtigkeit und Frieden) wurde 1967 gegründet und versteht sich als Forum der katholischen Einrichtungen und Organisationen, die im Bereich der internationalen Verantwortung der Kirche in Deutschland tätig sind. Justitia et Pax ist deren gemeinsame Stimme in Gesellschaft und Politik und damit Akteurin des politischen Dialogs. Darüber hinaus ist die Deutsche Kommission Bestandteil eines weltweiten Netzwerkes nationaler und regionaler Justitia-et-Pax-Kommissionen.. (Justitia et Pax)

Justitia steht für Gerechtigkeit  / © Daniel Reinhardt (dpa)
Justitia steht für Gerechtigkeit / © Daniel Reinhardt ( dpa )
Quelle:
KNA