Experte bilanziert Trauerfeierlichkeiten für Queen Elizabeth

"Ihre Inspirationen aus dem Glauben"

Milliarden Menschen haben die Trauerfeierlichkeiten für Queen Elizabeth II. in England mitverfolgt. DOMRADIO.DE-Königshausexperte Helmut Pathe blickt auf das "Jahrhundertereignis" und schildert den für ihn emotionalsten Augenblick.

Der Sarg von Königin Elizabeth II. wird in einer feierlichen Prozession auf einer Lafette durch die Straßen Londons gezogen / © Christian Charisius (dpa)
Der Sarg von Königin Elizabeth II. wird in einer feierlichen Prozession auf einer Lafette durch die Straßen Londons gezogen / © Christian Charisius ( dpa )

DOMRADIO.DE: Mit welchen Gefühlen haben Sie die Trauerfeierlichkeiten an diesem Montag mitverfolgt?

Helmut Pathe (privat)

Helmut Pathe (DOMRADIO.DE-Königshausexperte): Es ist schon ein trauriger Anlass, der mich jetzt den ganzen Tag vor dem Fernseher festgehalten hat. Es ist auch eine Epoche mit dem Tod von Queen Elizabeth II. zu Ende gegangen. Sie war eine Jahrhundert-Königin und das Entscheidende ist, dass alle immer nur von der Queen sprechen. Und jeder weiß, es handelt sich um Elizabeth II.

DOMRADIO.DE: Was war der für Sie emotionalste Moment?

Pathe: Am Morgen bei dem Gottesdienst in Westminster Abbey, wo noch einmal mit entsprechender musikalischer Untermalung "God save the Queen" gespielt wurde. Das war schon enorm. Also da konnte man schon das Taschentuch rausholen.

DOMRADIO.DE: Wie verliefen denn insgesamt die Trauerfeierlichkeiten?

Pathe: Der Gottesdienst in Westminster Abbey war liturgisch eigentlich sehr einfach. Es gab zwei Lesungen, eine hat die Generalsekretärin des Commonwealth gehalten und die zweite die neue Premierministerin Liz Truss. Sie hat aus dem Johannes-Evangelium vorgetragen. Dann gab es die Predigt des Erzbischofs von Canterbury, Justin Welby, der daran erinnert hat, dass die Queen ihre Inspirationen aus dem Glauben herausgenommen hat. Sie war ja wirklich sehr gläubig. In keiner Ansprache zu Weihnachten hat sie versäumt zu erwähnen, warum wir eigentlich Weihnachten feiern. Das fand ich auch immer schon sehr beeindruckend.

Der Sarg von Königin Elizabeth II. wird in einer Prozession in die Westminster Abbey zum Staatsakt vor der Beisetzung von Königin Elizabeth II. gebracht / © Christian Charisius (dpa)
Der Sarg von Königin Elizabeth II. wird in einer Prozession in die Westminster Abbey zum Staatsakt vor der Beisetzung von Königin Elizabeth II. gebracht / © Christian Charisius ( dpa )

Natürlich verlief alles streng nach Protokoll: Der Sarg wurde wieder auf diese Lafette gelegt und dann am Wellington Arch vorbei auf einen Leichenwagen gehoben. Diesmal war es kein Mercedes, sondern ein Jaguar. Das ist sicher auch einigen aufgefallen. Und dann bewegte sich die Prozession übers Land nach Windsor, was man ausdrücklich geändert hatte, gegenüber den vorigen Plänen. Am Straßenrand standen nämlich so viele Leute, da wäre die Route über die Autobahn gar nicht möglich gewesen. Und von daher muss ich sagen, hat das Protokoll richtig reagiert. Das Ganze wurde dadurch nur ein bisschen hinausgezögert.

DOMRADIO.DE: Der Leichenwagen kam dann relativ pünktlich in Windsor Castle an. Wie war der weitere Verlauf?

Zwei Beisetzungen der Queen in Windsor

Queen Elizabeth II. wird am Montag zwei Mal beigesetzt. Nach einem Gottesdienst am Nachmittag in der St.-Georges-Kapelle auf Schloss Windsor wird die Monarchin in der königlichen Gruft an die Seite ihres Ehemanns Prinz Philip gebettet, der am 9. April 2021 mit 99 Jahren gestorben war. Dort bleibt ihr Sarg aber nur für kurze Zeit. Denn am Abend wird das Paar, das 73 Jahre lang verheiratet war, in einer privaten Zeremonie wieder umgebettet. Die letzte Ruhestätte finden Elizabeth und Philip in der kleinen King-George-VI.-Gedenkkapelle, einer Seitenkapelle.

Der in die königliche Standarte gehüllte Sarg von Königin Elizabeth II. / © Daniel Leal (dpa)
Der in die königliche Standarte gehüllte Sarg von Königin Elizabeth II. / © Daniel Leal ( dpa )

Pathe: Der Sarg wurde dann die Stufen hinaufgetragen und die Prozession zog mit dem Sarg, getragen von acht Soldaten, zum Altar. Der Sarg ist ja furchtbar schwer, weil er teilweise aus Blei besteht. Dahinter liefen die Mitglieder der Königsfamilie, also King Charles III. und seine Frau Camilla und die anderen. Wobei man zu den anderen ja sagen muss, sie durften ihre Militäruniformen anziehen. Nur zwei Mitglieder der Königsfamilie eben nicht. Andrew, der in Misskredit geraten ist und Harry. Dabei sind das die einzigen, die ja wirklich schon in Kriegen für Großbritannien gedient haben und die durften ihre Uniform nicht anziehen. In Windsor Castle, in der schottischen St George's Kapelle waren dann 800 Ehrengäste. Königliche Häupter hat man gesehen, aber auch Prominente, wie zum Beispiel den früheren Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart. Der ist gut mit Prinzessin Anne befreundet und hat von daher wahrscheinlich die Einladung bekommen.

DOMRADIO.DE: Wen haben Sie denn noch an geladenen Gästen erblickt?

Pathe: Der Fürst von Monaco war da. Und wenn ich das richtig gesehen habe, hat er seine Charlène mitgebracht. Da wird ja immer so ein bisschen drumherum gemunkelt. Dann war natürlich die Königin von Dänemark da, die ja sehr gut mit Elizabeth II. befreundet war. Es ist ja bekannt, dass sie immer noch eine starke Raucherin ist. Sie ist inzwischen auch über 80 Jahre alt. Ich vermute, dass das erste, was sie gemacht hat, als die Trauerfeier zu Ende war, sich eine Zigarette angesteckt hat. Aber das ist jetzt nur eine Vermutung. Gesehen habe ich es nicht.

Dann waren natürlich die Schweden da. Prinz Wilhelm Alexander aus Holland mit seiner Frau und seiner Mutter, Prinzessin Beatrix. Etliche andere gekrönte Häupter waren eben auch da, sodass man das Ganze wirklich als Jahrhundertereignis bezeichnen kann. Ersten Schätzungen zufolge haben 4 Milliarden Menschen das Ganze am Fernsehen verfolgt. Die großen deutschen Fernsehsender ARD, ZDF und auch RTL haben das Ereignis den ganzen Tag übertragen.

Das Interview führte Elena Hong.

 

Quelle:
DR
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