DOMRADIO.DE: Wie haben Sie sich in Düsseldorf mit all den Jecken gefühlt?
Thorsten Latzel (Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland): Als Protestant aus Wittgenstein ist mir das nicht gerade in die Wiege gelegt worden, aber es war eine beeindruckende Erfahrung. Man merkt, Humor ist eine schöne Gottesgabe, und damit hat der liebe Herrgott wirklich die Rheinländer sehr gut gesegnet. Es war wunderschön, auf dem Wagen zu stehen. Man spürte ein Toleranzgefühl: Die unterschiedlichen Religionen waren auf einem Wagen vereint, Buddhisten, Muslime, Protestanten, Katholiken zusammen. Ganz viele Menschen haben gemeinsam gefeiert, es gab gute Musik, das war toll.
DOMRADIO.DE: Sie sind auf dem Toleranzwagen mitgefahren und haben vorher gesagt, das gemeinsame Feiern der Religion sei ein starkes und wichtiges Signal. Welches Signal haben Sie vom Toleranzwagen aus in Düsseldorf senden können?
Latzel: Wir leben in einer Zeit, in der wir häufig die Unterschiede zwischen uns betonen. Aber es ist wichtig, die Gemeinschaft zu haben und über Grenzen hinweg zusammen feiern zu können. Sie müssen sich vorstellen, da fährt man trotz des schlechten Wetters gemeinsam durch, obwohl es nicht angenehm war. Wir feiern zusammen, tanzen zusammen. Das ist ein Signal in die Welt hinaus: Wir stehen für eine Gesellschaft, in der man ohne Angst verschieden sein kann. Dafür stehen wir aus unserem Glauben, aus unterschiedlichen Traditionen, und das brauchen wir.
DOMRADIO.DE: Gestaltet hat den Toleranzwagen der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly, der wegen seiner kritischen Putin-Mottowagen inzwischen in Russland angeklagt ist. Er hat auch beim Rosenmontagsumzug in Düsseldorf wieder einen Wagen in eigener Sache gestaltet und ist mitgefahren. War das Thema auf dem Wagen? Wie haben Sie das diskutiert?
Latzel: Diskussionen hatten wir weniger, weil die Musik laut war und wir Kamelle schmeißen mussten. Aber natürlich ist es ein wichtiges Thema. Es spricht für sich, dass Autokraten und Diktatoren das nicht leiden können. Genau deswegen brauchen wir diesen Karneval. Das ist urdemokratisch, dass man die Mächtigen kritisiert, die Welt ein bisschen auf den Kopf stellt. Dass jetzt selbst in Köln eine Wertschätzung für den Düsseldorfer Karneval entsteht, ist doch ebenfalls ein Ausdruck davon. Alle Jecken stehen zusammen und das ist genauso, wie es sein soll.
Das Interview führte Carsten Döpp.