Schuster kritisiert Corona-Verschwörungstheorien

"Es tritt gerade ein, was ich seit Wochen befürchte"

Der Zentralrat der Juden kritisiert mit Blick auf die Corona-Krise Verschwörungstheorien und sogenannte Hygiene-Demonstrationen. Das Auschwitz Komitee nimmt derweil Anstoß am jüngsten Aufruf katholischer Geistlicher um Kardinal Müller.

Josef Schuster / © Paul Zinken (dpa)
Josef Schuster / © Paul Zinken ( dpa )

"Es tritt gerade ein, was ich seit Wochen befürchte", sagte Zentralrats-Präsident Josef Schuster in Berlin. Rechtsradikale nutzten die durch die Corona-Krise entstandenen Ängste, um antisemitische Verschwörungsmythen und ihr radikales Weltbild zu verbreiten - "im Internet aber auch auf sogenannten Hygiene-Demos".

Schuster betonte, wer an einer Demo gegen die Grundrechts-Einschränkungen teilnehme, müsse sich bewusst machen, an wessen Seite er demonstriert und welche Aussagen dort verbreitet werden.

Wörtlich sagte er: "Mit Antisemiten und Rechtsradikalen darf man sich nicht gemein machen." Gegen die derzeitigen Maßnahmen mit Symbolen zu demonstrieren, die an den Holocaust erinnern, sei geschmacklos und verhöhne die Opfer der Schoah.

Auschwitz Komitee kritisiert Aufruf katholischer Geistlicher

Das Internationale Auschwitz Komitee hat einen am Wochenende verbreiteten Aufruf von katholischen Geistlichen zur Coronavirus-Pandemie scharf verurteilt. Wenn sich jetzt auch noch Bischöfe der katholischen Kirche angesichts der Corona-Krise der rechtsextremen und antidemokratischen Verschwörungshysterie annähern, sei dies ein fatales Signal für den demokratischen Zusammenhalt der Gesellschaften in Europa, erklärte Komitee-Vizepräsident Christoph Heubner in Berlin.

In dem in mehreren Sprachen veröffentlichten Aufruf warnen einige katholischen Bischöfe, unter ihnen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der frühere Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, vor der Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entziehe. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz distanzierte sich von dem Schreiben.

Holocaust-Überlebende sind fassungslos

Die zunehmende Propagierung antisemitischer Verschwörungstheorien in den Debatten um die Corona-Pandemie ließen Überlebende des Holocaust nur noch fassungslos zurück, erklärte Heubner. Dass auch in dieser Krisensituation Holocaust-Leugner und Antisemiten die Gelegenheit nutzten, ihre giftigen Lügen in der Gesellschaft zu verteilen und ihre perfiden Verschwörungstheorien mit den Ängsten der Menschen zu verbinden, sei nicht anders zu erwarten gewesen.

Aber für Holocaust-Überlebende sei es ein unwürdiger und unerträglicher Zustand, wenn Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die bei Demonstrationen ihre berechtigten kritischen Anfragen an Regierungen und Parteien auf die Straße tragen, dies gemeinsam mit Holocaust-Leugnern und Antisemiten tun.

Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau / © Rolf E. Staerk (shutterstock)
Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau / © Rolf E. Staerk ( shutterstock )
Quelle:
KNA , epd
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