Erzbistum Köln unterstützt Christen im Libanon

Leben im Schatten des Krieges

Christen im Libanon leiden unter den Folgen des Krieges. Zerstörung, Flucht und Angst prägen den Alltag. Die Kirche hilft Vertriebenen, doch die Not wächst. Forderungen nach humanitärer Hilfe und einem Waffenstillstand werden lauter.

Autor/in:
Hilde Regeniter
Nach schweren israelischen Luftangriffen auf einen südlichen Vorort von Beirut, einer Bastion der pro-iranischen Hisbollah, wird einem älteren Menschen geholfen, durch die Trümmer zu gehen / © Marwan Naamani (dpa)
Nach schweren israelischen Luftangriffen auf einen südlichen Vorort von Beirut, einer Bastion der pro-iranischen Hisbollah, wird einem älteren Menschen geholfen, durch die Trümmer zu gehen / © Marwan Naamani ( dpa )

DOMRADIO.DE: "Das ist nicht unser Krieg", sagen Christinnen und Christen im Libanon. Den Preis des Krieges zahlen sie aber dennoch. Inwiefern?

Dr. Angelika Schmähling (Referat Weltkirche im Erzbistum Köln): Den Preis für den Krieg zahlen natürlich alle Menschen. Anscheinend hat die israelische Armee den Plan, im Süden des Libanons eine Pufferzone zu errichten. Und diese Pufferszone soll weitgehend menschenleer sein. 

Ich war im Dezember 2025 dort und habe schon gesehen, was der letzte Krieg an Zerstörungen angerichtet hatte. Dort sind ganze Straßenzüge zerstört, auch die Häuser von Christinnen und Christen. Ich habe zwei Kirchen gesehen, von denen nur noch die Außenmauern standen. Die israelische Armee hatte bei ihrem Abzug begonnen, Strommasten zu kapen und Bäume zu fällen. Also das heißt, die Gegend nicht mehr lebenswert zu machen.

Angelika Schmähling

"Man geht davon aus, dass eine Million Menschen auf der Flucht sind. Das ist etwa ein Fünftel der Bevölkerung."

DOMRADIO.DE: Die Kirche vor Ort kümmert sich aktuell um Vertriebene und Betroffene des Konflikts und stößt dabei an ihre Grenzen. Was wissen Sie darüber?

Libanon, Beirut: Ein Mann steht vor einem Gebäude, das von israelischen Luftangriffen getroffen wurde, im Zentrum der Stadt / © Hussein Malla/AP (dpa)
Libanon, Beirut: Ein Mann steht vor einem Gebäude, das von israelischen Luftangriffen getroffen wurde, im Zentrum der Stadt / © Hussein Malla/AP ( dpa )

Schmähling: Das Problem ist das unglaubliche Ausmaß. Man geht davon aus, dass eine Million Menschen auf der Flucht sind. Das ist etwa ein Fünftel der Bevölkerung. Die benötigt unbedingt Nahrung und Obdach. Es gibt aber auch die, die immer noch vor Ort verharren. Die große Sorge ist, dass sie dann von der Versorgung abgeschnitten werden.

Angelika Schmähling

"Israelische Politiker haben bereits angedroht, den Südlibanon zu besetzen. Sie haben es mit Gaza verglichen."

DOMRADIO.DE: Was wissen Sie über Ihre Partner vor Ort? Wie prekär ist die Situation der Menschen aktuell? Was brauchen sie jetzt am dringendsten?

Schmähling: Die Menschen auf der Flucht brauchen erst einmal materielle Hilfe wie Lebensmittel und Notunterkünfte. Aber das Schlimmste für die Menschen ist die riesengroße Angst. Israelische Politiker haben bereits angedroht, den Südlibanon zu besetzen. Sie haben es mit Gaza verglichen. Das würde zu einer absoluten humanitären Katastrophe führen. Das Allerwichtigste wäre jetzt ein Waffenstillstand zwischen der Hisbollah und der israelischen Armee.

Libanon, Beirut: Pendler passieren den Ort eines israelischen Drohnenangriffs an der Strandpromenade im Zentrum der Stadt / © Marwan Naamani (dpa)
Libanon, Beirut: Pendler passieren den Ort eines israelischen Drohnenangriffs an der Strandpromenade im Zentrum der Stadt / © Marwan Naamani ( dpa )

DOMRADIO.DE: Das Erzbistum Köln hat 110.000 Euro Soforthilfe für den Libanon bereitgestellt. Wohin geht das Geld genau? 

Schmähling: Wir fördern damit eine libanesische Hilfsorganisation päpstlichen Rechts. Die packen Lebensmittelpakete oder geben Gutscheine für Medikamente oder Hygienematerial aus. Damit fördern sie einerseits die Geflüchteten, aber auch die Menschen, die vor Ort verharren. Die Hilfe geht sowohl an Christen als auch an Muslime, die bei Christen Unterschlupf gefunden haben.

Dr. Angelika Schmähling

"Wir können auch beten. Das ist ein bedeutendes Zeichen der Solidarität."

DOMRADIO.DE: Wie können deutsche Christinnen und Christen die Menschen im Libanon im Moment noch unterstützen?

Schmähling: Wir können selbstverständlich spenden, zum Beispiel für Caritas International. Dort geht es nicht nur um die direkte Hilfe, sondern auch um eine langfristige Unterstützung, die nötig sein wird. Ganz wichtig ist aber: Wir können auch beten. Das ist ein bedeutendes Zeichen der Solidarität.

Dieses Interview führte Hilde Regeniter.

Libanon

Der Libanon ist geprägt durch das Nebeneinander zahlreicher Religionen. Mit etwa 30 Prozent hat die parlamentarische Demokratie den größten Anteil Christen in der Arabischen Welt. Die Muslime - Sunniten und Schiiten - machen inzwischen wohl mehr als 60 Prozent aus. Offiziell anerkannt sind 18 Religionsgemeinschaften, darunter die Minderheiten der Drusen und Alaviten.

Symbolbild: Flagge des Libanon / © Yulia Grigoryeva (shutterstock)
Symbolbild: Flagge des Libanon / © Yulia Grigoryeva ( shutterstock )
Quelle:
DR

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