DOMRADIO.DE: "Das ist nicht unser Krieg", sagen Christinnen und Christen im Libanon. Den Preis des Krieges zahlen sie aber dennoch. Inwiefern?
Dr. Angelika Schmähling (Referat Weltkirche im Erzbistum Köln): Den Preis für den Krieg zahlen natürlich alle Menschen. Anscheinend hat die israelische Armee den Plan, im Süden des Libanons eine Pufferzone zu errichten. Und diese Pufferszone soll weitgehend menschenleer sein.
Ich war im Dezember 2025 dort und habe schon gesehen, was der letzte Krieg an Zerstörungen angerichtet hatte. Dort sind ganze Straßenzüge zerstört, auch die Häuser von Christinnen und Christen. Ich habe zwei Kirchen gesehen, von denen nur noch die Außenmauern standen. Die israelische Armee hatte bei ihrem Abzug begonnen, Strommasten zu kapen und Bäume zu fällen. Also das heißt, die Gegend nicht mehr lebenswert zu machen.
DOMRADIO.DE: Die Kirche vor Ort kümmert sich aktuell um Vertriebene und Betroffene des Konflikts und stößt dabei an ihre Grenzen. Was wissen Sie darüber?
Schmähling: Das Problem ist das unglaubliche Ausmaß. Man geht davon aus, dass eine Million Menschen auf der Flucht sind. Das ist etwa ein Fünftel der Bevölkerung. Die benötigt unbedingt Nahrung und Obdach. Es gibt aber auch die, die immer noch vor Ort verharren. Die große Sorge ist, dass sie dann von der Versorgung abgeschnitten werden.
DOMRADIO.DE: Was wissen Sie über Ihre Partner vor Ort? Wie prekär ist die Situation der Menschen aktuell? Was brauchen sie jetzt am dringendsten?
Schmähling: Die Menschen auf der Flucht brauchen erst einmal materielle Hilfe wie Lebensmittel und Notunterkünfte. Aber das Schlimmste für die Menschen ist die riesengroße Angst. Israelische Politiker haben bereits angedroht, den Südlibanon zu besetzen. Sie haben es mit Gaza verglichen. Das würde zu einer absoluten humanitären Katastrophe führen. Das Allerwichtigste wäre jetzt ein Waffenstillstand zwischen der Hisbollah und der israelischen Armee.
DOMRADIO.DE: Das Erzbistum Köln hat 110.000 Euro Soforthilfe für den Libanon bereitgestellt. Wohin geht das Geld genau?
Schmähling: Wir fördern damit eine libanesische Hilfsorganisation päpstlichen Rechts. Die packen Lebensmittelpakete oder geben Gutscheine für Medikamente oder Hygienematerial aus. Damit fördern sie einerseits die Geflüchteten, aber auch die Menschen, die vor Ort verharren. Die Hilfe geht sowohl an Christen als auch an Muslime, die bei Christen Unterschlupf gefunden haben.
DOMRADIO.DE: Wie können deutsche Christinnen und Christen die Menschen im Libanon im Moment noch unterstützen?
Schmähling: Wir können selbstverständlich spenden, zum Beispiel für Caritas International. Dort geht es nicht nur um die direkte Hilfe, sondern auch um eine langfristige Unterstützung, die nötig sein wird. Ganz wichtig ist aber: Wir können auch beten. Das ist ein bedeutendes Zeichen der Solidarität.
Dieses Interview führte Hilde Regeniter.