Erzbischof Schick beklagt Folgen falscher Entwicklungshilfe

Unterdrückte Eigenständigkeit

Die befürchtete Lebensmittelkrise in Afrika infolge des Ukraine-Kriegs ist laut Erzbischof Ludwig Schick eine Spätfolge von falscher Entwicklungspolitik. Die Eigenständigkeit afrikanischer Länder sei verhindert worden, beklagt er.

Symbolbild Hunger in Afrika / © Riccardo Mayer (shutterstock)
Symbolbild Hunger in Afrika / © Riccardo Mayer ( shutterstock )

"Diese Situation macht auch darauf aufmerksam, dass viele Staaten Afrikas bezüglich der Lebensmittelproduktion von Europa abhängig sind", sagte Schick dem "Fränkischen Tag" (Donnerstag).

Erzbischof Ludwig Schick / © Harald Oppitz (KNA)
Erzbischof Ludwig Schick / © Harald Oppitz ( KNA )

Während im Kolonialismus die Länder Afrikas ausgebeutet worden seien, blieben sie auch nach ihrer Unabhängigkeit durch Armut in der Abhängigkeit, so der Erzbischof auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Eigene Interessen gewahrt

Die ehemaligen Kolonialmächte hätten zwar Entwicklung und Entwicklungshilfe versprochen. Dabei seien auch immer die eigenen Interessen gewahrt worden. So seien Rohstoffe und Mineralien aus den afrikanischen Staaten nach Europa gebracht und dann dort verarbeitet worden, um als Endprodukte nach Afrika zurückgeführt zu werden, oft als Zahlung für die importierten Rohstoffe.

Dürre bedroht viele Ernten / © Arno Burgi (dpa)
Dürre bedroht viele Ernten / © Arno Burgi ( dpa )

Als Beispiele nannte Schick Autos, Maschinen jeder Art, High-Tech und Medikamente, aber auch landwirtschaftliche Produkte.

Eigenständigkeit verhindert

Durch Subventionen in Europa sei die Landwirtschaft gestärkt, die Überproduktion als Entwicklungshilfe nach Afrika gebracht worden, erklärte der Erzbischof, der 15 Jahre lang der deutsche Weltkirche-Bischof war. So sei die Eigenständigkeit im Ackerbau und in der Viehzucht in Afrika bewusst oder unbewusst verhindert worden.

"Wenn heute viele Länder Afrikas auf den Nahrungsmittelimport aus Europa weitgehend angewiesen sind, dann ist das eine Spätfolge des Kolonialismus und einer fehlgeleiteten Entwicklungshilfe und Entwicklungspolitik." Diese sei nicht auf Eigenständigkeit, "Empowerment", ausgerichtet gewesen.

Kommission Weltkirche

Die Kommission Weltkirche (Kommission X) pflegt die internationalen Kontakte der Deutschen Bischofskonferenz, wobei das Hauptaugenmerk auf der Zusammenarbeit mit anderen (kontinentalen, regionalen und nationalen) Bischofskonferenzen liegt.

Ordensfrau vor der Kirche Sainte-Anne de Kassai in Bangui (Zentralafrikanische Republik) / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Ordensfrau vor der Kirche Sainte-Anne de Kassai in Bangui (Zentralafrikanische Republik) / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )
Quelle:
KNA