Bischof Meier warnt vor steigender Gewalt wegen Hunger

"Hunger-Unruhen werden in politische Revolten münden"

Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat den weltweiten Hunger verurteilt. Dass 923 Millionen Menschen hungerten, sei "das Resultat ungerechter Verteilung der Güter, die Gott für alle Menschen geschaffen hat", so Meier.

Symbolbild Hunger / © Riccardo Mayer (shutterstock)

Meier äußerte sich laut seiner Pressestelle am Sonntag  bei der Eröffnung der Fastenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor auf Bistumsebene im oberbayerischen Tutzing. 

Bertram Meier / © Dieter Mayr (KNA)
Bertram Meier / © Dieter Mayr ( KNA )

Meier, der auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ist, ergänzte: "Hunger-Unruhen werden in politische Revolten münden, nicht weil die Menschen gewaltbereit wären, sondern weil sie keine Hoffnung mehr sehen."

Eine Frage der Möglichkeiten

Meier betonte: "Hunger ist nicht in erster Linie eine Frage der ausreichenden Erzeugung von Nahrungsmitteln, sondern eine Frage der Möglichkeiten der Menschen, Nahrungsmittel zu kaufen oder selbst zu erzeugen."

Vielen Menschen werde der Zugang zu Land, Wasser, Weide versperrt. "Andere verlieren ihre Ressourcen, weil die Böden unfruchtbar und die Quellen versiegt sind, weil Pflanzen und Tierarten verschwinden, weil den Bauern traditionelle Nutzungsrechte und lokale Märkte vorenthalten werden."

"Unser Brot gib uns"

Der Bischof fügte an: "Eigentlich ist es unter unserem Niveau, wenn wir nur an den eigenen Hunger denken und auf Kosten anderer zuschnappen." Essen sei mehr als die Nahrungsaufnahme des Einzelnen. "Es ist ein gemeinsames Geschehen und stiftet Gemeinschaft", so Meier.

Bischof Bertram Meier

"Nicht umsonst heißt es im Vaterunser nicht 'Mein Brot gib mir', sondern 'Unser Brot gib uns'".

Weltkirchlich unterwegs sein

Weiter mahnte Meier: "Es kann doch nicht sein, dass in der Kirche wie in der Gesellschaft die Notleidenden und die Zuschauer der Not einfach nur auf ihren Plätzen bleiben und dass sich nichts ändert." Die "Eine-Welt-Kirche" dürfe nicht einfach nur ein Spiegel sein für die sozialen Gegensätze unserer Welt. "Sonst leistet sie gedankenlos denen Vorschub, die Religion und Kirche sowieso nur als Überhöhung bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse verstehen", sagte der Bischof.

Meier kritisierte in diesem Zusammenhang auch das Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland, den Synodalen Weg. "Katholisch sein heißt für mich weltkirchlich unterwegs zu sein." Daher sei zu beanstanden, dass Themen wie Schöpfungsbewahrung, Klimagerechtigkeit und Ökumene beim Synodalen Weg keinen Platz hätten.

Bischöfliches Hilfswerk Misereor

Misereor ist das weltweit größte kirchliche Entwicklungshilfswerk. Es wurde 1958 von den katholischen Bischöfen in Deutschland auf Vorschlag des damaligen Kölner Kardinals Josef Frings als Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt gegründet.

Der Name bezieht sich auf das im Markus-Evangelium überlieferte Jesuswort "Misereor super turbam" (Ich erbarme mich des Volkes). Sitz des Hilfswerks ist Aachen.

Logo des Bischöflichen Hilfswerks Misereor in einem Schaufenster / © Julia Steinbrecht (KNA)
Logo des Bischöflichen Hilfswerks Misereor in einem Schaufenster / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA