Erzbischof Koch bedauert Rückgang von konstruktiven Diskussionen

"Viele Meinungen wie in Stein gemeißelt"

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch fordert mehr Bereitschaft, eigene Überzeugungen und Meinungen zu überdenken. "Wer meint, er sei fertig, wer glaubt, er wisse schon alles, der wird starr", sagte Koch am Samstag im RBB-Hörfunk 88,8.

Erzbischof Heiner Koch / © Julia Steinbrecht (KNA)
Erzbischof Heiner Koch / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Weiter sagte Koch: "Der hört auf, sich zu entwickeln. Wer aber lernt, der bleibt wach, der bleibt lebendig und neugierig." Leider erlebe er oft, dass Meinungen bereits wie in Stein gemeißelt sind, Personen ihre Sicht für die einzig wahre halten und sich jeder neuen Sichtweise verweigern, kritisierte Koch. 

Das gelte auch für die Kirche oder bei Glaubensthemen: "Dann werden auch schnell mal Fakten ignoriert und die gefühlte Wahrheit wird zur einzigen Wahrheit. Wenn man sachlich nicht derselben Meinung ist, wird es direkt persönlich genommen."

Echte Debatten immer seltener

Die Fähigkeit, konstruktiv miteinander zu diskutieren oder andere Meinungen zu akzeptieren, gehe nach seiner Beobachtung immer mehr verloren, sagte Koch. Echte, sachliche Debatten, würden immer seltener. Dabei liege doch genau darin eine riesige Chance: "Ich wünsche mir, dass sich wieder mehr Menschen als lebenslang Lernende verstehen, wir wieder mehr miteinander diskutieren, ohne uns zu trennen. Wieder mehr auf Augenhöhe miteinander reden."

Erzbistum Berlin

Das Erzbistum Berlin umfasst das Land Berlin, den größten Teil Brandenburgs sowie Vorpommern und einen kleinen Teil Sachsen-Anhalts. In seinen Kirchengemeinden leben rund 350.000 Katholiken. In seiner jetzigen Form wurde das Erzbistum 1994 errichtet. 

Die historischen Wurzeln der Erzdiözese reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück. Die alten Bistümer Brandenburg, Havelberg, Kammin und Lebus gingen während der Reformation unter; erst im 18. Jahrhundert gab es wieder eine nennenswerte katholische Minderheit in der Region. 

Hedwigskathedrale / © Kristian Barthen (KNA)
Hedwigskathedrale / © Kristian Barthen ( KNA )
Quelle:
epd