Erzbischof Gallagher rechnet mit neuem China-Abkommen

Noch nichts entschieden

Die Ergebnisse des umstrittenen Vatikan-Abkommens mit der Volksrepublik China sind laut Erzbischof Paul Gallagher "nicht besonders beeindruckend". Dennoch rechnet er mit einer Verlängerung der Vereinbarung im Herbst diesen Jahres.

Erzbischof Paul Richard Gallagher / © Paolo Galosi/Romano Siciliani (KNA)
Erzbischof Paul Richard Gallagher / © Paolo Galosi/Romano Siciliani ( KNA )

"Das Abkommen könnte mehr bewirken, aber wir hatten Covid, und die Delegationen konnten sich in den letzten Jahren nicht treffen. Daran arbeiten wir jetzt, und wir versuchen, das Abkommen voranzubringen und es zu verbessern", sagte der Außenbeauftragte des Vatikan, Erzbischof Paul Gallagher dem "America Magazine" (Dienstagabend).

Das Abkommen von 2018 wurde im Herbst 2020 erneuert. Sein genauer Inhalt ist nicht bekannt.

Chinesische Fahnen werden hinter Papst Franziskus geschwenkt / © Paul Haring/CNS Photo (KNA)
Chinesische Fahnen werden hinter Papst Franziskus geschwenkt / © Paul Haring/CNS Photo ( KNA )

Es habe sechs Bischofsernennungen gegeben und einige seien in Vorbereitung, sagte Gallagher weiter. Auch habe es Diskussionen gegeben, etwa hinsichtlich des Amtes, aber noch keine Entscheidungen, so Gallagher.

Da der Text nicht final sei, habe man sich frühzeitig entschlossen, ihn nicht zu veröffentlichen. Ob das Abkommen im Herbst erneut für zwei Jahre verlängert werde, müsse noch ausgehandelt werden. Er rechne damit.

Kirche in China
Kirche in China

Festnahme eines Kardinals

Die temporäre Festnahme von Kardinal Joseph Zen Ze-kiun in Hongkong habe den Vatikan sehr überrascht und besorgt. Der Vatikan verteidige die Religionsfreiheit weltweit, bekräftigte Gallagher.

Zen, prominenter Kritiker der chinesischen Regierung, war im Mai von der Nationalen Sicherheitspolizei zeitweise festgesetzt worden. Offenbar wurden auch seine Dokumente eingezogen, so dass er nicht zur Kardinalsversammlung Ende August nach Rom reisen kann.

Papst Franziskus hatte jüngst betont, er hoffe auf eine Erneuerung des China-Abkommens. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters räumte er ein, dass eine abgestimmte Ernennung von Bischöfen in China nur langsam vorangehe. Das liege auch an Abstimmungsproblemen in China. "Aber die Vereinbarung ist gut, und ich hoffe, dass sie im Oktober verlängert werden kann", so Franziskus.

Parolin führe Dialoge

Der entscheidende Verhandler mit Peking sei Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, betonte der Papst, "ein Mann mit hohem diplomatischem Ansehen". Parolin wisse, wie man sich in China bewege und führe die Dialoge.

 Pietro Parolin
 / © Gordon Welters (KNA)
Pietro Parolin / © Gordon Welters ( KNA )

Das im Oktober 2018 in Kraft getretene vorläufige Abkommen wurde 2020 erstmals um weitere zwei Jahre verlängert. Die Frist läuft im Herbst aus.

Die Vereinbarung, deren Wortlaut unter Verschluss gehalten wird, steht in der Kritik, weil sie das Leben katholischer Christen in der Volksrepublik nicht verbessere. Zudem würden Angehörige der nicht von Peking beherrschten sogenannten Untergrundkirche weiter ins Abseits gedrängt.

Zahlen zu Religion und katholischer Kirche in China

Das kommunistisch regierte Riesenland China ist multireligiös. Laut dem China-Zentrum in Sankt Augustin bei Bonn sind seine fünf offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften der Buddhismus, Daoismus, Islam, Protestantismus und Katholizismus. Von den 1,4 Milliarden Chinesen sind rund 185 Millionen Buddhisten, etwa 23 Millionen zählen sich zum Islam, zum Protestantismus ca. 38 bis 60 Millionen; ca. 10 Millionen sind Katholiken. Die Zahl der Anhänger des Daoismus ist nicht feststellbar.

Zwei junge Männer, ein Seminarist und ein Sängerknabe, sitzen auf Stühlen während einer Messe am 13. Januar 2019 in der Kirche Xishiku in Peking. / © Gilles Sabrie (KNA)
Zwei junge Männer, ein Seminarist und ein Sängerknabe, sitzen auf Stühlen während einer Messe am 13. Januar 2019 in der Kirche Xishiku in Peking. / © Gilles Sabrie ( KNA )
Quelle:
KNA