DOMRADIO.DE: Wie sieht denn Ihre Bilanz des Katholikentages aus?
Udo Markus Bentz (Erzbischof von Paderborn): Es war ein kalter und nasser Katholikentag, aber zugleich sehr herzlich und fröhlich. Die Menschen haben sich nicht unterkriegen lassen und ich habe die Stadt als ganz lebendig erlebt. Der Katholikentag hat die Stadt erfüllt und es war ein großes Familienfest.
Man ist sich begegnet, es gab viele Möglichkeiten, einander unterwegs zu treffen, auf dem Weg von einem Veranstaltungsort zum anderen. Ich nehme viel positive Stimmung wahr, aber natürlich auch sehr ernste Themen, die auf den Foren diskutiert wurden. Aber diese Mischung macht es aus: Begegnung, Glauben feiern und die wichtigen gesellschaftlichen Fragen miteinander diskutieren.
DOMRADIO.DE: Im Mai 2028 sind Sie der Gastgeber des nächsten Katholikentages: Wollten Sie unbedingt oder mussten Sie überredet werden?
Bentz: Nein, überredet werden musste ich nicht, sondern ich habe mich gefreut, als die Anfrage kam, denn bei uns gab es noch nie einen Katholikentag. Wir wollten ihn gerne nach Paderborn holen und ich habe auch vom Bistum selbst die Signale bekommen, dass das realistisch ist. Da ich schon viele Katholikentage sehr positiv erlebt habe, freue ich mich natürlich, den nächsten mitgestalten zu können. Die Energie, die jetzt schon in Paderborn spürbar ist, macht mich auch zuversichtlich, dass wir das richtig gut wuppen werden.
DOMRADIO.DE: Wie kann es denn eigentlich sein, dass in der ganzen Geschichte der Katholikentage noch nie einer in Ostwestfalen stattgefunden hat?
Bentz: Ich kann es auch nicht erklären, es ist einfach so.
DOMRADIO.DE: Feiern können Sie ja, das zeigen Sie jedes Jahr beim Libori-Fest. Wie organisieren Sie das denn, wenn im Mai 2028 bei Ihnen der Katholikentag stattfinden wird und zwei Monate später Libori - feiern Sie einfach durch?
Bentz: Libori hat seine feste Zeit, das ist immer die letzte Juli-Woche und Anfang August. Das steht, das ist heilig, das wird auch 2028 so sein. Gleichzeitig feiern die Ostwestfalen sehr gerne. Das habe ich auch in den zwei Jahren, die ich im Bistum bin, immer wieder erlebt. Dann können wir zweimal feiern und es wird bestimmt ein großes Fest.
Wir schauen jetzt sehr genau hin: Was passiert hier in Würzburg? Ich habe schon im Scherz gesagt, ich bin in diesen Tagen in Würzburg ein "Katholikentags-Praktikant": Ich versuche zu lernen, wie ein Katholikentag organisatorisch und administrativ funktioniert. Ich gehe durch die Stadt, schaue mir alles an und denke ständig: "Ja, und wie könnten wir das in Paderborn machen?" So ergeht es auch meinen Leuten aus der Bistumsleitung, vom Delegationsteam. Wir überlegen die ganze Zeit: "Wie können wir es schaffen, dass es so schön wird, wie es hier in Würzburg ist?"
DOMRADIO.DE: Haben Sie denn keine Sorge, dass sich zwei solche Großereignisse gegenseitig konkurrieren?
Bentz: Das ergänzt sich und ich erhoffe mir auch vom Katholikentag für unser eigenes Bistum einen sehr starken Input. Wir sind in schwierigen, herausfordernden Transformationsprozessen und haben viele Fragen. Wie geht Kirche, Seelsorge und Pastoral in der Zukunft mit all diesen Veränderungen um? Durch das Gespräch des Katholikentages inspiriert zu werden und durch ein gemeinsames Projekt im Bistum das "Wir" stark zu machen, das ist gut. Libori ist ein Stück Identifikationsfaktor. Der Katholikentag wird bestimmt dazu beitragen, dieses "Wir" zu stärken.
DOMRADIO.DE: Früher hieß es mal: "Schwarz, schwärzer, Paderborn". Ist es vielleicht auch eine Chance, die Kluft zwischen konservativen und progressiven Katholiken zu überwinden?
Bentz: "Schwarz, schwärzer, Paderborn" habe ich, seit ich in Paderborn bin, so nicht erlebt, sondern ich erlebe ein Bistum, das sehr plural ist, auch in seinen unterschiedlichen seelsorglichen Regionen. Vom Ruhrgebiet über das Sauerland bis in die Diasporagebiete des Lippischen Landes ist unser Bistum sehr bunt.
Das ist vielleicht tatsächlich die Stärke: Wir haben eine gut gewachsene katholische Tradition, ein gut gewachsenes katholisches Milieu. Wir haben aber auch die ganzen Herausforderungen der Säkularität mitten in unserem Bistum. In dieser Spannung zu stehen, das tut dem Katholikentag gut und umgekehrt unserem Bistum.
Das Interview führte Ina Rottscheidt.