Laut Schönborn gilt Medjugorje im Vatikan bereits als Heiligtum

Erste Erscheinungstage authentisch

Aus dem Vatikan gibt es bislang kein abschließendes Urteil. Doch die Frage der Anerkennung der berichteten Marienerscheinungen in Medjugorje kommt nach Einschätzung des Wiener Kardinals Christoph Schönborn in Rom voran.

Marienstatue und blaues Kreuz in Medjugorje  / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Marienstatue und blaues Kreuz in Medjugorje / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

"Soweit ich weiß, wird Medjugorje in Rom schon in der Liste der Heiligtümer geführt", sagte Schönborn im Interview der "Oase des Friedens", einer Zeitschrift der Medjugorje-Bewegung in Österreich. Schönborn hatte zum Jahreswechsel 2009/10 als erster hochrangiger Kirchenvertreter den in Bosnien-Herzegowina liegenden Wallfahrtsort besucht.

Aus dem Vatikan gibt es bislang kein abschließendes Urteil über die Ereignisse, wohl aber mehrere Prüfungen durch von den Päpsten eingesetzte Kommissionen. Die bislang letzte und ausführlichste unter der Leitung von Kardinal Camillo Ruini fand von 2010 bis 2014 statt; ihr Ergebnis wurde nicht veröffentlicht.

Schönborn sagte, er habe den Ruini-Abschlussbericht selbst gelesen. Es werde darin zum Ausdruck gebracht, "dass die Kommission zur Überzeugung gelangt ist, die ersten Erscheinungstage als authentisch zu beurteilen, ohne sich dabei vorläufig über das Weitere auszusprechen", bestätigte er entsprechende Medienberichte der vergangenen Jahre.

"Gespür der Gläubigen"

Den großen Zustrom von Pilgern trotz noch ausstehender kirchlicher Anerkennung deutet Schönborn als "Riecher der Menschen für die Gegenwart des Übernatürlichen". Das in Medjugorje stark spürbare "Gespür der Gläubigen" (lat. sensus fidei) sei ein "sicheres Maß für den Weg der Kirche" und erinnere daran, dass der katholische Glaube zuerst ein Beziehungsgeschehen sei.

Er sei bei seinem Aufenthalt 2009 auf die beiden von Pilgern frequentierten Berge um Medjugorje gestiegen und habe mit den vier zu diesem Zeitpunkt anwesenden "Sehern" gesprochen, so der Kardinal. Ihm sei dabei besonders eine große "Normalität" aufgefallen, die er als ein starkes Zeichen gedeutet habe, "dass Medjugorje gesund ist". Sein Eindruck: "Da ist nichts Übertriebenes, kein Aufpeitschen der Gefühle oder Überborden des Emotionalen".

Den Vorbehalten gegenüber den von den Sehern übermittelten Botschaften, diese brächten "nichts Neues", hielt der Kardinal entgegen, er selbst wäre "beunruhigt", verhielte es sich anders. So wie Mütter ihren Kindern in kleinen Variationen immer dasselbe ansagten, verhalte es sich auch mit Medjugorje. Schönborn: "Das Entscheidende ist nicht, dass wir jedes Mal etwas Neues erwarten, sondern dass wir jedes Mal an das erinnert werden, was zum christlichen Leben gehört."

Zisterzienserpater beeindruckt von Medjugorje

Der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke (missio) in Österreich, Karl Wallner, bezeichnete Medjugorje als "Missionshotspot für Europa". In Zeiten eines "abgekühlten Glaubens" verhelfe das Pilgerziel mit seiner eigenen slawischen und marianischen Spiritualität dazu, wieder an das Wirken Gottes in der Welt zu glauben und sein Leben an ihm auszurichten, sagte der Zisterzienserpater der Presseagentur Kathpress.

Beim ersten Besuch 1988 sei er mit Skepsis angereist, da er dachte, dort "Wundersucht und Überdrehtheit" zu finden. Doch er habe erfahren, dass in Medjugorje nachhaltige Bekehrungen und totale Neuausrichtungen des Lebens auf Gott hin an der Tagesordnung stünden.

Beeindruckt hätten ihn dort "nicht Erscheinungen und unerklärliche Phänomene, sondern vor allem die Intensität, mit der man die Sakramente feiert und das Normalkatholische wie die eucharistische Anbetung, Kreuzweg und Rosenkranz praktiziert". Alles sei dort auf das Gebet und die Begegnung mit Christus ausgerichtet.

Kardinal Christoph Schönborn / © Paolo Galosi/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Christoph Schönborn / © Paolo Galosi/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA
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