Menschenrechtler fordern Freilassung von belarussischem Blogger

Erschreckende Luftpiraterie

Menschenrechtler dringen auf die Freilassung des verhafteten belarussischen Bloggers Roman Protasewitsch. Der Vorgang markiere "eine extreme Eskalation der Verbrechen des Regimes von Alexander Lukaschenko".

Belarus, Minsk: Die weißrussische Polizei verhaftet den Journalisten Roman Protasewitsch (2.v.l). / © Sergei Grits (dpa)
Belarus, Minsk: Die weißrussische Polizei verhaftet den Journalisten Roman Protasewitsch (2.v.l). / © Sergei Grits ( dpa )

Das sagte der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen (ROG), Christian Mihr, am Montag in Berlin. Der regimekritische Journalist war am Sonntagabend verhaftet worden. Offenbar hatte die belarussische Regierung ein Passagierflugzeug, das auf dem Weg von Athen nach Vilnius war, unter Vorgabe einer falschen Bombendrohung über Belarus umgeleitet und mit einem Kampfjet zur Landung in Minsk gezwungen.

Maas spricht von gravierendem Eingriff 

Dort wurde Protasewitsch festgenommen. Über seinen Verbleib gibt es keine näheren Informationen. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sprach von einem "gravierenden Eingriff in den zivilen Luftverkehr". EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den Vorgang auf Twitter als "Entführung"; die EU-Staaten wollen am Montag darüber beraten.

"Außergewöhnlicher Hollywood-Plot"

Die Osteuropa-Direktorin von Amnesty International, Marie Struthers, sagte, der Vorgang erinnere an einen "außergewöhnlichen Hollywood-Plot". Dass diese Luftpiraterie tatsächlich real sei, sei erschreckend. Protasewitsch müsse Belarus verlassen und in ein Land seiner Wahl reisen dürfen, so Struthers.

Der 26-jährige Protasewitsch hat nach Angaben von ROG den Telegram-Kanal Nexta mitbegründet, auf dem er über Demonstrationen, Verhaftungen und Gewalt gegen Regimekritikerinnen und -kritiker berichtet hatte. Inzwischen schreibt Protasewitsch für verschiedene Blogs.

In der Liste der Regimekritiker

Er lebt im Exil in Litauen. In Belarus drohe ihm "mindestens eine lange Haftstrafe", so die Organisation. Die belarussische Regierung hatte Nexta laut Amnesty im vergangenen Jahr als «extremistisch» eingestuft und verboten. Protasewitsch wird demnach auf einer Liste von Regimegegnern geführt.

Quelle:
KNA