Bischof Dieser stimmt Entwidmung von Kirche am Tagebau nicht zu

Entscheidung aufgeschoben

Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Doch der Aachener Bischof Helmut Dieser hat der Entwidmung der katholischen Kirche im vom Braunkohletagebau betroffenen Dorf Keyenberg vorerst nicht zugestimmt.

Kirche im Ort Keyenberg bei Erkelenz / © Oliver Berg (dpa)
Kirche im Ort Keyenberg bei Erkelenz / © Oliver Berg ( dpa )

"Der Antrag auf Entwidmung ist nicht abgelehnt, sondern die endgültige Entscheidung darüber ist verschoben worden", erklärte Dieser am Freitag in Aachen. Es habe sich eine neue Dynamik in den politischen Entscheidungsprozessen entwickelt.

Ortschaft soll umgesiedelt werden

"Ein Erhalt der Dörfer ist möglich und eine konsequentere Reduktion der Tagebaue und der CO2-Emissionen sind zum Klimaschutz dringend nötig", sagte Dieser. Nach Beratungen im Priesterrat solle die neue Leitentscheidung der nordrhein-westfälischen Landesregierung zum Braunkohletagebau abgewartet werden, die im April erwartet werde. Der Erkelenzer Kirchenvorstand hatte einen Antrag auf Entwidmung der Kirche für den 21. März gestellt.

Die Ortschaft Keyenberg, die zur Stadt Erkelenz gehört, zählt zu den Dörfern, die am Tagebau Garzweiler des Energiekonzerns RWE liegen. Sie sollen wie andere Ortschaften zuvor umgesiedelt werden, damit auf dem Gebiet Braunkohle abgebaut werden kann. Viele der insgesamt 820 Einwohner leben bereits in dem neuen Ort nördlich von Erkelenz.

Sie wollten schon jetzt nicht mehr zur alten Keyenberger Kirche kommen, erklärte der Erkelenzer Pfarrer Werner Rombach in der vergangenen Woche. "Die meisten Menschen sagen: Wir wollen mit der ganzen Sache eigentlich gar nichts mehr zu tun haben. Wir leben bereits am neuen Standort oder wir sitzen auf den gepackten Koffern. Wir schauen nach vorne."

Kirche verkauft

Die Pfarrei Christkönig hatte die Kirchen in Keyenberg sowie in Kuckum und Berverath bereits im Herbst 2019 an RWE verkauft. "Die Kirchengemeinde ist vertraglich gebunden, die entwidmete Kirche an RWE zu übergeben", so der Aachener Bischof. "Aber das muss nicht jetzt, sondern kann auch später geschehen."

Die NRW-Landesregierung hatte im Oktober eine neue Leitentscheidung zum Braunkohletagebau vorgelegt. Nach Angaben des Bistums hat das Aachener Generalvikariat dazu im Dezember Stellung bezogen. Die zu erwartenden CO2-Emissionen aus dem geplanten Tagebau gefährdeten die Erreichung der Pariser Klimaziele, hieß es darin. Die Diözese habe daher um Überprüfung gebeten, ob der Abbau der Kohlenmenge reduziert werden könne.

Helmut Dieser / © Julia Steinbrecht (KNA)
Helmut Dieser / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA