Mennoniten-Gemeinde hat Gottesdienstbesucher nicht erfasst

Entgegen der Corona-Schutzregeln

Die vom Coronavirus betroffene Mennoniten-Gemeinde in Euskirchen hat die Kontaktdaten ihrer Gottesdienstbesucher nicht erfasst. Das bestätigte der Sprecher des Kreises Euskirchen, Wolfgang Andres, der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Das Bethaus der Mennoniten-Gemeinde / © Marius Becker (dpa)
Das Bethaus der Mennoniten-Gemeinde / © Marius Becker ( dpa )

Angehörige einer Großfamilie, die zur Mennoniten-Brüdergemeinde gehört, hatten sich mit dem Virus infiziert. Der Kreis verhängte für die Gemeindemitglieder und Menschen aus ihrem Umfeld eine zunächst zweiwöchige Quarantäne bis zum 18. Juli.

Der Verfügung des Kreises zufolge soll unter anderem jeder in Quarantäne gehen, der ab dem 17. Juni an Gottesdiensten oder Veranstaltungen der Mennoniten teilgenommen hat, auch wenn er kein Gemeindemitglied ist. Die Mutter der Großfamilie, bei der das Virus zuerst nachgewiesen worden war, sei frühestens ab Mitte Juni ansteckend gewesen, erklärte Andres den Stichtag. Die Frau liegt im Krankenhaus. Alle weiteren infizierten Familienmitglieder haben leichte oder keine Symptome.

NRW: Gottesdienste unter Hygieneauflagen möglich

Üblicherweise registrieren Kirchen und religiöse Gemeinschaften in Nordrhein-Westfalen die Kontaktdaten ihrer Gottesdienstbesucher. Seit Anfang Mai sind in NRW öffentliche Gottesdienste möglich - jedoch unter Hygieneauflagen.

Diese legt im Detail nicht das Land fest, sondern die Gemeinden selbst. Laut Corona-Schutzverordnung muss eine Gemeinde aber "geeignete Vorkehrungen" treffen, um etwa Hygiene, Mindestabstand und Rückverfolgbarkeit der Besucher sicherzustellen.

Kein Verbot von Gottesdiensten

Die Vertreter der großen Religionsgemeinschaften in NRW hatten dem Land vor Beginn der öffentlichen Gottesdienste entsprechende Hygienekonzepte vorgelegt. Auch kleinere Gemeinden hätten Papiere eingereicht, jedoch nicht alle, erklärte eine Sprecherin der NRW-Staatskanzlei auf Anfrage.

"Aufgrund der hohen Bedeutung der Freiheit der Religionsausübung und des besonderen Verhältnisses von Staat und Religionsgemeinschaften hat sich die Landesregierung in der Corona-Krise von Anfang an auf das hohe Verständnis und die Verantwortung von Kirchen und Religionsgemeinschaften gestützt." Als einziges Bundesland hatte NRW Gottesdienste in der Corona-Krise nicht verboten.

Mehrfach Coronafälle in freikirchlichen Gemeinden

Seit Ende der deutschlandweit strengen Kontaktbeschränkungen hat es mehrfach Corona-Fälle in freikirchlichen Gemeinden gegeben, zu denen auch die Mennoniten zählen. Zuletzt meldete der Kreis Gütersloh, dass es eine Verbindung zwischen den Corona-Infektionen in der Schlachterei Tönnies und einem Gottesdienst in Herzebrock-Clarholz gebe. Diese Gemeinde habe kein Hygienekonzept vorgelegt und sei dazu auch nicht verpflichtet gewesen, hieß es von der Staatskanzlei.

Unter "Freikirchen" als Sammelbegriff werden sehr unterschiedliche christliche Gemeinschaften zusammengefasst, die keine landeskirchlichen Strukturen haben. Dazu gehören neben den Kirchen mit teils jahrhundertelanger Tradition wie Baptisten, Mennoniten, Methodisten oder Alt-Lutheraner auch Pfingstkirchen und andere Gruppen. Die Zahl ihrer Mitglieder in Deutschland wird auf bis zu eine Million geschätzt.


Quelle:
KNA