EKD-Ratsvorsitzende hat hohe Erwartungen an Ökumene-Gipfel

Friedensimpuls für Ukraine

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland hofft auf einen Friedensimpuls des kommenden Welt-Ökumene-Gipfels in Karlsruhe für den Ukraine-Konflikt. Es nehmen sowohl russische als auch ukrainische Delegationen teil.

Annette Kurschus / © Paolo Galosi (epd)
Annette Kurschus / © Paolo Galosi ( epd )

"Ich erhoffe mir, dass auf kirchlicher Ebene eine Kommunikation möglich wird, die auch politisch etwas austrägt", sagte die westfälische Präses Annette Kurschus dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Sie sei froh, dass sowohl eine russisch-orthodoxe Delegation als auch eine Delegation aus der Ukraine an der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) vom 31. August bis 8. September in Karlsruhe teilnehmen wird: "Selbst wenn die Verständigung zurzeit schwierig ist, müssen wir die Wege der Kommunikation unbedingt offenhalten."

Wichtige Weichenstellungen für Klimagerechtigkeit

"Wie die Delegation der russisch-orthodoxen Kirche zusammengesetzt ist, können wir nicht beeinflussen", fügte Kurschus hinzu: "Aber wir hoffen sehr, dass Menschen dabei sind, die der russischen Kriegsführung kritisch gegenüberstehen, die also nicht die Haltung des Moskauer Patriarchen Kyrill vertreten." Erstmals in der über 70-jährigen Geschichte des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) findet die Vollversammlung in Deutschland statt.

Die EKD-Ratsvorsitzende erhofft sich von dem Ökumene-Gipfel mit erwarteten mehr als 4.500 Teilnehmern auch wichtige Weichenstellungen, etwa beim Thema Klimagerechtigkeit. Sie sei zuversichtlich, dass "von der kirchlichen Versammlung in Karlsruhe eine Art Weckruf in die weltweite Politik ausgehen wird". Die am wenigsten zur Klima-Katastrophe beitragen, litten derzeit am stärksten unter den Folgen. Die Vollversammlung werde die Gelegenheit bieten, dazu intensiv in den Austausch zu treten. "Das Thema der Klimagerechtigkeit betrifft den Kern unseres Glaubens", unterstrich die Theologin.

Verbundenheit mit Israel und Palästina

Zum Nahost-Konflikt sagte Kurschus, es gebe "seitens des ÖRK eine doppelte Verbundenheit: mit Israel und mit Palästina. Diese Grundlinie steht aus meiner Sicht nicht infrage." Der ÖRK höre im Konfliktfall zuallererst auf die Stimmen der Mitgliedskirchen, die unmittelbar betroffen sind. Das werde auch hier geschehen: "Wir werden auf die kirchlichen Stimmen aus Israel und Palästina hören", sagte Kurschus mit Blick auf Kritiker, die dem Rat vorwerfen, einseitig für die Palästinenser Partei zu ergreifen.

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) wurde 1948 in Amsterdam gegründet. Dem Weltkirchenrat gehören 352 protestantische, anglikanische, orthodoxe und altkatholische Kirchen sowie Freikirchen aus mehr als 120 Ländern an, die nach eigenen Angaben weltweit über 580 Millionen Christinnen und Christen vertreten. Die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied, arbeitet jedoch seit Ende der 60er Jahre mit dem ÖRK zusammen.

Ökumenischer Rat der Kirchen

Dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), auch Weltkirchenrat genannt, gehören derzeit 352 protestantische, anglikanische, orthodoxe und altkatholische Kirchen sowie kirchliche Gemeinschaften in mehr als 120 Ländern an. Sie repräsentieren weltweit über 580 Millionen Christen. Der Weltbund wurde am 23. August 1948 in Amsterdam gegründet. Heute ist der Sitz in Genf. Oberstes Organ ist die Vollversammlung, die etwa alle sieben Jahre zusammentritt und die Richtlinien der Arbeit festlegt. Eigentliches Leitungsorgan ist der Zentralausschuss. Eine gesetzgebende Gewalt gibt es nicht.

Papst Franziskus besucht Weltkirchenrat / © Paul Haring (KNA)
Papst Franziskus besucht Weltkirchenrat / © Paul Haring ( KNA )

Quelle:
epd