Bedford-Strohm hofft auf gemeinsames Abendmahl

Ein ökumenischer Traum

Hochrangige Religionsvertreter haben in Rom in Zeiten der Pandemie für Heilung und Frieden gebetet – darunter waren Papst Franziskus, Patriarch Bartholomäus I. und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.

Unterschiede bestehen insbesondere im Verständnis von der Eucharistie bzw. dem Abendmahl / © Bernd Thissen (dpa)
Unterschiede bestehen insbesondere im Verständnis von der Eucharistie bzw. dem Abendmahl / © Bernd Thissen ( dpa )

Papst Franziskus hat am Dienstag gemeinsam mit Vertretern anderer Kirchen auf dem römischen Kapitol ein ökumenisches Friedensgebet abgehalten. Zu der im Zeichen der Corona-Abstandsregeln stehenden Andacht in der Kirche Santa Maria in Aracoeli reisten auch das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christen, der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I., und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nach Rom. Anschließend trafen sie mit Juden, Muslimen und Buddhisten zu einem interreligiösen Friedenstreffen zusammen.

Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm äußerte bei dem ökumenischen Friedensgebet die Hoffnung auf gemeinsame Abendmahlsfeiern. Das Streben nach Einheit der Christen sei keine "Sentimentalität bestimmter Interessengruppen", sondern "Teil der DNA jeder Kirche", sagte er bei der Andacht auf dem römischen Kapitol.

Auf dem Hügel oberhalb des Forum Romanum entstand im 19. Jahrhundert in der damaligen  Gesandtschaftskapelle der diplomatischen Vertretung Preußens beim Heiligen Stuhl, die erste evangelische Kirche in Rom.

Große Bereitschaft zur Ökumene?

Es sei sein "persönlicher Traum", gemeinsame Abendmahlsfeiern selbst zu erleben, erklärte der EKD-Ratsvorsitzende. "Der Wille, in der Ökumene weiterzukommen, ist verbreiteter, als wir manchmal denken", sagte Bedford-Strohm dem Evangelischen Pressedienst (epd) angesichts der Vorbehalte des Vatikans gegenüber der Teilnahme von Christen anderer Konfessionen an der katholischen Kommunion.

Bei der Zusammenkunft in Rom brächten Christen und Angehörige anderer Religionen aus unterschiedlichen Traditionen heraus gemeinsam ihre Fragen und Hoffnungen zum Ausdruck, um Zeichen von Frieden und Geschwisterlichkeit zu setzen, unterstrich der Ratsvorsitzende. Mit Blick auf die wegen der Corona-Pandemie geltenden Abstandsregeln beklagte Bedford-Strohm indes den Verzicht auf physische Zeichen der Verbundenheit wie das Händeschütteln und Umarmungen bei Begrüßungen.

Klare Position gegen Corona-Leugner

Gemeinsame Treffen wie ökumenische Friedensgebete sind dem EKD-Ratsvorsitzenden zufolge vor allem in dieser Zeit nötig, in der Gesellschaften durch die Corona-Pandemie verletzt seien. Er rief gleichzeitig zum Dialog mit Menschen auf, die die Bedeutung der Pandemie leugnen. "Trotzdem muss man klar Position beziehen."

Kritik am Umgang mit Geflüchteten

Unter Hinweis auf das Bibel-Zitat "Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan", beklagte der EKD-Ratsvorsitzende mangelnde Hilfe der EU für Flüchtlinge, die auf  riechischen Inseln stranden und im Mittelmeer ertrinken. Bedford-Strohm begrüßte die Aufhebung der Sicherheitsdekrete in Italien.

Infolge der Dekrete waren Rettungsorganisationen kriminalisiert und Versorgungsansprüche von Flüchtlingen ausgehebelt worden. Gleichzeitig mahnte Bedford-Strohm, Italien mit der Aufnahme von Bootsflüchtlingen nicht allein zu lassen. Die EU müsse sich endlich auf einen erteilmechanismus einigen, sagte er dem epd.

Das von der katholischen Gemeinschaft Sant Egidio organisierte Friedenstreffen findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Dieses Mal stand es unter dem Motto "Niemand rettet sich allein. Frieden und Geschwisterlichkeit".

Heinrich Bedford-Strohm / © Michael McKee (EKD)
Heinrich Bedford-Strohm / © Michael McKee ( EKD )
Quelle:
epd
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