Papst besucht slowakisches Nationalheiligtum Sastin

Ein Gebet zur Gottesmutter der Sieben Schmerzen

Die Renovierungsarbeiten waren intensiv. Zum Papstbesuch an diesem Mittwoch soll die Marienbasilika im slowakischen Sastin wieder glänzen. Die Geschichte des Wallfahrtsortes ist ebenso wechselvoll wie die des Landes.

Spitzen der Basilika Sastin-Straze / © Peter Vrabel (shutterstock)
Spitzen der Basilika Sastin-Straze / © Peter Vrabel ( shutterstock )

An diesem Mittwoch kommt das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, in den bedeutenden Wallfahrtsort Sastin. In der Marienbasilika wird er zusammen mit den Bischöfen des Landes beten, bevor er den Abschlussgottesdienst seines Slowakei-Besuchs auf einem benachbarten Feld halten wird.

Das Datum für die Visite in Sastin ist indessen nicht etwa zufällig gewählt: Der 15. September markiert in der katholischen Liturgie auch den Gedenktag der Sieben Schmerzen Mariens. Die "Mater Dolorosa", die Schmerzensmutter, wurde mit dem päpstliche Dekret "Celebre apud Slovaccham gentem" aus dem Jahr 1927, von Papst Pius XI. zur Patronin der Slowakei erklärt.

Allgegenwärtige Form der Marienverehrung

Dementsprechend gibt es nicht nur in Sastin, sondern in der Slowakei allgemein eine allgegenwärtige Form der Marienverehrung. Bilder und Ikonen der gekrönten Gottesmutter mit dem Leichnam Jesu auf ihrem Schoß finden sich in etlichen Kirchen und katholischen Einrichtungen des Landes.

Dennoch nahm durch das päpstliche Dekret insbesondere die Bedeutung von Sastin zu, das sich zum Nationalheiligtum der Slowakei entwickelte. Rund 100.000 Wallfahrer kommen - zu normalen Zeiten - jährlich in die Marienbasilika; neben den Slowaken selbst auch viele Tschechen und Polen. Auch für die Gläubigen der mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche ist das mächtige barocke Gotteshaus nahe dem 5.000-Seelen-Dorf inzwischen ein beliebtes Ziel.

Dort liegt der Marienverehrung eine längere Tradition zu Grunde.

Schon im 16. Jahrhundert wurde an dem Ort, an dem sich heute die Basilika befindet, eine Statue der Gottesmutter in einer Kapelle aufgestellt. Nach mehreren ihr zugeschriebenen Heiligungsmirakeln wurde sie 1732 vom damaligen Erzbischof von Esztergom, Imre II.

Esterhazy, feierlich als wunderwirkend anerkannt. Im Folgejahr übernahm der Paulinerorden die Pieta und ließ ab 1736 Kloster und Kirche auf dem Gelände errichten. 1764 wurde der fertige Bau von Esterhazys Nachnachfolger, Erzbischof Ferenc Barkoczy, im Beisein der österreichischen Kaiserin und Landesherrin Maria Theresia geweiht.

Den Paulinern, die sich auch durch große Statuen der für den Orden wichtigen Heiligen Paulus von Theben und Antonius dem Großen in der prächtigen weiß-beigen Fassade der Basilika verewigten, war es hingegen nicht lange vergönnt, das Heiligtum zu betreuen. 1786 löste Kaiser Joseph II. den Orden in seinen Landen auf. Nachdem die Basilika lange Zeit im staatlichen Besitz war, ging sie 1924 an die Salesianer über, allerdings nur kurzzeitig, denn nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieb das kommunistische Regime den Orden gewaltsam.

Schon Papst Johannes Paul II. kam zu Besuch

Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes übernahmen ab 1990 zunächst wieder die Salesianer den Wallfahrtsort, der von Papst Paul VI. schon 1964 zur ersten slowakischen Basilika Minor erhoben worden war. Inzwischen befindet er sich jedoch wieder unter der Leitung der Pauliner; drei Ordensbrüder leben momentan im Konvent neben der Basilika, Martin Lehoncak ist der Prior.

Für ihn als Gastgeber ist es der erste Besuch eines Papstes; doch kann er sich an vorhergehenden Visiten orientieren. Denn schon Papst Johannes Paul II. kam im Rahmen seines zweiten Slowakei-Besuchs im Jahr 1995 in die Basilika von Sastin. Noch heute erinnert ein großes Porträt in dem Raum, in dem der Papst damals unterkam, an den prominenten Gast. Sein getragenes Messgewand ist im kleinen Museum der Basilika ausgestellt.

Es ist also durchaus ein symbolträchtiges Bild, das Franziskus mit seinem Besuch an dem Pilgerort aussendet. Nicht nur drückt er damit seine Hochachtung der marianischen Frömmigkeit aus. Ebenso schließt er den Kreis zu seinem gerade in seiner slawischen Heimat sehr verehrten Vorgänger.

Autor/in:
Johannes Senk
Quelle:
KNA
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