Slowaken freuen sich über Papst-Besuch

"Die Nähe zum Papst ist in der Slowakei noch sehr groß"

Der Papst ist auf einem viertägigen Besuch in Mitteleuropa, nach Ungarn ist er weiter in die Slowakei gereist. Dort wird er meist herzlich begrüßt, allerdings von weniger Menschen als erwartet, so die Journalistin Martina Grochálová.

Papst Franziskus in der Slowakei / © Petr David Josek (AP) (dpa)
Papst Franziskus in der Slowakei / © Petr David Josek (AP) ( dpa )

DOMRADIO.DE: Seit gestern ist Franziskus in der Slowakei – welche ersten Eindrücke haben Sie von seiner Anreise mitbekommen?

Martina Grochálová (Journalistin, ehemals langjährige Chefin vom Dienst bei der landesweiten Kirchenzeitung in der Slowakei): Ich glaube, dass die Atmosphäre in der ganzen Slowakei sehr emotional und fröhlich ist. Am Anfang läuteten schon alle Glocken zur Begrüßung des Papstes. Dann gab es verschiedene Gesten der Menschlichkeit, wie zum Beispiel ein persönliches Gespräch mit der Präsidentin. Er sagte ihr, er fühle sich wie verjüngt. Oder er hatte ein privates Treffen mit den Jesuiten. Dort hatte er einen anderen Stuhl genommen, damit er näher bei seinen Mitbrüdern sitzen konnte. Er sagte, es solle wie in einer Familie sein. Hier sah man wieder die Menschlichkeit und Authentizität des Papstes.

DOMRADIO.DE: Außergewöhnlich ist sicherlich sein Besuch im Palast der Präsidentin heute und morgen der Besuch der Minderheit der Roma?

Grochálová: Ja, viele bewundern da den Stil des Papstes und verstehen zum Teil nicht, dass er die ärmsten Leute der Slowakei besucht. Ein weiteres Highlight ist am Mittwoch die Heilige Messe im Freien, auf dem Feld vor dem Nationalheiligtum der Gottesmutter Maria in Šaštín, woran die meisten Gläubigen teilnehmen werden.

DOMRADIO.DE: Die Papstreise in die Slowakei wird natürlich auch überschattet von der Corona-Pandemie. Wie schränken die Maßnahmen den Besuch ein?

Grochálová: Eine der Bedingungen der Epidemiologen war, dass nur Geimpfte teilnehmen dürften. Aber das hatte eine solche Spaltung der Gesellschaft verursacht, weil viele Menschen in der Slowakei nicht geimpft sind und auch viele gegen die Impfung sind. – Dann aber, Ende vergangener Woche, durften sich auch genesene oder getestete Personen registrieren. Trotzdem war am Ende das Interesse verhalten. Die Veranstalter rechneten mit 500.000 Teilnehmern, aber registriert sind momentan mehr als 100.000 Leute. Und dabei wird es bleiben, denn die Frist zur Registrierung ist gestern verstrichen.

DOMRADIO.DE: Den polnischen Papst Johannes Paul II. haben die Menschen in der Slowakei besonders verehrt. Wie stehen die Slowaken zu Franziskus?

Grochálová: Ich glaube, da gibt es ein differenziertes Meinungsbild. Allgemein ist er sehr geschätzt und akzeptiert. Es gibt aber auch die Gruppen, die sagen, er sei zu liberal. Oder es gibt Gruppen, die ihn als zu konservativ empfinden. Aber von den meisten wird er verehrt, die Nähe zum Papst ist in der Slowakei noch sehr groß.

Das Interview führte Julia Reck.

Papst Franziskus segnet einen unbekannten Mann in Bratislava / © Josek/AP (dpa)
Papst Franziskus segnet einen unbekannten Mann in Bratislava / © Josek/AP ( dpa )
Papst Franziskus und Zuzana Caputova, Präsidentin der Slowakei / © Gregorio Borgia (dpa)
Papst Franziskus und Zuzana Caputova, Präsidentin der Slowakei / © Gregorio Borgia ( dpa )
Quelle:
DR