Im Prozess zum Finanzskandal der Diözese Eichstätt wurde dessen früherer Bischof Gregor Maria Hanke am Dienstag als Zeuge vernommen. In schwarzem Anzug mit Priesterkragen, aber ohne bischöfliche Insignien, stand er vor dem Landgericht München II drei Stunden lang Rede und Antwort.
Erst im Nachhinein habe er im Zuge der von ihm eingeleiteten Transparenzoffensive von den umstrittenen US-Darlehen aus dem Bistumsvermögen erfahren. Diese Millionen-Investments hätten nach den bereits damals geltenden Anlagerichtlinien niemals getätigt werden dürfen, sagte der Benediktiner.
Zu detaillierten Nachfragen des Richters, des Staatsanwalts und der Verteidigung der beiden Angeklagten konnte der Ordensmann nur wenig Auskunft geben. Er habe in Vermögensverwaltung keine eigene Sachkunde und sich erst auf die Fachleute im Haus, dann auf die von ihm beauftragten externen Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte verlassen.
Auf deren Anraten habe er sich 2017 zur Strafanzeige entschlossen, die dem Prozess zugrunde liegt.
Auch einen Rücktritt als Bischof habe er damals erwogen; seine Anwälte hätten ihm davon aber abgeraten. Sie hätten befürchtet, dass dann der Eifer bei der Aufarbeitung des Finanzskandals erlahmen würde.
Wie alte Freunde
Hanke und einer der Angeklagten, der später zeitweise leitender Mitarbeiter der Finanzabteilung des Bistums Eichstätt war, kennen sich seit gemeinsamen Studienjahren in Würzburg. Sie wohnten damals in einer Hausgemeinschaft. Beide begegneten sich vor dem Gerichtssaal wie alte Freunde und wechselten in freundlichem Ton einige Worte. Von gegenseitigem Groll war nichts zu spüren.
Dieser Angeklagte war zunächst als Berater, angestellt bei einer Schweizer Bank, für das Bistum Eichstätt tätig. Hanke sagte, der damalige bischöfliche Finanzdirektor habe sich den "Top-Banker" schließlich als Stellvertreter gewünscht. Dem sei entsprochen worden, "weil das damals so üblich war". Er selbst habe aber Bedenken gehabt, weil dadurch der Stellvertreter über mehr Fachkompetenz verfügt habe als dessen Vorgesetzter.
Zu den Geldflüssen zwischen beiden Angeklagten, die die Staatsanwaltschaft als Bestechung wertet, die Beschuldigten aber als geteilte Provision, sagte der frühere Bischof, diese seien damals nicht offengelegt worden. Der offizielle Weg, einen verdienten Mitarbeiter an seinem Erfolg zu beteiligen, wäre eine Bonusleistung seitens der Diözese gewesen. So aber habe er, Hanke, damit große Schwierigkeiten.
"Vertrauen statt Kontrolle"
Als Grundproblem nicht nur des Bistums Eichstätt benannte der Zeuge eine Einstellung, die damals in der ganzen Kirche verbreitet gewesen sei: "Das Vertrauen ineinander war größer als das zu Aufsichts- und Kontrollmechanismen." Im Rückblick müsse er sagen, auch er hätte als Bischof Vorgänge "mehrseitig prüfen" müssen.
Sein Rücktritt vor knapp einem Jahr vom Bischofsamt steht nach Hankes Worten in keinem direkten Zusammenhang mit dem Prozess und den dort verhandelten Vorwürfen. Hanke lebt heute als Pensionär in einer ländlichen Gegend im Allgäu und betätigt sich als einfacher Seelsorger. Bevor er mit seinem grünen Kletterrucksack den Gerichtssaal verließ, nickten er und sein alter Bekannter sich noch einmal still zu.
Kommende Woche soll der damalige Bischöfliche Finanzdirektor, auch er ein Geistlicher, in den Zeugenstand. Unter Verweis auf mögliche weitere strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn will er aber nicht aussagen. Inzwischen haben weitere Rechtsgespräche zwischen den Prozessbeteiligten stattgefunden. Dem Vernehmen nach scheint inzwischen vorstellbar, dass die Angeklagten mit einer Bewährungsstrafe davonkommen.