Ehemalige Klöster prägen immer noch das Kölner Stadtbild

Ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt

Den Begriff "das heilige Köln" verdankt die Stadt vor allem der breiten Kloster- und Stiftslandschaft. Warum haben sich so viele Klöster in Köln angesiedelt? Und wie prägen sie noch heute die Kultur in der Domstadt am Rhein?

Abtei Deutz, ehemaliges Benediktinerkloster in Köln-Deutz / © Ralf Liebhold (shutterstock)
Abtei Deutz, ehemaliges Benediktinerkloster in Köln-Deutz / © Ralf Liebhold ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Rund um die Klosterlandschaft in Köln ist Band drei des "Nordrheinischen Klosterbuchs" entstanden. Was kann man da nachlesen?

Dr. Joachim Oepen (Stellvertretender Direktor des Historischen Archivs des Erzbistums Köln; Autor und Mitherausgeber des Klosterbuches): In Köln hat es mehr als 70 Klöster und Stifte gegeben, die in der Zeit von mindestens dem 8. Jahrhundert nach Christus, vielleicht auch schon früher, bis 1802, bis zur Aufhebung der meisten Klöster unter Napoleon, also fast 1.000 Jahre Bestand haben. Das ist natürlich eine ganz einmalige dichte Klosterlandschaft, man kann wirklich sagen europaweit einmalig. Diese Kloster- und Stiftslandschaft wird im Band drei beschrieben.

Chorruine Heisterbach / © Harald Oppitz (KNA)
Chorruine Heisterbach / © Harald Oppitz ( KNA )

Es handelt sich im Grunde genommen um ein Lexikon, wo die einzelnen Institutionen nach einem sehr strengen Gliederungschema und einzelnen Punkten abgehandelt werden. Es ist kein Lesebuch, es werden keine Geschichten erzählt – aber es ist ein Band mit einer sehr hohen Informationsdichte. Und ja, erstmals der Versuch überhaupt, diese Klosterlandschaft umfassend zu beschreiben.

DOMRADIO.DE: Was war denn an Köln so attraktiv für die spirituellen Gemeinschaften?

Oepen: Im Grunde genommen müsste man die Frage sozusagen umdrehen: Wieso hat die Stadt überhaupt erst durch die geistlichen Institutionen, durch diese geistlichen Gemeinschaften Bedeutung erlangt? Das steht dann in einem wechselseitigen Verhältnis. Wenn wir über "Et hillije Köln" ("das heilige Köln"), ein bis heute bekanntes Attribut sprechen, also über die "Sancta Colonia", dann hängt das ganz viel mit der Anwesenheit von Reliquien in den Kirchen zusammen – häufig von solchen Stiften und Klöstern.

Das bringt erst diese Heiligkeit der Stadt hervor. Andererseits war Köln auch wirtschaftlich von den Verkehrswegen her gesehen ein zentraler Ort, sodass es von daher auch wiederum für viele geistliche Gemeinschaften attraktiv war, sich hier anzusiedeln.

Die haben im gesamten Rheinland und teilweise auch darüber hinaus Besitz gehabt, sodass die Erträge aus diesen Besitzungen oft nach Köln geflossen sind. Das ist ein schönes Beispiel, wie Stadt und Kirche oder Kirchenlandschaft sozusagen miteinander kommunizierende Röhren sind.

DOMRADIO.DE: Welche besonderen Klöster- und Ordensgemeinschaften waren es denn, die in Köln Zuflucht gesucht haben?

Oepen: Auch hier könnte man sagen, dass es eigentlich keine besonderen Klöster- und Ordensgemeinschaften gibt, die hier Zuflucht gesucht haben. Vielmehr kommt diese sehr dichte Klosterlandschaft auch darin zum Ausdruck, dass fast alle Orden der Christenheit irgendwie in Köln vertreten waren, fast alle Formen des geistlichen Gemeinschaftslebens. Wir reden also hier von über 40 verschiedene Orden.

Abtei Brauweiler, ehemaliges Benediktinerkloster in der Nähe des Kölns / © Gerd Harder (shutterstock)
Abtei Brauweiler, ehemaliges Benediktinerkloster in der Nähe des Kölns / © Gerd Harder ( shutterstock )

Da könnte man jetzt einzelne herauspicken, wie etwa die Jesuiten, die in nachreformatorischer Zeit hier ihre wahrscheinlich mit wichtigste Niederlassung im damaligen Deutschen Reich gehabt haben. Oder die Dominikaner, die hier – Stichwort Albertus Magnus – , ihre frühste Niederlassung gehabt haben.

Es gibt daneben in Köln zahlenmäßig sehr weitverbreitet die Beginen-Niederlassungen. Das sind Gemeinschaften von religiös lebenden Frauen, die kein Gelübde abgelegt haben. Es sind meistens kleinere Konvente. Ganz viele dieser Beginen-Niederlassungen – das fängt so im 12. bzw. 13. Jahrhundert an – werden dann zum Ende des Mittelalters zu Klöstern umgewandelt. Die bekommen dann eine Klosterregel, weil man sie letztlich auch ein Stück weit unter Kontrolle bringen möchte.

Oder es gibt das Kloster Sankt Maria Magdalena, auch ursprünglich ein Beginen-Konvent. Am Eigelstein war das. Das ist eigentlich gar kein großes Kloster. Da ist es das Besondere, dass sich dieses Kloster im 15. Jahrhundert der Aufnahme von gefallenen Mädchen, also sprich Prostituierten, gewidmet hat. Sie wollten oder sollten nach sündigem Leben ein Leben in Buße verbringen.

Das hört sich heute alles sehr fromm an. Aber zum einen hat man es da mit dem Großstadtphänomen der Prostitution zu tun und letztlich auch mit der sozialen Fürsorge. Das ist nur ein Beispiel von ganz vielen Eigentümlichkeiten und Besonderheiten. Da könnte man lange in die mehr als 700 Seiten Klosterbuch einsteigen.

DOMRADIO.DE: Irgendwann war ja Schluss mit der lebendigen Klosterkultur in Köln. Der Grund war Napoleons Einmarsch in das Rheinland und die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Gibt es noch Zeugnisse in Köln von den untergegangenen Klöstern?

Oepen: Ja, jede Menge. Ein Zeugnis dessen ist der Kölner Dom. Auch hier war eine geistliche Gemeinschaft angesiedelt, das Domstift, als die sicherlich wichtigste Kölner geistliche Gemeinschaft. Dann ist ganz wichtig zu erwähnen, dass vor allem die Stiftskirche und die bedeutenden Stiftskirchen in Pfarrkirchen umgewandelt wurden. Und das sind im Wesentlichen unsere heutigen romanischen Kirchen in der Kölner Innenstadt.

Interessanterweise sind die Kirchen erhalten geblieben. Die Konventsgebäude herum sind größtenteils verschwunden. Sie haben noch etwa in Sankt Pantaleon so eine Anmutung von dem Klosterbezirk mit der Mauer herum oder in Sankt Severin den Kreuzgang. Das sind noch so Relikte. Darüber hinaus haben wir natürlich ganz viele Relikte noch bis heute auch. Das ist eben ein Aspekt des Klosterbuches, das man eigentlich ganz häufig sieht, wie funktioniert eigentlich die Stadt bis heute.

St.Pantaleon Köln, Nordseite / © Friedhelm Dröge (CC BY-SA 4.0)
St.Pantaleon Köln, Nordseite / © Friedhelm Dröge ( CC BY-SA 4.0 )

Etwa die Ursulinenschule ist hervorgegangen aus dem Konvent der Ursulinen. Oder wenn man im Olivandenhof einkaufen gehen, das ist das Grundstück des Franziskanerklosters "ad Olivas". Bis in den Namen hinein wirkt da was nach. Die Kölner Wolkenburg, das ist heute ein Restaurant oder man kann dort Hochzeiten feiern und auch Sitz des Kölner Männergesangvereins, das ist der Sitz des Benediktinerinnenklosters Sankt Mauritius. Auch weitestgehend wurde hier noch die Klosteranlage erhalten. Viele kennen vielleicht auch noch die Post an den Dominikanern, das war früher die Hauptpost. Das ist genau das Grundstück, des Dominikanerklosters. Da ist als Nachfolgebebauung dann eben eine Senioreneinrichtung hingekommen. Oder vielleicht nicht für jeden so interessant., das Finanzamt Köln-Altstadt, das ist exakt das Grundstück des Klosters Sankt Michael. Und Säkularisation heißt ja, dass das Kirche gut enteignet wird und in staatliche Hände übergeht. Das Grundstück wurde dann staatlich und deswegen hat der Staat dann später auf diesem Grundstück das heutige Finanzamt gebaut.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Das Erzbistum Köln

Ende 2021 gehörten 1.805.430 Katholiken zum Erzbistum Köln. Das sind 63.137 weniger als im Jahr davor. Der Rückgang setzt sich im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 zusammen aus 40.772 Kirchenaustritten (2020: 17.281) sowie der Differenz zwischen den Sterbefällen (27.503) und den Taufen (10.286), die gegenüber 2020 (7.845) angestiegen sind. 

Blick auf den Kölner Dom / © Harald Oppitz (KNA)
Blick auf den Kölner Dom / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
DR