Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie des Erzbistums Paderborn fordert die Betroffenen-Initiative Eckiger Tisch eine bundesweite Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche. Aus den bisher veröffentlichten Studien lasse sich herauslesen: "Missbrauch wird durch ein Zusammenspiel von Tätern, Vertuschern und Bystandern erst ermöglicht", erklärte die Initiative am Mittwoch.
"Selbst, wenn Personen nicht selbst Missbrauch begehen, sondern die Infrastruktur für den Missbrauch unterstützen, macht sie das ebenfalls zu (Mit-)Tätern", betonte der Eckige Tisch weiter: "Dadurch, dass die Namen der Täter und Beschuldigten nicht genannt werden, schützt die Kirche weiterhin die Täter und verhindert eine vollständige Aufklärung."
Untersuchungen zusammenführen
Eine Vielzahl von Einzelstudien sei in den vergangenen Jahren erarbeitet worden, hieß es weiter: "Immer dringlicher stellt sich daher die Frage nach dem Gesamtbild, nach dem Zusammenführen all dieser einzelnen Untersuchungen." Ziel müsse eine bundesweite Untersuchung sein.
Vorige Woche war die Studie in Paderborn vorgestellt worden, die den Zeitraum von 1941 bis 2002 umfasst. Demnach gab es im Erzbistum mehr Fälle von sexuellem Missbrauch als bisher bekannt. Die Fallzahlen der Studie liegen laut Bericht in etwa doppelt so hoch wie die Zahlen einer deutschlandweiten Untersuchung von 2018. Seit 2018 gibt es mehr Möglichkeiten für Betroffene, sich zu melden. Zudem fußt die Studie nun auf einer größeren Aktenbasis.
Die Autoren der Studie stießen demnach auf 210 Hinweise auf beschuldigte Geistliche. Zudem seien mindestens 489 Kinder und Jugendliche sexuellen Übergriffen von Geistlichen ausgesetzt gewesen. Es handele sich hier lediglich um das Hellfeld.