DOMRADIO.DE: Sie haben selbst auch an der Demonstration teilgenommen. Wie sah dieser Widerstand konkret aus?
Msgr. Oliver Boss (Pfarrer und Leiter des Seelsorgebereichs Düsseldorfer Osten, stellvertretender Stadtdechant Düsseldorfs): Ein großes zivilgesellschaftliches Bündnis sehr unterschiedlicher Couleur hatte sich dort versammelt. Nach polizeilichen Angaben waren rund 7.000 Menschen auf den Beinen. Auch die evangelische und katholische Kirche waren sehr präsent. Um 17 Uhr habe ich eine interreligiöse Auftaktveranstaltung in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche besucht. Die Kirche war brechend voll und verschiedene Religionsvertreter haben dort ihre Statements abgegeben.
DOMRADIO.DE: Sie haben auch selbst in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche gesprochen. Was war Ihre Botschaft gestern Abend?
Boss: Ich habe mich sehr deutlich auf die Erklärung der deutschen Bischöfe gegen Rechtsextremismus in unserem Land berufen, die genau vor einem Jahr herausgegeben worden ist. Die Bischöfe erwähnen die AfD darin wortwörtlich und machen deutlich, dass eine Parteimitgliedschaft von Haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern in kirchlichen Gemeinden ausgeschlossen ist und dass die AfD für Christen eigentlich nicht wählbar ist. Das war auch mein Ansatz in dieser Ansprache.
DOMRADIO.DE: "Für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Nächstenliebe" war das übergeordnete Motto der Zusammenkunft gestern. Was meinen Sie, welches Zeichen Sie gestern Abend gesetzt haben?
Boss: Wir haben auf jeden Fall Zusammenhalt in einem Stadtteil demonstriert, der in hohem Maße von einem hohen Wahlergebnis der AfD geprägt war. Bei der letzten Kommunalwahl hat die AfD im Stadtteil Garath über 30 Prozent der Stimmen geholt, bei einer Wahlbeteiligung von nur 41 Prozent. Das heißt, gestern sind viele Menschen zusammengekommen, die gezeigt haben, dass es anders gehen kann und gehen muss.
Das Interview führte Carsten Döpp.