Kölner Karnevalist und Priester gegen Verschiebung von Rosenmontagszug

"Düsseldorf hat die Hosen voll"

Düsseldorf will den Rosenmontagszug wegen der Pandemie in den Mai verschieben. Kommt das auch in Köln? "So lange man es uns nicht verbietet, bleiben wir dabei", sagt Karnevalist und Pfarrer Thomas Frings.

Rosenmontag am Rhein / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Rosenmontag am Rhein / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

DOMRADIO.DE: Was haben Sie denn gedacht, als Sie gehört haben? Die Düsseldorfer verschieben den Rosenmontagszug auf den 8. Mai.

Thomas Frings (Kölner Pfarrer und Sitzungspräsient der Kölner Karnevalsgesellschaft "Die Große von 1823"): Da habe ich gedacht, das ist die antizipierte volle Hose. Nach der Devise: Es geht sowieso daneben, dann machen wir es gleich schonmal rein. Konnte ich nicht nachvollziehen.

Ich kann zwar die Bedenken verstehen, angesichts der Lage. Aber wenn wir uns umschauen in den anderen Ländern: England macht es anders als Schweden, Dänemark anders als Holland, Frankreich anders als Portugal und Deutschland anders als Australien.

Jedes Land macht das anders und alle haben gute Gründe. Und am Ende macht es jeder nur auf seine Art und Weise falsch. Deswegen bin ich der Meinung: Erstmal dabei bleiben, so lange es nicht von oben verboten wird. 

DOMRADIO.DE: Aber haben wir nicht gerade am 11.11. gesehen, dass da doch Einiges aus dem Ruder gelaufen ist? Und so ein Rosenmontagszug ist ja eine Veranstaltung mit Millionen von Menschen. Also, das kann man ja gar nicht kontrollieren. 

Frings: Rosenmontag kann man wahrscheinlich wirklich nicht kontrollieren. Jetzt haben Sie den 11.11. dezidiert angesprochen. Da kann ich einfach mal eine kleine Werbung für meinen Verein machen. Wir machen ja seit vielen Jahren die Veranstaltung am 11.11. am Tanzbrunnen und wurden ausdrücklich dafür gelobt, dass es da vorbildlich zugegangen ist. Es geht also.

DOMRADIO.DE: Düsseldorf will im Mai nachholen, das ist dann schon nach der Fastenzeit, also in der Osterzeit. Das ist ja aus kirchlicher Sicht ziemlich schräg, oder? 

Frings: Darüber habe ich natürlich auch nachgedacht. Das ist aber nicht das erste Mal, dass der Rosenmontagszug verschoben wurde. Es gab schon Verschiebungen aufgrund von Unwetter und wegen des Irak-Kriegs.

Man muss einfach zugestehen: Die wenigsten Karnevalisten wissen noch, warum das an dem Datum gefeiert wird - dass Karneval etwas mit der Fastenzeit und mit Ostern zu tun hat und der 11.11. mit der Vor-Fastenzeit vor Weihnachten. 

DOMRADIO.DE: Wie blicken Sie denn jetzt als Sitzungspräsident auf das, was kommt? Wie planen Sie denn die Veranstaltungen weiter? 

Frings: Im Moment planen wir noch ganz normal. Der Kartenverkauf geht weiter wie bisher, solange man es uns, glaube ich, von oben nicht verbietet, werden wir es von unten nicht absagen. So ist mein Kenntnisstand. 

DOMRADIO.DE: Und wie beruhigen Sie die Leute, die sagen: Meint ihr nicht, das ist der Zeit nicht angemessen? 

Frings: Welche Leute sollen wir beruhigen? Die, die kommen, wissen Bescheid. Und die, die beunruhigt sind, werden nicht kommen. Da ist jeder frei. Es wird ja keiner gezwungen irgendwohin zu kommen. 

Das Interview führte Heike Sicconi.

Pfarrer Thomas Frings als Sitzungspräsident / © Thomas Frings (privat)
Pfarrer Thomas Frings als Sitzungspräsident / © Thomas Frings ( privat )
Quelle:
DR