Nach der Kreuzschändung durch einen israelischen Soldaten hat das christliche Dorf Debel im Süden des Libanon doppelten Ersatz erhalten. Neben der israelischen Armee stiftete auch die Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon (Unifil) ein Kreuz als Ersatz. Das bestätigten die päpstliche Nuntiatur in Harissa bei Beirut sowie Unifil auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Während das von der israelischen Armee gestiftete Kreuz laut Nuntiatur-Angaben mit seiner Höhe von etwa einem Meter nicht an der ursprünglichen Position platziert werden konnte, entspricht das Unifil-Kreuz mit 2,50 Metern Größe dem zerstörten Kreuz. Zudem ist auf einem von der Zeitung "Jerusalem Post" veröffentlichten Bild zu sehen, dass die neue Statue der beschädigten ähnlich sieht. Sie zeigt Jesus Christus am Kreuz und ist farblich einem echten Menschen nachempfunden. Die von Israels Armee besorgte Statue zeigte Jesus als goldene Figur am Kreuz. Die neue Figur repräsentiere die maronitische Kirche angemessener, sagte ein Einwohner. Sie wurde bei einer Feier vom Nuntius, Erzbischof Paolo Borgia, gesegnet und am ursprünglichen Ort aufgerichtet. Die Statue der Israelis wurde in der Kirche des Dorfes aufgestellt.
Ein Unifil-Vertreter sagte der KNA, die Initiative der UN-Mission, das Kreuz zu ersetzen, sei der Ankündigung der israelischen Armee vorausgegangen. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni dankte dem italienischen Unifil-Kommandanten, Generalmajor Diodato Abagnara, laut Mitteilung ihres Büros am Donnerstagabend. Die Bilder von der Wiedererrichtung des Kreuzes "erfüllen das Herz" und seien "ein starkes Zeichen von Hoffnung, Dialog und Frieden", so Meloni.
Kritik aus Kirche und Judentum
Bilder in sozialen Medien hatten am Sonntag einen israelischen Soldaten in dem südlibanesischen Christendorf Debel gezeigt, wie er einer gestürzten Jesusfigur am Kreuz mit einer Axt auf den Kopf schlägt. Der Täter und ein weiterer Soldat, der ihn bei der Tat aufnahm, müssen für 30 Tage in Militärhaft und werden vom Kampfeinsatz abgezogen, hatte die israelische Armee der KNA erklärt.
Über das Schicksal weiterer sechs Soldaten, die den Fall weder gemeldet noch verhindert hätten, solle später entschieden werden. Die Tat hatte bei Kirchenvertretern im Heiligen Land, aber auch bei prominenten Rabbinern und jüdischen Vertretern für Verurteilungen gesorgt.
Israels Armee ist trotz derzeit geltender Waffenruhe weiterhin im Südlibanon. Rund jeder dritte Einwohner dort ist Christ.